31.10.2014 09:37
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Dünger
Phosphor aus Klärschlamm
Die Phosphorvorräte gehen zur Neige. Der Bund möchte den Nährstoff bis in fünf Jahren aus dem Abwasser zurückgewinnen.

Bei jedem Toilettengang spülen wir wertvolle Rohstoffe den Abfluss herunter – darunter Phosphor. Das chemische Element ist essenziell  für die Düngerproduktion und damit die Ernährung der Menschheit. Mit einer neuen Methode will die Schweiz nun als erstes europäisches Land Phosphor aus dem Abwasser flächendeckend zurückgewinnen.

13'500 Tonnen im Abfall

Heute werden weltweit jährlich rund 100 Mio. Tonnen Rohphosphat abgebaut. Davon gingen 90 Prozent in die Düngerproduktion für die Landwirtschaft, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einem Bericht schreibt. Die Schweiz importiert demnach jedes Jahr rund 16'500 t Phosphor, vor allem als Mineraldünger, aber auch in Tierfutter und Lebensmitteln.

Rund 13500 t Phosphor fallen gemäss Bafu jährlich in Form von Abfällen an, etwa 65% davon als Klärschlamm sowie Tier- und Knochenmehl. Hier liegt das grösste Potenzial zur Rückgewinnung von Phosphor. Weitere 20% werden in der Schweiz über den Kehricht entsorgt. Die Schweiz wolle nun eine Pionierrolle übernehmen und Phosphor aus den Kläranlagen zurückgewinnen, wie die Sendung «10vor10» am Montag berichtete.

Vorräte gehen zur Neige

Thomas Wintgens, Professor der Fachhochschule Nordwestschweiz, betreibt in Pratteln BL eine entsprechende Versuchsanlage. «Klärschlamm wird normalerweise in Kehrichtverbrennungsanlagen verbrannt und die Asche als Sondermüll entsorgt», erklärt er in der Fernsehsendung. In seiner Anlage in Pratteln wird die Asche nachbehandelt und der Phosphor recycelt. Denn die Vorräte des wertvollen Düngers gehen zur Neige.

Kaarina Schenk vom Bafu sagt gegenüber «10vor10», dass die Vorräte noch 50 bis maximal 300 Jahre reichen würden. Gemäss neuer Abfallverordnung des Bundes soll der Phosphor schweizweit aus dem Abwasser zurückgewonnen werden und dies bereits bis in fünf Jahren. Der Bund rechnet mit Gesamtkosten von bis zu 400 Mio. Franken.

«Fünf Jahre zu knapp»

Heinz Habegger vom Branchenverband der Schweizer Kläranlagen betont in der Sendung, dass diese Frist viel zu kurz sei. «So besteht die Gefahr von Fehlinvestitionen in falsche Verfahren.» Denn es existiere noch keine praxistaugliche Anlage in der Schweiz.

Die ehrgeizigen Pläne des Bundes sind noch bis Ende Herbst in der Vernehmlassung. Würde der Phosphor aus dem Schweizer Klärschlamm zurückgewonnen, entspräche dies bei einem Rückgewinnungsgrad von 80 Prozent rund drei Vierteln des Phosphors, der jährlich in Form von Mineraldünger in die Schweiz importiert würde. Im Kanton Zürich ist im Moment eine zentrale Anlage zur Klärschlammverwertung am Entstehen.

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