3.08.2015 14:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Italien
Polizei knackt Schaf-Code
In Zeiten modernster Kommunikationsmöglichkeiten blieben sie bei ihrer alten Zettelwirtschaft und bedienten sich eines Codes auf der Basis der Sprache von Schäfern: Nach jahrelangen Ermittlungen hat die italienische Polizei den Schaf-Code geknackt.

Am Montag fasste die Polizei elf Verdächtige aus dem Umfeld des seit zwei Jahrzehnten flüchtigen mutmasslichen Paten der sizilianischen Mafia, Matteo Messina Denaro. Nach Angaben der Ermittler ist unter ihnen der ehemalige Mafiaboss Vito Gondola. Er soll das konspirative Kommunikationsnetz unterhalten haben. Wie Gondola sind zwei weitere Verhaftete über 70 Jahre alt.

Uralt-Methode

Der seit 1993 flüchtige 53-jährige Pate der Cosa Nostra bediente sich nach Angaben der Ermittler der uralten Mafiamethode der «Pizzini» - verschlüsselte Botschaften auf einem kleinen Stück Papier -, um seinen Schergen Anweisungen zu geben. Die Zettel wurden mehrfach gefaltet und mit Klebestreifen umwickelt unter einem grossen Stein auf dem Gelände von Gondolas Bauernhof unweit der sizilianischen Hafenstadt versteckt.

Gondolas Aufgabe war es, die Adressaten der «Pizzini» zu informieren. Am Telefon sagte der 77-Jährige dafür: «Ich habe Dir Ricotta beiseite gelegt, kannst Du ihn später abholen», oder «die Schafe müssen geschoren werden» oder «das Futter für die Schafe ist fertig».

Seit 2011 Kommen und Gehen auf Hof verfolgt

Die Ermittler verfolgten seit 2011 mit verborgenen Kameras und Mikrofonen das Kommen und Gehen auf dem Bauernhof. Und entdeckten dabei, dass Denaro an Einfluss verliert: In einem Telefonat berichtet Gondola einem anderen Mafioso, der 53-Jährige verliere die Kontrolle über die jüngste Generation der Cosa Nostra - diese verschwänden einfach, «ohne Bescheid zu geben».

Der 1993 untergetauchte Mafia-Killer Denaro gilt als Nachfolger der lebenslang einsitzenden historischen «Paten» Toto Riina und Bernardo Provenzano. Die letzten bekannten Fotos von ihm stammen aus den frühen 90er Jahren. Auf dem Höhepunkt seiner Mafia-Karriere hatte er den Ruf eines Frauenhelden und Protzes, der seine rund 900 Gangmitglieder fest im Griff hatte. Berichten zufolge soll er einmal damit angegeben haben, mit seinen Opfern einen ganzen Friedhof füllen zu können.

Schafbauer liebt seine Tiere

Schafbauer Gondola soll Berichten der italienischen Medien zufolge früher einmal Riinas rechte Hand gewesen sein. In den 70er Jahren gehörte er demnach einer Gang an, die auf Entführungen spezialisiert war. Er liebt laut den Ermittlern seine Schafe, trotz seines Alters steht er jeden Morgen um 04.00 Uhr auf, um sich um sie zu kümmern.

«Der Staat siegt, die Mafia verliert», erklärte Innenminister Angelino Alfano am Montag über den Kurzbotschaftendienst Twitter. Ministerpräsident Matteo Renzi dankte im Online-Netzwerk Facebook den Ermittlern für ihren Einsatz. Gleichzeitig rief er zu vermehrten Anstrengungen auf, nun auch Denaro zu finden.

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