25.07.2017 06:11
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Nachruf
Polo Hofer war ein «halber Bauernsohn»
Am Montag wurde bekannt, dass der legendäre Mundartrocker Polo Hofer im Alter von 72 Jahren verstorben ist. Hofer hatte nicht nur starke Sympathien für die Bauern. 2007 war er bereit, für einen 1. April-Scherz beim «Schweizer Bauer» mitzumachen.

Polo Hofer ist nicht mehr. Der Berner Mundart-Rocksänger ist am Samstag 72-jährig verstorben. Dies teilte seine Familie am Montag mit. Vor knapp einem Jahr hatte Hofer bekanntgegeben, dass er an Lungenkrebs erkrankt sei. Der charismatische Sänger aus dem Berner Oberland hatte auch eine starke Verbindung zur Landwirtschaft, war doch seine Mutter eine Bauerntochter aus Beinwil am See. Und «Polo National» bekannte sich auch zur Schweizer Landwirtschaft, wie das am 5. April 2007 im «Schweizer Bauer» erschienene Interview zeigt (siehe ganz unten).

1. April-Scherz

Das Interview erschien im Nachgang zu einem 1. April-Scherz, der in der Woche zuvor auf der Frontseite des «Schweizer Bauer» abgedruckt war.  Polo war ganz im Stil der Basiswerbung des Schweizer Bauernverbandes mit einem Edelweisshemd abgebildet. Dazu stand folgender Text: 

«Polo wirbt für die Bauern»
Nachdem mit Stephan Eicher bereits ein prominenter Rocker bei der Imagekampagne für die Schweizer Bauern mitmacht, hat sich nun auch Mundartrocker Polo Hofer entschlossen, einzusteigen. Sein Einsatz gilt vor allem dem Grasland Schweiz, weil er glaubt, dass Gras für Kühe das natürlichste Futter ist und sie besonders glücklich macht.»


Ein Anruf bei Polos Frau Alice hatte genügt, um den Mundartrocker von der Idee zu überzeugen. Die Ironie, welche im Slogan steckte, reizte den nicht nur dem Alkohol, sondern auch anderen Drogen nicht immer abgeneigten Hofer, beim Scherz mitzumachen. Honorar wollte er keins. Einzige Bedingung war, das von ihm signierte Edelweisshemd auf Ricardo.ch zu Gunsten der Schweizer Berghilfe versteigern zu lassen. Immerhin war das Hemd einem Käufer 405 Franken wert.

Hofer hatte Sympathien für Bauern

Der Besuch Polos beim «Schweizer Bauer» ist bis heute in legendärer Erinnerung geblieben. Zuerst fand das Fotoshooting mit Fotografin Monika Mullis statt. Danach interviewten Ruedi Haudenschild und der Schreibende den Musiker. Dabei stellte sich rasch heraus, dass Hofer sehr viel über die Landwirtschaft wusste und grosse Sympathien für die Bauern hatte. Im Anschluss daran holte Produktionschef Daniel Banga eine kühle Flasche aus dem Kühlschrank. «Polo, Du nimmsch sicher es Bierli», sagte Banga in seinem Basler-Dialekt. Niemandem kam in den Sinn, dass Polo offiziell zu dem Zeitpunkt gerade mal wieder auf Alkoholentzug war.

Als im Nachgang die Online-Redaktion beabsichtigte, eine Bildergalerie aufzuschalten, kam einer auf die Idee, dass wir Polo in die Pfanne hauen würden, wenn wir ihn einfach unkommentiert mit einem Bier abbilden würden. Die Lösung war dann zu schreiben, dass Polo «ein alkoholfreies Bier» getrunken habe.

Abo storniert wegen Scherz

Der Scherz mit Polos Einsatz für das «Grasland Schweiz» ärgerte dann aber doch den einen oder anderen Leser des «Schweizer Bauer» masslos. Der Schweizer Bauernverband in Brugg erhielt deswegen mehrere Anrufe. Ein Leser  stornierte gar sein «Schweizer Bauer»-Abo. Dabei stammte die Idee weder von Polo selber und schon gar nicht vom Schweizer Bauernverband, sondern vom Schreibenden, der mittlerweile für die SVP im Grossen Rat des Kantons Bern Einsitz nimmt und eigentlich eine drogenpolitisch harte Linie verfolgt. Doch auch bei politisch klaren Haltungen muss man manchmal schmunzlen können - und zwar allenfalls auch mal über seine eigenen Ansichten.

In anderen politischen Fragen war der Mundartrocker aber durchaus konservativ eingestellt. So war er nicht nur für eine produzierende, durch Grenzschutz geschützte Landwirtschaft. Auch einem EU-Beitritt der Schweiz stand er äusserst skeptisch gegenüber.

Polo trug Bauernhut weiter

Dass der Besuch beim «Schweizer Bauer» auch bei Polo in guter Erinnerung geblieben ist, zeigte sich an weiteren Begegnungen, so etwa 2012, als Hofer für die Emmentaler Sortenorganisation eine Rede zur Bundesfeier schrieb - dieses Mal ganz offiziell und nicht als Scherz. «Weisch no denn, mit em Hemli», meinte er. Und auch am Chästeilet am 19. September 2014 kreuzte er im Justistal bei Sigriswil mit der «Schweizer Bauer»-Mütze auf, welche er 7 Jahre zuvor erhalten hatte.  Polo mit «Schweizer-Bauer»-Hut wurde deswegen auch im grossen DOK-Film über seine Karriere verewigt und auch der Schreibende kam deswegen sogar zu ein paar Sekunden telegenem Ruhm.

Polo, Du wirst uns vom «Schweizer-Bauer»-Team, aber auch den Bauernfamilien fehlen. Denn obwohl Du selber nie offiziell, sondern nur als Scherz Botschafter für die Schweizer Bauern warst, hast Du sie konsequent und glaubwürdig vertreten. Du hast regional eingekauft, sogar mal ein Huhn geleast, und Du hast vor allem positiv über die Bauern geredet. So, wie es zu einem «halben Bauernsohn» wie Dir gepasst hat.

RIP

Interview im «Schweizer Bauer» vom 05. April 2007.

«Ich habe bei meiner Grossmutter oft Runkelrüben geputzt»

Mundartrocker Polo Hofer bezeichnet sich als «halben Bauernsohn». Er bevorzugt Produkte aus der Region.

Interview:Rudolf Haudenschild/Samuel Krähenbühl

«Schweizer Bauer»: Der Mundartrock ist eigentlich genau so ein regionales Produkt, wie Landwirtschaftsprodukte. Sehen Sie Parallelen zur Schweizer Landwirtschaft?
«Mi Vater het puuret uf eme Hof ihr Lochmatt», kennt ihr dieses Lied? Ich bin «nur ein «halber» Bauernsohn. Meine Mutter war eine Bauerntochter aus Beinwil am See. Ich habe dort oft Rüben geputzt bei meiner Grossmutter. Oft durfte ich auch das «Zvieri» holen.

Hat Polo Hofer heute selber einen Pflanzplätz?
Nicht mehr. Es wird so viel gestohlen. Gehen wir gescheiter zur nächsten Frage.

Zurück zum Regionalprodukt: Worauf führen Sie den grossen Erfolg des Mundartrocks zurück?
Das hat genauso wie in der Landwirtschaft mit Identität zu tun. Es verstehen es ja nur die, welche damit aufgewachsen sind. Und wir brauchten damals «Püetz» in nächster Nähe und nicht im Ausland; wie die Schweizer Bauern heute auch. Viele probieren es mit Englisch, um über die Grenze zu kommen. Wir haben das von Anfang an ausgeschlossen. So konnten wir auch in der Region bleiben. Wir waren damals ja zum Teil noch in der Lehre.

Ihr wart stets stolz, auf das, was ihr und wie ihr es gesungen habt?
Wir wollten immer etwas Eigenes, Urchiges machen und nicht von anderen übernehmen und kopieren. Nur wer sich selbst bleibt, kann andere überzeugen.

Ihr Song «Alperose» wurde zum beliebtesten Schweizer Hit aller Zeiten gewählt; Was ist ihr liebstes Produkt der Schweizer Bauern?
Sicher der Käse. Ich verfolge mit Spannung, was mit dem Bio-Käse am Lauberhorn passiert oder was sie in Gstaad mit dem Käse mischeln. Dann habe ich natürlich Saisongemüse sehr gerne. Ich habe auch eine Beziehung zum Seeland. Ich kaufe keine ausländischen Spargeln und gehe lieber dorthin und warte dafür noch ein wenig.

Was denken Sie über die Schweizer Landwirtschaft? Wo sehen Sie ihre Chancen?
Experimente sind wichtig. Nur mit ausprobieren kommt man weiter. Heute muss ein Bauer ein «Manager» sein, ein regelrechtes Kommunikationsgenie. Er muss so viele Sparten abdecken. Mir fällt natürlich auch auf, dass wir in den letzten zehn Jahren vermehrt auf Bauernhöfen spielen, wo die Heubühne zur Konzertbühne umfunktionniert wurde wie bei Rüedis bei Bern. Das sind übrigens sehr gute Konzertlokale. Akkustisch sind die super. Bereits finden ganze Festivals auf Bauernhöfen statt. Ein Beispiel ist das Festival in Tufertswil im Toggenburg.

Was sagen Sie zur Kritik an der Landwirtschaft?
Wegen der Subventionen? Die sind schon nötig. Ich kenne mich zwar nicht so gut aus. Die Bauer haben auch einen grossen Krampf. Dass die auf einen grünen Zweig kommen wollen, ist doch klar. Und ich glaube, dass der Durchschnittschweizer nicht gross protestiert. Jeder hat doch eine gewisse Sympathie für die Bauern. Das ist schon fast genetisch. Schliesslich sind viele Agrarabkömmlinge. Die Schweizer Bauern liefern ja auch eine sehr hohe Qualität.

Auf was schauen Sie denn sonst noch, wenn Sie einkaufen?
Also ich bevorzuge Produkte aus der Region.

Kaufen Sie auch direkt bei Bauern?
Ich kaufe auch direkt bei Bauern ein. Einmal habe ich sogar ein Huhn geleast und dann immer Eier bekommen. Ich wollte aber auch wissen, wie das Huhn gehalten wurden.

Sie waren vier Monate mit Ross und Wagen unterwegs quer durch die Schweiz. Was haben Sie da für Erfahrungen gemacht?
Ich hatte vorher keine Ahnung von Pferden. Bei dieser Reise habe ich gemerkt, wie viele Pferdehalter und Pferdepensionen es gibt. Und übrigens bin ich auch in Kontakt mit dem Hornusser-Sport gekommen.

Was wünschen Sie den Schweizer Bauern?
Immer erfreuliche Ernten. Und das mit dem Bienensterben muss man im Auge behalten. Das Bienensterben könnte die landwirtschaftliche Produktion und unsere Ernährung massiv gefährden.



1. April

Polo Hofer hat zwar grosse Sympathien für die Schweizer Bauern. Bei der Imagekampagne des Bauernverbandes macht er aber nicht mit. Das Bild auf dem «Schweizer Bauer» vom 31. März entstand als 1.-April-Scherz. Auf www.schweizerbauer.ch finden Sie eine Bildergalerie vom Fotoshooting und können das von Polo Hofer signierte Edelweisshemd ersteigern.

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