27.06.2013 09:06
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/dpa
Evolution
Rekord: Uraltes Pferde-Erbgut isoliert
Aus einem etwa 700'000 Jahre alten Pferde-Knochen haben Forscher das Erbgut isoliert und komplett entziffert. Es sei das mit Abstand älteste Genom eines Tieres, das je gewonnen und analysiert werden konnte, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt «Nature».

Es erlaube nicht nur neue Einblicke in die Evolution der Pferde, sondern lasse auch hoffen, das künftig DNA aus anderen fossilen Proben gewonnen werden könne, die bisher als zu alt erachtet wurden. 

In Kanada ausgegraben

Ludovic Orlando von der Universität Kopenhagen und sein Team hatten den Knochen des Pferdes 2003 in Thistle Creek im kanadischen Territorium Yukon ausgegraben. Für Jahrtausende hatte er ungestört im Permafrostboden gelegen, weshalb das Genom noch sequenzierbar war. 

Die Forscher verglichen nun ihre Genom-Daten mit denen eines Pferdes, das vor etwa 43'000 Jahren im späten Pleistozän gelebt hatte, und denen eines heute lebenden Przewalski-Pferdes (Equus ferus przewalskii). Diese verglichen sie mit Daten eines Esels (Equus asinus) und von fünf domestizierten Pferden (Equus ferus caballus).  

Urahn vor 4 Millionen Jahren 

Die Analyse ergab, dass der letzte gemeinsame Vorfahr all dieser Pferde aus der Gattung Equus vor 4 bis 4,5 Millionen Jahren gelebt hatte. In den vergangenen zwei Millionen Jahren schwankte die Population der Pferde sehr, vor allem in Abhängigkeit von den klimatischen Veränderungen auf der Erde, wie die Wissenschaftler weiter berichten.  

Ihre Untersuchung bestätigt zudem, dass das Przewalski-Pferd das letzte überlebende echte Wildpferd ist. Nach dem sich die evolutionären Wege dieser Pferde von denen der domestizierten Pferde getrennt hatten, gab es der Untersuchung zufolge keine Vermischung mehr zwischen den beiden Populationen.  

Evolution des Menschen 

Bis zu dieser Studie hätten viele Experten gedacht, dass es nicht möglich sei, das komplette Erbgut einer so alten Probe zu gewinnen, schreiben Craig Millar von der University of Auckland (Neuseeland) und David Lambert von der Griffith University (Nathan/Australien) in einem «Nature»-Kommentar.  

«Die Untersuchung von Orlando und seinen Mitarbeitern ermutigt uns zu fragen, ob nicht vielleicht auch DNA älterer Proben aus dem mittleren Pleistozän gewonnen werden könne - etwa von Homo heidelbergensis oder von Homo erectus», schreiben die Forscher. Dies würde ein neues Licht auf die Evolution des Menschen werfen.

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