10.11.2017 08:47
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gesundheit
Schlüsselmolekül der Malaria-Übertragung entdeckt
Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Diesem Motto folgt auch der Malaria-Erreger, wenn es seinem Opfer immer schlechter geht. Ein internationales Forscherteam mit Basler Beteiligung hat entdeckt, wie der Parasit den richtigen Zeitpunkt dafür mitbekommt.

Der Malaria-Parasit stellt sicher, dass er per Mücke auf den nächsten Menschen übertragen werden kann, wenn es seinem derzeitigen Opfer immer schlechter geht. Dafür wechselt der Erreger von einem Vermehrungs- in ein Übertragungs-Stadium. Was genau dieses Umschalten steuert, war bisher nicht geklärt.

Forschende des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) haben zusammen mit Kollegen aus den USA und Schottland entdeckt, dass ein Molekül im Blut des Patienten eine Schlüsselrolle für diesen Kurswechsel spielt. Das teilte das Swiss TPH am Donnerstag mit.

Das Molekül namens LPC (Lysophosphatidylcholine) hilft dem Parasiten, sich zu vermehren: Es stellt für ihn Baumaterial für neue Zellmembranen dar. Vermehrt sich der Erreger stark, sinkt die Konzentration an LPC im Blut.

Zeit zum Umschalten

Dadurch scheint der Parasit zu merken, dass es an der Zeit ist, ins Übertragungs-Stadium überzugehen, wie die Forschenden im Fachblatt «Cell» berichten. Die LPC-Menge verrät dem Erreger, wie gross die Anzahl der Parasiten im Blut ist - und somit wie schlecht der Zustand des betroffenen Menschen.

«Zum ersten Mal überhaupt konnten wir beweisen, dass der Malariaparasit im menschlichen Körper nicht ein festes Programm abwickelt, sondern flexibel auf die Umwelteinflüsse reagiert», erklärte Studienerstautor Nicolas Brancucci vom Swiss TPH gemäss der Mitteilung.

Die Entdeckung, dass LPC dem Erreger verrät, wann es Zeit ist, das «sinkende Schiff» zu verlassen, liefert eine wichtige Grundlage für den Kampf gegen Malaria: Damit kennen Forschende nun einen Angriffspunkt für neue Therapien, um die Übertragung des Erregers zu stoppen. Die Tropenkrankheit kostet jedes Jahr rund eine halbe Millionen Menschen das Leben. Vor allem für kleine Kinder endet die Krankheit oft tödlich.

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