10.11.2016 13:01
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Glescher
Schwindendes Eis lässt Alpen wachsen
Die Alpen heben sich stetig um ein bis zwei Millimeter pro Jahr. Grund dafür ist das Abschmelzen der Eisschilde nach Ende des letzten eiszeitlichen Maximums vor etwa 18'000 Jahren.

Die Reaktion der Erdkruste auf das Nachlassen der Gletscherlast dauert bis heute, berichten Forscher im Fachjournal «Nature Communications».
Für alte, tektonisch stabile Regionen der Erdkruste wie Nordamerika und Skandinavien ist schon lange bekannt, dass die beobachtete Hebung fast ausschliesslich auf den sogenannten postglazialen «Reboundeffekt» zurückzuführen sind: Die Erdkruste reagiert auf die schwindende Eislast nach Ende des «letzten glazialen Maximums» (LGM) mit einer Aufwärtsbewegung.

Zur Zeit des LGM waren auch die Alpen von Eis bedeckt. Das Ausmass der Vereisung des Gebirgszugs war aber viel geringer als in Nordamerika und Skandinavien. Deshalb ging man bisher davon aus, dass das Abschmelzen der Gletscher keine grosse Bedeutung für die aktuelle Anhebung der Alpen hat.

Eisschmelze ist Hauptursache

Vielmehr dachte man, dass die Hebung hauptsächlich durch Erosion und den Abtrag von Sedimenten aus dem Gebirge heraus hervorgerufen wird. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Uni Potsdam und des Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) zeigten nun aber, dass das Verschwinden des Eises nach Ende des LGM für etwa 90 Prozent der heutigen Hebung verantwortlich ist.

In jungen Gebirgen wie den Alpen sind komplexe, sich gegenseitig beeinflussende Mechanismen am Werk: Die Afrikanische schiebt sich unter die Eurasische Platte und die Adriatische Platte (eine Teilplatte der Afrikanischen Platte) schiebt sich gegen den Uhrzeigersinn drehend unter die Eurasische Platte.

In ihrer Arbeit haben die Wissenschaftler nun den Anteil von Sedimentabtrag, Eislast und lokaler Tektonik an der Hebung der Alpen verglichen. Sie verwendeten dazu Computermodelle und Daten aus Bohrungen.

62'000 Gigatonnen Eis

Sie gehen davon aus, dass sich ein Grossteil des nach Ende der Hauptvereisungsphase erodierten Materials innerhalb des Gebirges abgelagert hat. Damit kann dieser Prozess nicht die Hauptursache für die Hebung der Alpen sein, nur rund zehn Prozent der Hebung können auf die Entlastung durch sedimentären Abtrag zurückgeführt werden.

Die Modellierungen zeigen vielmehr, dass sich die Hebung, ähnlich wie in Skandinavien und Nordamerika, am besten mit einer entlastenden Ausgleichsbewegung nach Abschmelzen der Gletscher erklären lässt. Demnach lasteten auf den Alpen während des LGM 62'000 Gigatonnen Eis. Der Sedimentabtrag nach Ende der Vergletscherung machte aber nur gut 4000 Gigatonnen aus.

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