17.07.2013 08:26
Quelle: schweizerbauer.ch - Christoph Hirtler
ESAF 2013
«Schwingen ist wie eine Sucht»
Der Obwaldner Senn Peter Imfeld zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Schwingern der Schweiz. 72 kantonale Kränze besitzt er heute. In Burgdorf will er einen zweiten eidgenössischen Kranz erschwingen.

Seine Karriere begann 1998 mit dem Kranzgewinn am Thurgauer Kantonalschwingfest.  2007 gewann er einen Kranz am Eidgenössischen in Aarau. Peter Imfeld wohnt mit seiner Frau Louise und den Kindern Laurin und Lianne in einem Einfamilienhaus in Lungern. 1,87 Meter gross, 110 Kilo schwer, muskulöse Oberarme: Fürs Schwingen trainiert  Peter Imfeld täglich hart. «Im Winter hole ich mir mit Koordinationsübungen und Krafttraining die Grundlagen für den Sommer. Im Frühling arbeite ich an meiner Schnelligkeit, denn Kraft allein nützt dir nichts.» Nach jahrelangem Training funktionieren die Automatismen: «Wichtig ist mir das wöchentliche Schwingtraining. Bis ein Schwung richtig sitzt, musst du ihn mehr als tausendmal geübt haben.» Seine Spezialität ist der «Kurz», aber auch am Boden hat er viel gearbeitet, damit er aus allen Lagen stark schwingen kann und vielseitig bleibt.

Schwingen prägt Alltag

Das Schwingen prägt den Alltag der Familie Imfeld. Nach der Arbeit und dem gemeinsamen Nachtessen sind sechs Abende ausgefüllt mit Trainieren. Im Frühling nimmt er gerne an kleinen Schwinget teil, im Sommer reist Peter Imfeld mit seiner Familie zu den grossen Schwingfesten. «Schwingen ist eine Sucht. Beim Geruch von frischem Sägemehl am Sonntagmorgen packt mich das Fieber.» Vom Virus angesteckt scheint der neunjährige Sohn Laurin: Er trainiert im Schwingkeller von Lungern.

Als Bub die Könige gesehen

Das Brünigschwinget mit seiner Naturarena und dem grossartigen Panorama ist für Peter Imfeld das schönste Schwingfest der Schweiz. Schon als kleiner Bub war er dabei, hat die Könige gesehen, den Schläpfer Ernst, den Hasler Eugen oder den Knüsel Heiri. Ansporn genug auf der Alp Hütstett, sich mit den Buben der anderen Älplerfamilien zu messen. Mit zehn Jahren begann der Bauernsohn intensiver zu trainieren: «Zehn Bubenschwingen machte ich im Jahr. Ich war vielleicht nicht der beste Obwaldner Schwinger meines Jahrgangs. Neben dem Talent und der Freude am Schwingen braucht es viel Durchhaltewillen.»

An Trainingsmöglichkeiten fehlte es nicht: Obwalden ist eine Schwingerhochburg, sechs der sieben Obwaldner Gemeinden haben eine eigene Sektion und einen Schwingkeller. Peter Imfeld wurde Bauer, später Maurer und Polier. Heute arbeitet er in einem kleinen Bauunternehmen. Mit der Landwirtschaft bleibt er verbunden. Er hilft mit seiner Familie dem Bruder Christian beim Heuen und dem Vater auf der Alp Brunnenmatt.

Das Eidgenössische

Heute gibt es über 100 Spitzenschwinger, die hart trainieren. 280 Schwinger sind am Eidgenössischen in Burgdorf gemeldet, 300000 Festbesucher werden erwartet, 52000 Personen haben in der Arena Platz. Schwingen ist im Trend: «Als der Schwingerkönig Jörg Abderhalden 2007 zum Schweizer des Jahres gewählt wurde, gab das dem Schwingen Auftrieb.» Schwingen ist heute ein mediales Ereignis – ein Vorteil für die Schwinger, welche die wichtigsten Gänge der Schwingfeste im Internet ansehen und die Stärken und Schwächen der Gegner analysieren können. Trotzdem: Man hilft einander, fachsimpelt, gibt sich gegenseitig Tipps. Schwingen ist ein fairer Sport, die Kollegialität unter den Schwingern gross, das Umfeld familiär.

Peter Imfeld ist gut in die Saison gestartet: Er gewann am 5.Mai 2013 das Ob- und Nidwaldner Kantonale Schwingfest. Es war sein sechster Kranzfestsieg. Körperlich und mental ist Peter Imfeld topfit, bereit für den grössten Sportanlass der Schweiz, das Eidgenössische in Burgdorf. Wie vor jedem Grossanlass wird er am Vorabend mit seinem Bruder beim gemeinsamen Essen ein kleines Ritual zelebrieren: Hindersimagronen und ein Glas Wein, damit er am nächsten Tag zwäg ist. Das hat ihm jedes Mal Glück gebracht.

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