10.08.2018 11:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/ber
Schwingen
Schwingerkönig tritt zurück
Matthias Sempach zieht einen Schlussstrich unter seine Karriere. Der 32-jährige Berner wird am Sonntag am Bernisch Kantonalen Schwingfest zurücktreten. Grund sind Verletzungen. Sein Ziel ist es, künftig einen Ladwirtschaftsbetrieb zu führen.-> Mit Video

Dies gab Sempach am Freitagvormittag in der Gotthelfarena in Utzenstorf BE, wo sein Heimfest, das Kantonal Bernische Schwingfest am Sonntag ausgetragen wird, bekannt. 

Der dreifache Schwinger des Jahres (2012/13/14), Schwingerkönig 2013 und Kilchberger-Sieger 2014 hat mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Dies hat den Berner bewogen, sich vom Schwingen zurückzuziehen. Mit ihm beendet ein Vorbild vieler Kinder, Jungschwinger und Fans seine erfolgreiche Karriere.

Bandscheibe und Rücken

Zuletzt litt Sempach ab Anfang Mai an erheblichen Rückenproblemen. Er zog sich einen Bandscheibenvorfall und später eine weitere Rückenwirbelverletzung zu. Er musste für die beiden Saisonhöhepunkte Berner Kantonales und Schwägalp-Schwinget bereits Forfait erklären.

Bereits im vergangenen Jahr zog sich der Berner eine Verletzung am Oberschenkel zu. Erst kurz vor dem Unspunnenfest kehrte er auf den Schwingplatz zurück. Den Wettkampf in Interlaken mit eidgenössischem Charakter beendete er im 6. Rang - nach aufgeschlüsselten Platzierungen im 17. Rang.

«Zeitpunkt für Rücktritt ideal»

«Ich habe 25 Jahre für den Schwingsport gelebt, 14 davon professionell trainiert und dem Sport alles untergeordnet, damit ich mir meine Träume im Sägemehl verwirklichen konnte. Diese Tatsache macht es heute für mich nicht einfacher, den Rücktritt vom Spitzensport zu erklären. Dennoch weiss ich, dass es die richtige Entscheidung für mich ist», sagt Sempach am Freitag in Utzenstorf BE.

Die Bandscheibenprobleme würde es ihm aber nicht erlauben, auf höchstem Niveau zu agieren. «Mein Anspruch war immer, an der Spitze zu schwingen und Schwingfestsiege zu erkämpfen», macht er deutlich. Er habe ein gutes Körpergefühl. Und er wisse, dass er seinem Körper viel abverlangt habe. «Der Zeitpunkt für den Rücktritt ist deshalb jetzt ideal. Es gibt für mich auch ein Leben nach dem Schwingsport. Ich will meine Gesundheit - auch in Absprache mit meinem Vertrauensarzt Matthias Zumstein - nicht aufs Spiel setzen», sagt der Spitzenschwinger.

Ziel ist ein Landwirtschaftsbetrieb

Gegenüber schweizerbauer.ch sagt Sempach: «Die Entscheidung ist mir schwer gefallen. Aber ich will nicht einfach schwingen, damit ich schwinge. Wenn ich nicht mehr an der Spitze mithalten kann, so muss ich mir wirklich schweren Herzens eingestehen, dass es so keinen Sinn mehr macht.»

Auch zu seiner Zukunft äusserte sich der Emmentaler. Er habe immer zwei Träume gehabt – Schwingerkönig und einen Landwirtschaftsbetrieb bewirtschaften. «Nachdem ich mir meinen Traum mit dem Schwingerkönig verwirklichen konnte, will ich mich jetzt auf den zweiten Traum fokussieren», sagt er gegenüber den Medienvertreter. Vorerst konzentriere er sich aber auf seine Anstellung als Verkaufsberater beim Futtermittelfabrikanten Melior. 

Eindrucksvolle Karriere

«Ich verlasse die Sägemehl-Bühne mit einer grossen Zufriedenheit und bin mit mir im Reinen. Ich kann mir nichts vorwerfen. Und wenn ich könnte, ich würde alles noch einmal genau gleich machen», fährt er fort.  Adrian Affolter, Präsident vom Bernisch-Kantonalen Schwingerverband BKSV, bedauert den Rücktritt von Sempach. Mit Matthias Sempach fehle am Sonntag am Heimfest und auch am nächsten Eidgenössischen Schwingfest 2019 in Zug eine wichtige Stütze. Matthias Sempach gelte als grosses Vorbild für den Nachwuchs. so Affolter. 

Matthias Sempach kann auf eine eindrucksvolle Karriere zurückblicken. Er holte sich 106 Kränze, gewann 36 Kranzfeste, darunter neun Bergkranzfeste und fünf Teilverbandsfeste. Den eidgenössischen Kranz sicherte er sich erstmals 2007 in Aarau und danach drei weitere Male.

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