25.07.2016 11:17
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Schwingen
Schwingfest: Romands wollen punkten
Der Boom, den der Nationalsport Schwingen seit einigen Jahren erlebt, ist in der Romandie angekommen: Erstmals überhaupt ist der Anlass auch bei Austragung in der Westschweiz ausverkauft. Schwingerisch dagegen brauchen die Romands laut dem Schwingerobmann «neue Impulse».

Das «Eidgenössische» findet vom 26. bis 28. August in Estavayer-le-Lac statt. Das mit seinen 52'000 Plätzen «grösste temporäre Stadion der Welt» ist Wochen im voraus restlos ausverkauft, wie Rolf Gasser, Geschäftsführer des Eidgenössischen Schwingerverbands (ESV) feststellt. Das war früher in der welschen Schweiz nie der Fall; bei der letzten Austragung 2001 in Nyon blieben von 33'000 Plätzen 6000 unverkauft.

Volle Tribüne garantiert keinen Gewinn

Allerdings sind die Organisatoren am Neuenburgersee auf der Kantonsgrenze FR/VD damit nicht aus dem Schneider. Eine volle Tribüne garantiere noch keinen Gewinn oder eine schwarze Null. Auch um das Stadion beim Public Viewing und in den Fest- und Sponsorenzelten brauche es lebhaften Betrieb. Gutes Wetter wie 2013 in Burgdorf würde da sehr helfen.

Der Bau des Riesenstadions, mit dem Ende Juni begonnen wurde, sei sehr aufwändig, die Anforderungen an die bauliche Sicherheit sind gross. Überhaupt ist Sicherheit ein wichtiges Thema, wie Gasser feststellt. Das OK unter Albert Bachmann hat ein Sicherheitskonzept erarbeitet, das von den Polizeikorps Waadt und Freiburg überprüft und vom Oberamtmann des Broyebezirks genehmigt werden muss.

Neuer Schwung nötig

Schwingerisch gesehen kommt der Grossanlass für die Romandie gerade recht, ist ESV-Obmann Paul Vogel aus dem Kanton Luzern überzeugt. Der kleinste der fünf Teilverbände des ESV habe es seit je schwer, sich im Sägemehl gegen die Übermacht der andern zu behaupten. In Estavayer stellt er gerade mal 27 von gut 280 Aktiven; der grösste Verband, die Innerschweiz, ist mit 85 Athleten vertreten.

Tatsache ist auch, dass lauter Freiburger Schwinger seit 1986 für die Romandie die Kastanien aus dem Feuer holen. Damals in Sion gewann mit dem Walliser Alain Bifrare letztmals ein Kämpfer aus einem andern Kanton als Freiburg einen Kranz der obersten Kategorie für die Association Romande de lutte suisse.

Welsche Schwinger wollen sich in Szene setzen

Vor drei Jahren in Burgdorf gab es erstmals überhaupt keinen Kranz für die Romandie. Noch in den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts sah das ganz anders aus. 1983 war ein Höhepunkt mit 5 Kränzen. Als es 1989 nur noch deren drei waren, sprach die Fachpresse bereits von einer Enttäuschung. 2016 möchte der Verband nun zur Wende ansetzen, wie Verbandspräsident Blaise Decrauzat auf Anfrage sagte.

«Es wird natürlich sehr schwer», da ist er illusionslos. «Im Sägemehl werden keine Geschenke gemacht». Hoffnungsträger ist der einzige «Eidgenosse» im Feld der 27, Michael Nydegger aus Oberschrot FR. Daneben gibt es auch junge Kämpfer wie Steven Moser, Benjamin Gapany oder Marc Guisolan, die sich in und ausserhalb der Romandie gut in Szene setzten.

Charme kam an

Für den Erfolg des Grossanlasses brauche es «neben dem Schwingerherz auch ein kommerzielles Herz», weiss Rolf Gasser. Swissness heisse das Zauberwort, das vor drei Jahren in Burgdorf zum Grossandrang führte und sich nun anschickt, auch in der Romandie durchzuschlagen. Das OK bekam dies schon in positiver Weise zu spüren: Die 4000 erforderlichen freiwilligen Helfer konnten rechtzeitig gefunden werden.

Trotzdem müsse man damit leben, dass die helvetische Form des Ringens in der Romandie nicht den Stellenwert habe wie ennet der Saane. Nyon wusste aber vor 15 Jahren mit welschem Charme eine Atmosphäre zu schaffen, die ankam. Es erhielt den inoffiziellen Titel «Reine de lutte». Ob dies auch den Organisatoren in Estavayer gelingt, wird sich am letzten Augustwochenende zeigen.

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