3.09.2014 08:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gesundheit
Selenmangel könnte an Monsunregen liegen
Selenmangel kann zu schweren Erkrankungen des Herzens sowie der Knochen und Knorpel führen. In Regionen mit wenig Selen im Boden sind bis zu einer Milliarde Menschen betroffen. Nun weisen Forschende der Eawag nach, dass die Monsunregen bei der Verteilung von Selen eine wichtige Rolle spielen.

Dieses Wissen werde zu besseren Vorhersagen der Selenverbreitung führen, was dabei helfen werde, Mangelerkrankungen zu vermeiden, schreiben die Forscher im Fachjournal «Nature Communications». Das essentielle Spurenelement Selen wird mit der Nahrung aufgenommen. Ein Mangel führt dazu, dass bestimmte Enzyme nicht korrekt funktionieren.

Sieben Millionen Jahre zurück

Die von Selenmangel am stärksten betroffene Region der Welt ist ein Gürtel in Zentralchina. Dort leiden viele junge Frauen und Kinder am sogenannten Kaschin-Beck-Syndrom, bei dem Gelenke der Arme und Beine deformiert sind, was oft zu Zwergwuchs führt. Häufig ist auch die potenziell tödliche Keshan-Krankheit, bei der der Herzmuskel angegriffen wird.

Warum in diesen Regionen so wenig Selen vorkommt, ist bislang ungeklärt. Nun hat ein Team um Lenny Winkel vom Wasserforschungsinstitut Eawag historische Klimadaten von Zentralchina untersucht, die fast sieben Millionen Jahre in die Vergangenheit reichen.

Dabei haben sie festgestellt, dass allmähliche Veränderungen der Selenverteilung mit der Intensität des ostasiatischen Monsuns zusammenhängen. Die Forscher schlagen nun als Szenario vor, dass hohe Selenkonzentrationen vom Ozean via Staub und Wassertröpfchen über die Luft transportiert und mit den Sommer-Monsunregen auf der Erde abgelagert werden.

Bisher galt der Felsuntergrund als Hauptgrund

Bisher galt der Felsuntergrund als Hauptgrund für die geringen Selenmengen in manchen Regionen. Er könne zwar lokale Unterschiede erklären, schreiben die Autoren der aktuellen Studie. Doch die Ähnlichkeit zwischen den Verteilungen von Selen und Regenfällen südlich der Sommermonsun-Grenze sei gemäss ihren Berechnungen signifikant, also vermutlich nicht dem Zufall geschuldet.

Die im Zuge der Klimaerwärmung für China vorhergesagten drastischen Veränderungen der Niederschläge könnten somit für die Selenverteilung von grosser Wichtigkeit sein, geben die Forscher zu bedenken. Ihre Ergebnisse für China müssten nun aber zunächst in globalen Modellen überprüft werden.

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