26.11.2018 07:52
Quelle: schweizerbauer.ch - jgr
Bern
Sie ist voller Tatendrang
Nicole Zumkehr setzt voll auf die Karte Landwirtschaft. Täglich pendelt die Pferdefachfrau und Bäuerin mehrmals zwischen dem elterlichen Hof im emmentalischen Langnau BE und ihrem Reitbetrieb in Signau BE.

Caja ist das Empfangskomitee. Schwanzwedelnd und mit einem Teddybären in der Schnauze läuft der Golden Retriever über den Hofplatz. «Sie wollen bestimmt zu meiner Tochter», sagt Therese Zumkehr, die gerade vom Schopf herkommt. Freundlich bittet sie ins Haus. Und während die ehemalige Lehrerin den Kaffee zubereitet, hört man von draussen her Schritte. Schwungvoll öffnet sich die Haustüre: Herein kommt Nicole Zumkehr. 

Die zierliche junge Frau bewirtschaftet den Bauernhof in der zweiten Generation. Ihre Eltern kauften diesen vor über 30 Jahren und betrieben ihn  im Nebenerwerb.  Anders Tochter Nicole: Sie setzt voll auf die Landwirtschaft; betreibt Mutterkuhhaltung, betreut Pensionspferde, gibt Reitstunden und bildet Pferde im Englisch- wie auch im Westernstil aus. «Und ich halte zum Hobby 20 Hühner», fügt die quirlige Frau hinzu und lacht herzhaft.

Ein Andenken

Das erste Mal auf einem Shetland-Pony sass die heute 33-Jährige als vierjähriger Knirps. Damals kaufte ihr Vater Leika. «Letztes Jahr mussten wir Leika einschläfern. Sie wurde 38 Jahre alt», sagt die Jungbäuerin und eilt ins Nebenzimmer. Zurück kommt sie mit einem Foto und einer Art Schlüsselanhänger: Das Andenken besteht aus zwei Silberherzen, die einen Büschel weisses Ponyhaar zusammenhalten.

Mit der Zucht von Warmblutpferden begann  Werner Zumkehr 1979.  Und Tochter Nicole verbrachte jede freie Minute im Stall. Die Pferde hatten auch einen Einfluss auf ihre Berufswahl; sie machte eine Ausbildung zur Käserin. «Ich konnte in Langnau die Lehre  machen und über den Mittag heim und im Pferdestall mithelfen.»

Nach Lehrabschluss arbeitete sie noch kurz auf dem erlernten Beruf. Es folgte ein Aufenthalt in Italien, auf einem Pferdehof, wo sie mithalf, Jungpferde anzureiten. Wieder zuhause, bildete sie sich zur Pferdefachfrau aus. Zu jener Zeit, sie war etwas über 20 Jahre alt, gründete sie mit ihrem Vater und ihrer Schwester Martina eine Generationengemeinschaft. Diese wurde jedoch vor zwei Jahren aufgelöst, weil die Eltern den Betrieb übergeben wollten. So übernahm Nicole Zumkehr den Hof als alleinige Pächterin, hier wohnt sie auch gemeinsam mit den Eltern.

Steiles Land

Der Betrieb steht, von Zollbrück herkommend, beim Dorfeingang Langnau, auf einem Hügel. Rundum nur steiles Land. «Der Allwetterplatz ist das einzige ebene Stück», sagt Nicole Zumkehr. Dieser befindet sich unmittelbar vor dem Haus. Vom Küchenfenster aus kann man dem Treiben der Ponys und Pferde zuschauen. «Steiles Land haben wir viel; 7,7 Hektaren Hanglage», erzählt Vater Werner Zumkehr, der sich   dazugesellte. 

Im Frühling und Herbst weiden auf den Wiesen die rund 20 Angus-Tiere. Den Sommer verbringen sie auf einer Alp, dann ist heuen für die Winterfütterung angesagt. «Das ist jeweils ein Chrampf in dem hügeligen Gelände», sagt Werner Zumkehr und fügt hinzu, dass das Heu und das Emd jeweils für die Pferde auf dem Hof in Langnau reichen würden.

Traum erfüllt

Dennoch muss Nicole Zumkehr Futter dazukaufen, denn sie konnte im letzten Jahr die Grossmatt in Signau BE erwerben. Einen Reitbetrieb mit Halle und Wohnhaus. Ursprünglich war geplant, in Langnau neben dem elterlichen Bauernhaus in den Hügel hinein einen Laufhof mit Maschinenschopf zu bauen.

Die Baupläne waren bereits ausgearbeitet. Doch es nahm alles eine überraschende Wende: Zufällig erfuhr die Familie, dass der Betrieb Grossmatt im Internet zum Verkauf ausgeschrieben war. «Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass ich eines Tages einen Reitstall mit Halle und ebenes Land bewirtschaften würde», sagt Nicole Zumkehr.

Bildet auch Ponys aus

Seit dem Kauf der Grossmatt pendelt die Pferdefachfrau mehrmals täglich zwischen Langnau und Signau hin und her. Die Autofahrt dauert pro Weg rund 10 Minuten. Unterstützt bei den Arbeiten wird sie von ihren Eltern. Zudem bildet sie eine Jugendliche zur Pferdefachfrau aus.

«Die Halle in Signau ermöglicht mir den Unterricht von Reitstunden bei jedem Wetter und jeder Jahreszeit», sagt Nicole Zumkehr, die derzeit rund 30 Pferde betreut und den Pferdespezialisten-Kurs auf der Rütti besuchte.  Nebst Reitstunden und Pensionspferden ist eine weitere wichtige Einnahmequelle die Ausbildung von Pferden. Und weil Nicole Zumkehr sehr schlank ist, kann sie auch Ponys reiten. 

Trotz Erfolg, auf ihren Lorbeeren ausruhen will sich die junge Frau  nicht: Neu bietet sie  Kindergeburtstage zum Thema Indianer an und Übernachtungsmöglichkeiten für Pferd und Reiter, beispielsweise während eines Trekkings.

 

 

 

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