28.07.2018 19:02
Quelle: schweizerbauer.ch - ber
Bern
Statt schwingen geht er z’Alp
Der 21-jährige Turnerschwinger Marco Iseli aus Zwieselberg BE hat sich am Seeländischen Schwingfest Mitte Juni am Knie verletzt. Seither verbringt er viel Zeit bei seinen Eltern auf der Rinderalp, wo auch eine Kuh grast, welche Iseli als Kalb beim Nationalturnen gewinnen konnte.

Vor fünf Wochen zog sich Bauernsohn Marco Iseli aus Zwieselberg BE im 2. Gang am Seeländischen Schwingfest in Dotzigen eine Knieverletzung zu. Trotz der Schmerzen hat er weiter geschwungen und sogar den vierten Gang mit einer Zehn gewinnen können.

Vor dem fünften Gang musste er sich jedoch eingestehen, dass es keinen Sinn mehr macht. Er fasste den Entscheid, das Fest abzubrechen. Beim späteren Arztbesuch übermittelte ihm dieser die Diagnose: ein rund ein Zentimeter grosses Knorpelstück am Knie ist abgesplittert. Die Saison ist für Iseli damit gelaufen.

"Zwangspause" verbringt er auf der Alp

Noch in derselben Woche wurde er in Bern operiert. In den folgenden drei Wochen «Zwangspause» hat Marco Iseli seine Eltern oft auf der Rinderalp, welche über dem Simmental und dem Diemtigtal im Berner Oberland liegt, besucht. Seine Eltern Therese und Hanspeter  führen gemeinsam mit der Familie von Iselis Onkel Jürg den Tal- sowie den Alpbetrieb. 


«Kleinere Arbeiten wie das Melken der Kühe konnte ich meinen Eltern in letzter Zeit ab und zu abnehmen» erzählt Iseli gegenüber schweizerbauer.ch. Er hilft gerne auf der Alp, befindet sich generell gerne in der Natur, sei es in seiner Freizeit oder während den Trainings. Der gelernte Elektroinstallateur überlässt es einem seiner Brüder, gemeinsam mit einem Cousin, den elterlichen Betrieb zu gegebener Zeit zu übernehmen. So sehen es zumindest Iselis Pläne vor. Sein jüngerer Bruder Stefan ist zurzeit im 2. Lehrjahr seiner Landwirtschaftsausbildung.

Lebendpreise beim Turnen

Der 21-jährige Schwinger durfte bisher vier Mal kranzgeschmückt nach einem Schwingfest die Heimreise antreten. Für einen Lebendpreis hat es im Schwingsport bisher noch nicht gereicht. Diesbezüglich war er beim Nationalturnen schon erfolgreich. Zweimal gewann er ein Kalb- und einmal ein Fohlen. Eines der Kälber nahm er mit nach Hause. Inzwischen ist dies eine Kuh, welche derzeit oben auf der Rinderalp sömmert.

Das andere Kalb blieb im Stall des Besitzers. Weshalb? «Der Eigentümer überlegte es sich im letzten Moment doch noch anders, wollte das Kalb behalten und bot mir den Geldbetrag an» erklärt Iseli. Inzwischen konnte Marco Iseli seine Arbeit als Elektroinstallateur wieder ohne grössere Schmerzen aufnehmen. Seine Eltern und die Alp wird er deshalb künftig etwas weniger besuchen können. Spätestens Ende Oktober will Iseli wieder in den Schwingkeller. Im nächsten Jahr will er schliesslich wieder voll angreifen.

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