22.07.2019 07:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Katrin Müller
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Stier besamt heimlich Kühe
Für ein Austauschsemester fährt die Agronomie-Studentin gemeinsam mit Freund Simon Küng nach Schottland. Zwei Monate wollen sie bauern, auf einem Betrieb mit 700 Milchkühen. Für schweizerbauer.ch berichten sie von ihren Erlebnissen.

Die zehnte und letzte Woche Besamungszeit ist fast zu Ende. Die 700 Kühe werden in drei Herden aufgeteilt. Bei jeder Herde wird eine andere Besamungsstrategie angewendet.

Herdenaufteilung

Die erste Herde wird als «Milkers» bezeichnet und besteht aus 2. Laktierenden und älteren Kühen. In der zweiten Herde sind alle erstlaktierenden Kühe, die «Heifers», eingeteilt. Die dritte Herde ist die Krankengruppe und besteht aus ungefähr 25 Tieren. Die meisten Tiere dieser Gruppe leiden an Mastitis oder Klauenproblemen.

Besamungsstrategien

Die Milkers werden während zehn Wochen künstlich besamt. Im Vergleich zu den Milkers werden die Heifers auf der Linns Farm nur in den ersten 6 Wochen künstlich besamt, in den restlichen vier Wochen laufen fünf Fleischrassenstiere mit. Farminhaber Michael Kyle selektioniert seine Tiere nach der besten Fruchtbarkeit, weshalb er nur erstlaktierende Kühe weiterzüchtet, die sofort trächtig werden.

Auch die Langlebigkeit der Tiere ist Michael sehr wichtig. Deshalb werden Milkers während zehn Wochen besamt. So werden auch ältere Kühe zur Weiterzucht eingesetzt. Bei der Krankengruppe läuft während den ganzen 10 Wochen ein Stier mit. Die Muni der Rasse Hereford haben den Ursprung im Westen Englands. Sie werden alle zwei Jahre neu zugekauft.

Brunsterkennung


Damit brünstigen Kühe einfach zu erkennen sind, wird der Schwanzansatz jeden Abend mit einem rosaroten Markierungsstift eingefärbt. Dieser Vorgang erfolgt während dem Melken. Am nächsten Morgen kontrollieren wir wiederum während dem Melken, ob überall die rosa Farbe noch zu sehen ist.

Ist die Farbe weg, wird die Kuh von der Herde getrennt. Oft ist sich die Farmcrew nicht ganz einig, ob diese Kuh jetzt als stierig gilt oder nicht. Sie wird dann sicherheitshalber ebenfalls ausselektioniert.

Angus, der Besamer

Angus, der Name passend zu seinem Beruf, kommt jeden Tag, um alle Kühe zu besamen. In den letzten drei Wochen wendet er zusätzlich sein Ultraschallgerät an, um bereits tragende Tiere zu erkennen. Angus verwendet die von Michael gekauften Spermadosen, die auf dem Betrieb gelagert werden. Hauptsächlich wird mit Jersey-, Holstein- und Kiwicrossstieren künstlich besamt.

Michael rechnet mit einer Trächtigkeitsrate rund 90%, wobei in den ersten 14 Tagen Besamungszeit über 50% der Tiere trächtig werden. Die nach 10 Wochen nichttragenden Tiere werden verkauft oder geschlachtet.

Stier besamt heimlich Kühe

Am Mittwochmorgen war es mein Job, die Kühe von der Weide in den Stall zu treiben. In der Herde der Milkers sah ich schnell, dass etwas nicht in Ordnung war. In den 450 Kühen war ein mächtiger Charolais-Stier zu erkennen.

Er war weitaus grösser als die kleinen Kiwicross-Kühe. Ich schätze sein Alter auf 5 Jahre und sein Gewicht auf über 1,3 Tonnen. Ich beschloss, die Herde mit Charolais-Stier zum Stall zu treiben.

Stier wütet

Der Weg von der Weide bis zum Stall führte an der Weide der lahmen Kühe vorbei. Alles ging gut, bis unser Stier bei der Krankengruppe bemerkte, dass ein fremder Stier mitläuft. Von nun an war der Charolais-Stier nicht mehr weiterzutreiben. Keinen Millimeter. Er hatte Ärger mit unserem Stier.

So liess ich den Eindringling dort stehen und führte die Kühe zum Stall. Ein Angestellter und mein Chef versuchten in mehreren Anläufen, den Stier zum Stall zu treiben. Ein schwieriges Unterfangen. Nach einigen kaputten Zäune gelang es ihnen schliesslich, den Stier einzusperren. Der Besitzer, ein Landwirt in der Nachbarschaft, wurde über das Geschehen informiert. Er darf den Stier abholen, sobald er alle Zäune repariert hat.

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