30.03.2018 18:31
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Streit um 1000er-Kuhstall
Im süddeutschen Hahnennest, rund 60 Kilometer von Kreuzlingen entfernt, hängt der Haussegen schief. Uneins sind die Bewohner der Region wegen dem Bau eines Stalls für 1000 Milchkühe.

Im beschaulichen Hahnennest betreiben seit 2012 vier Bauernfamilien den «Energiepark Hahnennest». Nun wollen die Landwirte angrenzend an die Anlage einen neuen Kuhstall bauen. Die 1000 Milchkühe sollen in einem 305 Meter langen Stall untergebracht werden. Vorgesehen sind 978 Liegeplätze. Die ganze Anlage soll rund 6 Millionen Euro (7 Mio. Franken) kosten. Durch das Projekt «Milchpark Hahnennest» sollen mindestens 10 weitere Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Betriebe bewirtschaften insgesamt 1000 Hektaren Land.

Gemeinde bewilligt Stall

Vorgesehen sind ein Boxenlaufstall, Melkgebäude, Lagerhallen und weitere Gebäude. Produziert werden soll nicht nur Milch. Mit der Gülle und dem Mist der Kühe wollen die Landwirte zudem die Biogasanlage speisen, berichtete der «Südkurier».

Schon im vergangenen Sommer gab es Kritik. Der neue Stall verdränge kleine Betriebe und verschmutze die Umwelt, insbesondere das Trinkwasser. Die Bauern «antworteten» mit Transparenz und gaben Interessierten Auskunft. Die Bauherren vermochten die Gemeinderäte von Ostrach zu überzeugen. 14 von 15 Mitgliedern stimmten für den Bauauftrag.

Petition mit 30'000 Unterschriften

Anschliessend formierte sich ein Aktionsbündnis. Über 30'000 Personen unterschrieben eine Petition, die einen Stopp des Projekts forderte. Die Vertreter des Aktionsbündnisses haben die Sorge um das Tierwohl zu ihrem zentralen Anliegen gemacht. Die Petition wurde schliesslich beim baden-württembergischen Landtag eingereicht.

Damit wurde der Bauplan der Bauern obsolet. «Die Petition hat zum Stillstand des Genehmigungsverfahrens geführt, zumindest für das Landratsamt als Genehmigungsbehörde», sagt Sabine Stark, Pressesprecherin des Landratsamtes Sigmaringen, im Dezember gegenüber der «Schwäbischen Zeitung».

Industriell und Gefahr für kleinere Bauern

Diese Woche nun hat der Petitionsausschuss des Landtags Baden-Württemberg in einer zweistündigen öffentlichen Sitzung Gegner sowie Planer des Stalls angehört. Der Ausschuss mache deutlich, dass er keine politische Entscheidung trifft, sondern das Genehmigungsverfahren und das Vorhaben neutral betrachten muss. 

Die Gegner des Stalls wiesen auf die Dimension des Baus hin. Beim Projekt handle es sich um ein agrarindustriellen Massentierstall. Zudem sei keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt worden. Der Stall sei zudem nicht artgerecht und gefährde kleinbäuerliche Strukturen. Ausserdem wird eine Überdüngung der Flächen mit zu hoher Nitratbelastung des Grundwassers befürchtet. Schon jetzt bewege sich der Wert mit 50 Milligramm Nitrat pro Liter an der Obergrenze, machten die Gegner deutlich. 

Bauherren wehren sich

Die vier Bauern setzten sich zur Wehr. «Wir wollen nicht ins Unendliche wachsen, sondern eine optimierte und an den Standort angepasste Produktion», sagte Landwirt Thomas Metzler. Auch bezüglich der Kälber dementierten sie aufgekommene Gerüchte, wie der «Südkurier» schreibt. Landwirt Felix Kaltenbach erklärte, dass ein Viertel der weiblichen Tiere in Hahnennest aufgezogen werden sollen. Alle übrigen kämen in Betriebe in einem Umkreis von 100 Kilometern.

Von «Kälber-Transporten in die Hohe Tatra» könne keine Rede sein. Auch müssten die umliegenden Betriebe keine Angst haben. Betriebe müssten nicht wegen ihrem Neubauprojekt aufgeben, sondern wegen steigenden Regularien. Und es werde nicht mehr Gülle vergärt als jetzt schon, erklärten die Bauherren. «Schon seit 2011 haben wir die Biogasanlage, in welche die Gülle von 800 Kühen sowie zusätzlich Schweinen kommt.» Die Fremdgülle solle mit dem Milchpark durch die der eigenen Tiere ersetzt werden, schreibt die Schwäbische.

Mit dem Bau müssen die vier Bauern aber weiter zuwarten. Der Petitionsausschuss will bis in einem halben Jahr eine Entscheidung treffen. Dieser hat aber lediglich das Verwaltungshandeln zu überprüfen, aber keine Entscheidungsbefugnis bezüglich des Bauprojekts. Die Bauern appellieren an die Kritiker. "Kommen Sie vorbei. Wir erklären Ihnen die Pläne gerne."

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