22.11.2018 15:26
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Europa
Studie: Vielfältigere Waldnutzung
Die Wälder in Europa sind einerseits Holzlieferanten, andererseits aber auch Erholungs- und Lebensraum, sie speichern Kohlendioxid und filtern Wasser. Eine internationale Studie unter der Leitung der Universität Bern zeigt auf, wie der Wald möglichst vielseitig genutzt werden kann.

Die Holzproduktion steht in vielen Waldgebieten Europas im Zentrum des Interesses. Deshalb bestehen viele Wälder meist auch aus wenigen, aber wirtschaftlich wertvollen Baumarten. Die Baumbestände sind möglichst einheitlich, die Bäume alle ungefähr gleich alt.

Andere Wälder dienen hauptsächlich als Erholungsraum für Menschen oder als Schutzgebiet zur Erhaltung des Lebensraums von Tieren und Pflanzen.

Alle diese Wälder erfüllen ihren Hauptzweck, könnten jedoch daneben auch noch viele andere Funktionen besser erledigen. Das internationale Forscherteam untersuchte deshalb, welche Art der Waldbewirtschaftung am meisten unterschiedliche Vorteile bringt.

Verschiedene Waldmerkmale

Dazu wurden verschiedene Waldmerkmale auf Ökosystemleistungen hin untersucht. Zu diesen Waldattributen gehören beispielsweise die Anzahl der Baum- und Straucharten oder das Alter der Bäume.

«Wir konnten zeigen, dass vielfältige und alte Wälder im Allgemeinen die besten waren», wird die Hauptautorin der Studie, Maria Felipe-Lucia vom Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität in einer Mitteilung vom Donnerstag zitiert.

Je nachdem, welche Dienstleistungen des Waldes sie fördern wollen, sollten sich Försterinnen und Förster aber auf bestimmt Attribute konzentrieren.

Synergien und Kompromisse

Die Studie ging auch der Frage auf den Grund, wie verschiedene Waldfunktionen miteinander zusammenhängen und welche Faktoren sich gegenseitig beeinflussen, so dass beispielsweise Synergien oder Kompromisse entstehen.

Eine nützliche Synergie ergibt sich laut Studienleiterin Maria Felipe-Lucia beispielsweise bei zunehmendem Alter der Bäume. Damit erhöht sich die CO2-Speicherung und auch das Potenzial zur Vogelbeobachtung, wie Felipe Lucia ausführte.

Perfekten Wald gibt es nicht

Das Eingehen von Kompromissen ist laut den Studienautoren allerdings unvermeidlich. So produzieren Nadelwälder viel Holz, dafür ist die CO2-Speicherung weniger gut. Ausserdem wachsen in Nadelwäldern auch weniger kulturell wertvolle Pflanzen.

Den «perfekten Wald, der alle Dienstleistungen erbringen kann, die wir uns wünschen», gebe es nicht, betonte Studienmitautor Eric Allan von der Universität Bern. «Wir sollten daher ein Forstsystem anstreben, in dem es eine Mischung aus verschiedenen Waldlandschaften gibt, die unterschiedliche Eigenschaften haben.

Dem Forscherteam gehörten insgesamt 21 Forschungseinrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift »Nature Communications« veröffentlicht.

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