11.05.2017 06:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sam
Bern
Swisscom hängt Alpen ab
Swisscom stellt die ISDN- und die analoge Telefonie bereits 2017 ab. Alpen, welche weder über einen Stromanschluss noch über ein gutes Mobilnetz verfügen, werden damit von der Grundversorgung abgehängt.

Bernhard Aeschlimann, Eigentümer der Alp Grosse Honegg in Eriz BE, staunte nicht schlecht, als er von der Swisscom Post bekam. Sein Anschluss werde auf die neueste «All IP-Technologie» umgestellt. Die Installation sei «kostenlos». Dumm nur, dass die Grosse Honegg zwar  mit dem analogen Telefonnetz erschlossen ist, aber nicht mit Elektrizität. Das alte, analoge Netz bezog den Schwachstrom zum Betrieb aus  der eigenen Leitung.

Swisscom stellt die ISDN- und die analoge Telefonie ab 2018 in den ersten Regionen vollständig auf IP um. Alpen, welche weder über einen Stromanschluss noch über ein gutes Mobilnetz verfügen, werden damit von der Grundversorgung abgehängt.

Die neue Technologie ist sowohl auf Internet wie auf Strom angewiesen – beides Mangelware auf der Alp Honegg.  Gemäss Swisscom ist es allerdings so, dass technisch gesehen eine Performance von1,2 Mbit/s download und 0,3 Mbit/s für IP-Telefonie ausreicht. «Das heisst, dass die in der Grundversorgung geforderten heutigen 2 Mbit/s resp. 3 Mbit/s ab 2018 genügen», heisst es bei Swisscom.

Kein Strom und auch kein Mobilfunkempfang

 «Wir haben das Glück, dass bei uns der Mobilempfang relativ gut ist. Andere Alpen mit zu schwachem Mobilfunknetz können nicht einmal aufs  Handy ausweichen», so Aeschlimann. Genau so ein Fall sind seine Verwandten auf der Alp Honeggli, ebenfalls im Eriz. Ueli Aeschlimann hat dort keinen Strom und in der Hütte keinen Mobilfunkempfang.  Zudem hat der bald 70-Jährige bis heute kein Handy, er telefoniert immer mit dem Festnetz. «Vor allem die Frage nach möglichen Alternativen muss bald geklärt werden, denn ohne Strom ist auch kein Internet möglich», fügt er an.

Auch bei der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) ist man alarmiert. «Die Swisscom ist verpflichtet, jedem Haushalt und jeder Unternehmung in der Schweiz einen Telefonzugang und einen Breitbandzugang von mindestens 2 Mbit/s zur Verfügung zu stellen. Die Swisscom muss dieses Problem also auch für den geschilderten Fall lösen», sagt Direktor Thomas Egger.

Swisscom entzieht sich der Verantwortung

Die Swisscom ihrerseits sieht das aber etwas anders. Die Stromversorgungs-Thematik liege nicht im Verantwortungsbereich der Swisscom, sagt Sprecherin Sabrina Hubacher: «Wenn ein Standort nicht über die für die Inanspruchnahme der Grundversorgungsdienste vorausgesetzte Stromversorgung verfügt, muss Swisscom den betroffenen Kunden deshalb anhalten, sich an den lokal zuständigen Strom-Verteilnetzbetreiber zu wenden oder in Eigeninitiative für eine Lösung der Stromversorgung besorgt zu sein.»

Sollte eine Alphütte in einem «Funkloch» liegen und zur Sicherstellung der Grundversorgungsdienste eine mobilfunkbasierte Lösung  nicht zur Verfügung stehen, dürfte eine Anbindungsoption mittels Satellit im Vordergrund stehen, wobei die Realisierbarkeit jeweils im Einzelfall geprüft werden müsste, so Hubacher.


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