7.11.2014 11:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Christof Hirtler
Innerschweiz
Tierquälerei: Eindeutige Beweise fehlen
Im Verlaufe dieses Jahres erhielt die Polizei Meldungen, wonach es auf Bauernbetrieben möglicherweise zu Tierquälereien gekommen sei. Die Ermittlungen ergaben mit einer Ausnahme keine Hinweise auf Dritteinwirkung.

Romy und Edgar Christen aus Ennetmoos berichten: «Wir hatten am 19. September ein gesundes Rind gekauft, am 23. September lag es krank im Stall, und wir benachrichtigten sofort unseren Tierarzt.» Am  23. Oktober ging bei der Polizei die Meldung eines neuen Verdachtsfalls ein: eine festliegende Kuh auf dem Hof von Edgar und Romy Christen in Ennetmoos. Sie sind beunruhigt: «Wir können kaum mehr schlafen.»

Der Leiter des Veterinäramts der Urkantone (Nidwalden, Obwalden, Schwyz und Uri) mit Sitz in Brunnen ist Josef Risi. «Im November 2013 stellte ein Nidwaldner Bestandestierarzt bei einem Stier am Hoden eine Verletzung fest, Dritteinwirkung konnte nicht ausgeschlossen werden. Im Mai starben in einem Stall drei Kälber an Lungenentzündung. Die Gerüchteküche brodelte, ältere Fälle wurden wieder ins Gespräch gebracht», beschreibt er die Vorfälle.

Klärende Aussprachen

Eine Gruppe von Bauern in Ob- und Nidwalden ist überzeugt, dass eine Täterschaft den Tieren ein Gift spritzt, welches das Immunsystem schwächt und schwierig nachzuweisen ist. Sie gründeten eine Selbsthilfegruppe, die sich monatlich bei Christens trifft, um sich auszutauschen.

Am 5. September 2014 luden diese Landwirte zu einer Aussprache in Ennetbürgen. Mit dabei waren die Leiter der Landwirtschaftsämter von Ob- und Nidwalden, der Polizeikommandant von Nidwalden, der Staatsanwalt Tobias Reimann, der Präsident des Bauernverbands Obwalden und Tierärzte. Die Sitzung leitete der Vizepräsident des Bauernverbandes Nidwalden. Für Josef Risi «gab es für das Veterinäramt das erste Mal eine Auslegeordnung.»

An einer zweiten Aussprache, am 23. Oktober 2014, schlug Amtsleiter Josef Risi vor, dass «bei einem Verdachtsfall unverzüglich der Bestandestierarzt, die Polizei und das Veterinäramt informiert werden müssen. Das Tier darf nicht rasiert werden, um eine allfällige Einstichstelle zu finden. Alle drei Instanzen müssen zusammen handeln.» Dieser Vorschlag fand bei den Bauern, den Vertretern des Bauernverbandes, den Tierärzten und den Behörden Zustimmung.

Keine neue Erkenntnis

«Der Wissensstand ist immer noch der gleiche wie in der Medienmitteilung vom September 2014», betont Tobias Reimann, Staatsanwalt des Kantons Nidwalden. «Die Verdachtsmeldungen von acht Betrieben, vorwiegend aus Ennetmoos, betrafen rund 30 Tiere. Sie reichten aber bis zu sechs Jahre zurück.» Die Polizei führte zahlreiche Einvernahmen durch, und die Staatsanwaltschaft leitete die Untersuchungen.

Selbst Sektionen an der Veterinärpathologie der Universität Zürich sowie mehrere Blutuntersuchungen an der Abteilung forensische Chemie und Toxikologie am Institut für Rechtsmedizin der Universität Basel ergaben keine Hinweise auf Tierquälereien. Die festgelegene Kuh vom 23. Oktober 2014 der Familie Christen wurde im Tierspital Zürich untersucht, die Ergebnisse stehen noch aus. «Wir haben viel unternommen, aber eindeutige Beweise fehlen», erwähnt Staatsanwalt Reimann ausdrücklich.

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