22.08.2018 17:50
Quelle: schweizerbauer.ch - Anita Merkt
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Total geschafft in Guttannen
Unsere Bloggerin Anita Merkt lebt seit 15 Jahren als Journalistin in Zürich. Sie berichtet von ihren Erlebnissen während des Saumzuges von Sachseln nach Domodossola. Sie nimmt mit Eselin Alina am Saumzug teil.

Als wir am Dienstagabend auf 1057 Meter in Guttannen angekommen sind, war ich echt froh. Ich wollte nur noch raus aus den Wanderschuhen.

Am Abend war ich echt froh, als wir in Guttannen angekommen sind. Die Dorfbewohner haben für uns einen festlichen Empfang vorbereitet. Sie standen an der Strasse und freuten sich. Am Abend gab es in der Gemeindehalle zu unseren Ehren ein grosses Fest. Doch ich wollte nur noch eines: meine schweren Wanderschuhe ausziehen, meine geschundenen Füsse massieren und sie hochlegen. Als es endlich so weit war, entdeckte ich meine erste Blase. Sie versteckt sich zwischen dem kleinen Zeh und seinem Nachbarzeh. Was ich damit mache, weiss ich noch nicht.

Der Tag war lang, obwohl wir «nur» die 20 Kilometer zwischen Innertkirchen BE und Guttannen BE gegangen sind. Das abenteuerlichste Teilstück bewältigten wir gleich am Morgen: Kurz nach Innertkirchen bogen wir auf den sehr steilen alten Säumerweg ab. Die grossen Steinblöcke auf dem Weg waren nass und glitschig, oft waren sie höher als die Knie der Esel. Wie meine Alina diese Hindernisse geschafft hat, konnte ich nicht sehen: Ich ging voraus und musste selber schauen, dass ich Tritt fassen konnte und nirgends ausrutschte. 

Alle Pferde und Esel haben das Stück mit Bravour gemeistert. Meine Eselstute Alina hat sich definitiv ein Rüebli verdient. Das gabs dann zwar erst in Guttannen. Aber beim Waldapero mit Früchten habe ich ein paar Äpfel für sie mit abgestaubt. Danach wurde die Landschaft hochgebirgig. Wir überquerten den Passo del Soleggo, der zwar italienisch klingt, aber mitten im Berner Oberland liegt. Die umliegenden Berge sind rund 2’500 Meter hoch. Von weitem sah man noch den alten Schnee.  

Im Bauerndorf Boden durften die Pferde wieder Wasser trinken, die Esel wollten noch immer nichts. Es ist erstaunlich, wie wenig Wasser sie brauchen. Aber schliesslich stammen die Vorfahren der Hausesel aus der Wüste. Nach dem urchigen Bauerndorf überquerten wir die junge Aare. Hier ist sie noch ein kleines Flüsschen. Der Aufstieg nach Guttannen war dann nochmal happig. 

Zum Glück verdeckten dunkle Wolken den Himmel und kurz vor Guttannen vermischten sich Regentropfen mit unserem Schweiss. Am Mittwoch wird es noch heftiger: Zwischen Guttannen und dem Grimselpass warten mehr als 1000 Höhenmeter auf uns. Für die ganze Strecke bis Obergesteln haben unsere Führer 9 Stunden veranschlagt. Damit wir das alles schaffen, haben sie das Frühstück vorverlegt: Essen ab halb sechs, danach Pferdepflege und Beladen, was bei den Säumern „Basten“ heisst. Abmarsch um 7 Uhr.

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