30.04.2018 17:27
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Solothurn
Tote Rinder: Gefängnis für Landwirt
Ein Landwirt aus Boningen SO hat 2015 und 2016 seine Tiere stark vernachlässigt. 17 Rinder sind auf dem Hof verendet. Das Amtsgericht hat nun eine teilbedingte Strafe von einem Jahr ausgesprochen.

Die Anklage der Solothurner Staatsanwaltschaft lautete auf Tierquälerei und Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz. Dem Landwirt wurde vorgeworfen, von etwa Anfang 2015 bis Ende Mai 2016 insgesamt 26 Rinder vernachlässigt zu haben. 17 Tiere seien auf qualvolle Weise gestorben. Neun Tiere haben den Vorfall überlebt.

Nervengift Botulinum

Gemäss Anklageschrift hat der Bauer die Tiere zu wenig sowie mit zu wenig ausgewogenen Futter versorgt. Obwohl sich der Gesundheitszustand verschlechterte, habe er keinen Tierarzt zugezogen, so die Staatsanwaltschaft. Zudem seien die toten Rinder nicht fachgerecht entsorgt und der Tierarzt sei nicht unverzüglich über den Tod der Tiere informiert worden.

Entdeckt wurden die toten Tiere Ende Mai 2016 von der Kantonspolizei Solothurn und dem kantonalen Veterinärdienst. Laut eines verwaltungsinternen Untersuchungsberichts des Kantons wurde im Stall das tödliche Nervengift Botulinum Neurotoxin C/D nachgewiesen. Entstanden sei das Gift durch einen nicht korrekt entsorgten Tierkadaver. Über das Futter haben die Rinder das Gift in der Folge aufgenommen.

Im Sinne einer verwaltungsrechtlichen Massnahme wurde ein Tierhalteverbot auf unbestimmte Zeit gegen den Bauern verfügt. Ihm wird die Haltung von sämtlichen Nutztierarten, namentlich von Klauen- und Huftieren sowie Geflügel, verboten.

13 Kilo Silofolie im Magen

Wie nun die «Solothurner Zeitung» am Montag unter Berufung auf «Radio 32» berichtet, wird der Landwirt zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt. Ein halbes Jahr muss er ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung des Beschuldigten sind sich über die Strafe einig geworden.

«Das Leiden, das diesen Tieren zugefügt wurde, ist massiv», sagt Staatsanwältin Stefanie Humm gegenüber «Radio 32». Die Rinder seien unter schlimmen Umständen gestorben und einfach im Stall liegengelassen worden. Einige Tiere seien bereits vertrocknet aufgefunden worden. Gemäss der Staatsanwältin wurde im Magen eines Rindes 13 Kilo Siloballenfolie gefunden. 

Ein Augenschein durch die Zeitung „Schweizer Bauer“ von Anfang Juni 2016 zeigte sehr abgemagerte Tiere. Im Vergleich zur Hornlänge und Dicke waren einige Rinder höchstens halb so schwer wie dies selbst bei einer eher restriktiven Fütterung der Fall sein müsste. Ein dreijähriger Stier wog höchstens 250 Kilo. Die Tiere konnten sich in der Folge wieder erholen.

Landwirt entschuldigt sich

Der Landwirt habe unter Depressionen gelitten. Nur deswegen sei es soweit gekommen. Die Arbeit sei im über den Kopf gewachsen. «Es ist ein tragischer Fall im gesamten Kontext», so Stefanie Humm gegenüber dem Radiosender.

Die Verteidigung spricht von einem harten Urteil. Es sei aber angesichts der Leiden der Tiere angemessen, so Verteidigerin Corinne Saner. Das Verfahren wurde im abgekürzten Verfahren durchgeführt. Der Landwirt und Staatsanwaltschaft haben sich auf eine Strafe geeinigt. Vor Gericht entschuldigte sich der 56-Jährige. Das Ganze tue im leid.

Kritik an Behörden

In die Kritik kamen auch die Behörden. Anwohner haben immer wieder über Missstände auf dem Hof berichtet. Das Veterinäramt hatte im Februar 2016 den Betrieb kontrolliert, aber keine Mängel festgestellt. Die Kontrollen seien mangelhaft gewesen. Bereits vor 2014 haben Anwohner mit Bildmaterial auf Missstände in der Tierhaltung auf dem Hof hingewiesen. Die Tiere wiesen Haarausfall und Klauenprobleme auf.

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