7.07.2016 18:27
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Zürich
Tragödie: 19 Muni sterben
In Wetzikon ZH hat sich vergangene Woche ein Drama ereignet. Auf dem Hof von Stefan Kaufmann sind 18 Muni verendet, ein Tier musste geschlachtet werden. Im Vordergrund steht Gas, dass bei der Aufbereitung der Gülle entstand.

Am Montag vergangener Woche war der Landwirt dabei, die Rindergülle aufzurühren. Ein ganz normaler Vorgang, der jedoch in einem Trauerspiel enden sollte, wie der „Zürcher Oberländer“ berichtet.

Muni im Todeskampf

Kaufmann hatte am frühen Morgen das Zusatzmittel Brinamon der Gülle beigemischt. Dieses hatte er  bereits zuvor zweimal angewendet, ohne dass etwas passierte. Das Mittel wertet die Hofgülle auf und ermöglicht eine Ertragssteigerung auf den Feldern. Wie immer hatte er Fenster und Türe geöffnet und den Ventilator in Betrieb gesetzt.

Dass sich in der Grube ein tödliches Gas entwickelte, bekommt er nicht mit. Plötzlich hörte er aber seine Tiere schreien. Als er zur Türe eilte und diese öffnete, eröffnete sich ihm ein schreckliches Bild. Die Muni ringten um Luft und kämpften gegen den Tod. Sofort dreht Kaufmann den Ventilator auf Maximalstufe hinauf. Er kontaktierte umgehend den Tierarzt und Nachbarn. Fünf Muni konnte er retten und ins Freie treiben.

50‘000 Franken Schaden

18 Tiere überlebten das Drama nicht, 6 davon waren schlachtreif. Ein Tier muss am selben Tag noch geschlachtet werden. Das Ehepaar Kaufmann verlor an jenen Montag fast die Hälfte seines Bestandes von 44 Tieren. Stefan Kaufmann schätzt den Schaden auf 50‘000 Franken.

Die Ursache wird derzeit vom kantonalen Veterinäramt abgeklärt. Die Vergiftung durch Gas steht aber im Vordergrund. Besonders aggressiv könnte das Gas gewesen sein, weil es viele Schwefelverbindungen enthielt, vermutet Kaufmann. Dieses entsteht, wenn Mikroorganismen Sulfat abbauen. Das Sulfat stammt aus der Hofgülle und vom Zusatzdüngemittel.

Seit 2009 vertrieben

Kantonstierärztin Regula Vogel erklärt, dass die giftige Schwefelverbindung in der Gülle gelöst vorliegt und durch Rühren freigesetzt wird. «Inwieweit das Zusetzen des Aufwerters die Konzentrationen an Schadgas noch verstärkt hat, ist offen», hält sie fest.

Vertrieben wird das Zusatzmittel Brinamon in der Schweiz seit 2009 von der Peter Briner AG. Das Mittel habe sich bewährt. «Wir bedauern den Unfall in Wetzikon sehr, gehen aber von einem Anwendungsfehler aus», sagt Sepp Germann gegenüber dem „Zürcher Oberländer“. Was genau falsch lief, kann er nicht sagen. Wichtig sei, dass beim Beimischen und auch beim nachfolgenden Rühren gut durchgelüftet werde.

Fall dürfte vor Gericht landen

Ursi Kaufmann ist froh, dass ihrem Mann nichts passiert ist. Sie weist aber darauf hin, dass auf dem Produkt weder ein Warnkleber angebracht worden sei, noch sei eine Art Packungsbeilage abgegeben worden. Sepp Germann widerspricht. Er räumt aber ein, dass möglicherweise etwas zu wenig darauf gepocht wurde, dass die Anwendungsempfehlung gelesen wird. Der Empfänger muss dies nun zwingend mit seiner Unterschrift auf dem Lieferschein bestätigten.

Germann bestätigt gegenüber „Blick“, dass es in Deutschland bereits Zwischenfälle mit dem Produkte gegeben hat. Wer die 50‘000 Franken nun begleichen muss, ist noch unklar. Kaufmanns wie die Peter Briner AG gehen davon aus, dass es eine rechtliche Auseinandersetzung geben dürfte.

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