9.01.2020 12:19
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Traumfarm in Australien geschaffen
Unsere Bloggerin Esther Schneiter ist derzeit in Australien. Zusammen mit ihrem Mann Töbu sieht sich die Lehrerin und Landwirtin die australische Landwirtschaft genauer an. Schneiters besuchten eine Schweizer Auswandererfamilie. Sie haben vor 40 Jahren mit 50 Hektaren begonnen. Nun sind es weit über 1000 Hektaren.

Tatura, ein kleines Dorf, zwei Autostunden nördlich von Melbourne: einige Bewässerungsanlagen sind auf dem topfebenen dürren Land zu sehen. Wir biegen auf eine mehrheitlich grüne Farm ein und werden mit einem freundlichen «Guete Morge» begrüsst. 

Start mit 80 Kühen auf 50 Hektar Land

Wir sind zu Besuch bei der Lang Dairy-Farm. Werner und Josy Lang, gelernte Möbelschreiner und Krankenschwester, haben 1981 der hügeligen und immergrünen Innerschweiz den Rücken zugewandt und sind ans andere Ende der Welt gezogen. 

Damals hatten sie 30’000 australische Dollar im Sack, mit welchen sie eine 50 Hektargrosse Farm kauften, auf welcher 80 Kühe weideten. «Am Morgen hat der vorherige Besitzer gemolken, dann haben wir überschrieben und am Abend gehörte das Melken zu unseren Aufgaben», erklärt der bodenständige Farmer. Heute bewirtschaften zwei ihrer vier Kinder rund 1500 Hektar, 1350 davon sind Eigentum.

Viele Stunden und viel Schweiss

Uns fällt sofort auf: Die 2000 Kühe sind auch bei Langs nicht vom Himmel gefallen. Josy zeigt uns «hurtig vor dem Lunch» während knapp zwei Stunden ihre Farm. Den Überblick haben wir längst verloren. 

Was mir vor allem auffällt ist nebst der unglaublich ebenen Landschaft die Leidenschaft der Langs, ihre Begeisterung, das Herzblut und die Hornhaut an den Händen. Diese Frau hat viel gekrampft!

Pensioniert – aber kein Golf

Als wäre es selbstverständlich, essen wir mit der Familie Lang das Mittagessen. Lunch, wie es in Australien genannt wird. Werner ist seit drei Jahren pensioniert, an weniger Arbeitsstunden denkt er dennoch nicht: «Alle anderen Farmer ziehen nach der Pension ins Dorf und spielen Golf, ich sicher nicht!» 

Beim Lunch erzählt er uns von ihren Hochs und Tiefs. Momentan sei der Milchpreis mit 54 Cent (36 Rp.) pro Kilogramm Milch sehr gut. Doch es gab auch andere Zeiten, am Anfang seiner Farmertätigkeit hätten sie gerade 11 Cents gehabt. Auch über die Schwierigkeit der guten Mitarbeiter berichtet er.

«Du muesch a das gloube wode machsch»

Oft musste er die Konsequenzen ziehen, wenn seine Anforderungen nicht erfüllt wurden. Und oft wurde er von den anderen Farmern belächelt. Werner Lang ist ein Mann mit Zielen und Visionen, einer der immer gewusst habe, was er wolle und sich nicht vom Weg abbringen liess. 

Mit einem für mich eindrücklichen Satz «du muesch a das gloube wode machsch» unterstreicht er die Motivation für die unzähligen Arbeitsstunden. Nicht nur die Arbeit, sondern auch der richtige Riecher und die «Elefantenhaut» brauchten Langs so weit. 

Wasserrechte gekauft – die anderen lachten

Ein gutes Beispiel ist die Geschichte mit dem Wasser. In Tatura fällt kein Sommerregen, so ist alles dürr, was nicht bewässert wird. Vor einigen Jahren wurden die Farmer beraten, sie sollen die Wasserrechte verkaufen. Alle verdienten damit viel Geld: Alle, ausser die Familie Lang. 

Stattdessen kauften sie weitere dazu und ihre Berufskollegen belächelten sie. Heute ist die Farm der Familie Lang eine der wenigen, die viele grüne Flächen zeigt. Das Wasser ist knapp und wer keine Wasserrechte mehr hat, bekommt auch keines zum Bewässern.

Flutsystem-Millimeterarbeit mit dem Laser

Auf Langs Farm wird mehrheitlich mit dem Flutsystem bewässert. «Oben» am Feld, die Steigung kann mit blossem Auge nicht wahrgenommen werden, verlaufen Bewässerungskanäle. Schieber werden gezogen und das Wasser fliesst über die Parzelle, wo das Restwasser unten gesammelt und wiederverwendet wird. 

Hierfür muss die Parzelle per Geometer und Laser fast millimetergenau planiert werden, sonst fliesst das Wasser nicht überall hin.

Winterweiden und Sommerweiden

Doch es mache wenig Sinn, alle Weiden grün zu haben, erklärt uns Josy. So sind die Winterweiden momentan dürr. Sie sind für die Rinder und das Galtvieh im Herbst gedacht. Auf den grünen Weiden grasen die 2000 Kühe, aufgeteilt in drei Herden. 

Wenn es noch trockener wird, werden weitere Weiden nicht mehr bewässert und den Tieren wird nach dem Melken mehr Silage und Heu zu gefüttert.

9 Nutzungen der Luzerne

Josi zeigt uns eine Parzelle mit wunderschöner Luzerne. Hier seien neun Nutzungen möglich, im Frühjahr zwei Mal Silage, dann sechs Schnitte Heu und anschliessend Weidenutzung. Monatlich wird gemäht. Weiter zeigt sie uns die frisch gekaufte Weizenfarm. 

Hier wird seit Jahren Weizen angebaut, diesen wollen sie für die eigene Herde nutzen. Pro Kuh und Tag wird momentan sechs Kilogramm Kraftfutter gefüttert. Dies bedeutet rund 12 Tonnen pro Tag! Zahlen und vor allem ein Lebenswerk von Josy und Werner Lang, die uns tief beeindrucken und wir ihnen ganzen Respekt zollen!

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