26.05.2017 12:17
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Menschen
Trend geht Richtung Bargeld statt Nahrungsmittel
In der humanitären Hilfe geht der Trend mehr in Richtung Bargeld statt Nahrungsmittel. Auch private Investoren sollen vermehrt dazu motiviert werden, Gelder für humanitäre Zwecke zu investieren, wie der Chef humanitäre Hilfe, Manuel Bessler, in einem Interview mit der «Nordwestschweiz» sagte.

«Wenn wir den Leuten Geld oder Gutscheine geben, geben wir ihnen Verantwortung. Sie wissen am besten, was sie brauchen», sagte Bessler. Die Erfahrungen mit der Bargeldhilfe seien positiv.

Studien hätten gezeigt, dass das Bargeld von den Bedürftigen für Grundbedürfnisse wie Nahrungsmittel, Medikamente und Schulbildung eingesetzt werde. Darüber hinaus sei der Ansatz auch effizienter, weil teure Lagerungskosten eingespart werden könnten und zusätzlich die lokalen Märkte gestärkt würden.

Auf SIM-Karte überweisen

Als Beispiel nannte Bessler Haiti, wo das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen nach dem Wirbelsturm Matthews darin unterstützt worden sei, ein Cash-System für Mobiltelefone aufzuziehen. Mit ein paar Klicks sei den Bedürftigen Bargeld auf ihre SIM-Karte überwiesen worden. Dies sei in enger Zusammenarbeit mit einer lokalen Telefongesellschaft geschehen.

«Momentan arbeiten wir an einem System, das wir ohne lange Anlaufzeit flächendeckend einsetzen können», sagte Bessler. Die Digitalisierung verändere auch die Berufsbilder: «Wir suchen mehr Analysten, Ökonomen oder Buchhalter und weniger Logistiker.»

Private Investoren einbeziehen

Die humanitäre Hilfe entwickelt auch neue Finanzierungsmodelle. Mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) arbeite sie an sogenannten Humanitarian Impact Bonds HIB. «Wir wollen private Investoren dazu motivieren, Gelder für humanitäre Einsätze zu sprechen», sagte Bessler.

Diese würden aber nur investieren, wenn für sie ein Gewinn zu erwarten sei. Ein privater Investor könnte beispielsweise Spitäler vorfinanzieren. Würden sie erfolgreich aufgebaut und betrieben, könnten staatliche Investoren sie zurückkaufen, verbunden mit einem Gewinn für den Investor, erklärte Bessler das Vorgehen.

Aus Elend ein Geschäft machen?

Für den Geberstaat würde dies auch den Vorteil mit sich bringen, dass er die Risiken nicht tragen und nur Resultate finanzieren würde. «Zugleich wirft das Modell aber ethische Fragen auf: Darf man mit Elend Geschäfte machen», fragte Bessler.

Er wies darauf hin, dass die Kluft zwischen Bedarf und verfügbaren Mitteln in der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe tief sei. Die HIB seien interessant, weil sie helfen könnten, Finanzierungslücken zu decken und eine stärkere Beteiligung des Privatsektors förderten.

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