Freitag, 22. Januar 2021
05.12.2012 08:11
Schweizer Bauer

«Unabhängigkeit ist für uns ein hohes Gut»

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: Interview: Samuel Krähenbühl

Die Oekonomische und Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern (OGG) kauft nach 21 Jahren die 49-Prozent-Beteiligung der Tamedia am Schweizer Bauer zurück. OGG-Präsident Simon Bichsel erklärt, warum.

«Schweizer Bauer»: Vor 21 Jahren verkaufte die OGG 49% des «Schweizer Bauer» an die Espace Media. Nun kaufen Sie diese wieder zurück. War der Verkauf damals ein Fehlentscheid?
Simon Bichsel: Nein, das war damals genau der richtige Entscheid. Wie heisst es so schön: «Alles hat seine Zeit.» Damals hatte der «Schweizer Bauer» eine Auflage von nur noch rund 18’000 Exemplaren. Es brauchte verlegerisches Fachwissen, um ein neues Konzept  aufzustellen und umzusetzen. Das haben die Espace Media und später die Tamedia als neue Eigentümerin der Espace Media höchst erfolgreich getan. 2011 überholte der «Schweizer Bauer» den Mitbewerber und ist seither die auflagenstärkste Agrarzeitung der Schweiz, aktuell mit einer Auflage von 31’290. Wir von der OGG haben über unseren Anteil von 51% auch am Erfolg partizipiert. 

Aber warum wollte die Tamedia etwas daran ändern?
Die Tamedia wollte den an sich profitablen Titel «Schweizer Bauer» verkaufen, weil er als Fachmedientitel nicht in ihre Gesamtstrategie passte. Wir haben die Zahlen seriös geprüft, einen Business-Plan aufgestellt und dann beschlossen, den «Schweizer Bauer» wieder ganz in die eigenen Hände zu nehmen. Das ist ein Bekenntnis zum «Schweizer Bauer» und damit auch ein Bekenntnis zur Schweizer Landwirtschaft. Die Unabhängigkeit von Verbänden ist für uns ein hohes Gut, das den Landwirten eine möglichst objektive Berichterstattung garantiert.

Fehlt dem «Schweizer Bauer» in Zukunft nicht etwas, wenn kein grosses Medienhaus mehr dahintersteht?
Die OGG wird nicht selber verlegerisch tätig sein und wird den Verwaltungsrat demnächst mit Medien-Fachwissen ergänzen. Man muss sehen, dass sich auch die technischen Möglichkeiten in den letzten 20 Jahren rasend verändert haben. Heute kann man übers Internet mit frei auf dem Markt verfügbaren Layoutprogrammen arbeiten und die Zeitung ganz woanders drucken lassen.  Das praktiziert der «Schweizer Bauer» beispielsweise schon seit Jahren an grossen Messen wie der «Swiss Expo» oder der «Tier&Technik», wo von Ort aus die Zeitung gemacht und dann zur Überraschung des Publikums am Abend direkt nach dem Druck verteilt wird.

Wie sieht es aber auf strategischer Ebene aus: Bräuchte es nicht im Verwaltungsrat branchenspezifisches Wissen?
Wir konnten noch nicht alle Details klären, werden aber alles daran setzen, eine kompetente Führungscrew zusammenzustellen. Wir werden den künftigen Verwaltungsrat mit Medien-Fachwissen ergänzen. Zudem wird die Tamedia sämtliche Dienstleistungen, welche wir nicht sofort anderweitig organisieren können, noch bis Ende 2013 anbieten.

Bei Übernahmen gibt es sehr oft Entlassungen. Ist das auch beim «Schweizer Bauer» so?
Nein, im Gegenteil. Wir sind auf das grosse Engagement und die Fähigkeiten aller Mitarbeitenden angewiesen, um weiterhin erfolgreich zu sein. Ich spreche in diesem Zusammenhang den Mitarbeitenden in Redaktion, Inserateabteilung und Verlag meinen Dank aus, gerade für die nicht immer einfache Zeit der Unsicherheit, die hinter ihnen liegt. Ich freue mich auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit dem «Schweizer Bauer»-Team.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE