8.04.2020 08:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Corona
Vertrauen in Bundesrat gestiegen
In der Corona-Krise ist das Vertrauen der Bevölkerung in die politische Führung des Landes gestiegen.

Immer noch steht eine deutliche Mehrheit hinter dem Bundesrat bei den Beschränkungen der Wirtschaftstätigkeit. Erstmals zeichnet sich aber eine substanzielle Opposition dagegen ab, wie eine Umfrage des Forschungsstelle Sotomo im Auftrag der SRG zeigt.

Für die zweite Ausgabe des repräsentativen SRG Monitors zur Corona-Pandemie wurden am Wochenende vom 5. April 29'891 Personen aus der gesamten Schweiz befragt.

Bei der ersten Befragung, die am Wochenende vom 22. März durchgeführt worden war, gaben insgesamt 61 Prozent der Schweizer Bevölkerung an, grosses oder sehr grosses Vertrauen in die politische Führung zu haben. Dieser Anteil ist zwei Wochen später auf 67 Prozent gewachsen.

Lateinische Schweiz schöpft Vertrauen

Während sich die Vertrauenswerte in der Deutschschweiz nur wenig verändert haben, hat die politische Führung in der lateinischen Schweiz markant an Vertrauen gewonnen. Anders als bei der letzten Befragung gibt nun auch in der Romandie und in der italienischsprachigen Schweiz eine Mehrheit an, grosses oder sehr grosses Vertrauen in die politische Führung der Schweiz zu haben.

Die Gesundheitssituation wird inzwischen von der Bevölkerung als weniger dramatisch eingeschätzt als noch vor zwei Wochen. Der Anteil, der findet, der Bundesrat gehe zu wenig weit, ist bei den Präventionsmassnahmen und bei der Stützung des Gesundheitswesens am Sinken. Die Dringlichkeit scheint sich aus Sicht der Bevölkerung Richtung wirtschaftlicher und vor allem sozialer Abfederung zu verschieben.

Erstmals substanzielle Opposition

Erstmals zeichnet sich zudem laut der Befragung eine substanzielle Opposition gegen Massnahmen des Bundesrats ab, die eine Beschränkung der Wirtschaftstätigkeit betreffen. Zwar steht immer noch eine deutliche Mehrheit hinter der Linie des Bundesrats, die Ansicht, der Bundesrat gehe zu weit mit der Schliessung von Geschäften und Dienstleistungsangeboten beginnt sich allerdings in der Gesellschaft zu verbreiten.

In allen Altersgruppen ist eine wachsende Minderheit der Ansicht, dass die Massnahmen des Bundesrats, die die Wirtschaft betreffen, zu weit gingen. Der Anteil derer, die findet, die Massnahmen des Bundesrats gingen zu weit, ist innert zwei Wochen von 10 Prozent auf fast ein Drittel gestiegen. In der Tendenz sprechen sich die Älteren weiterhin für eine weniger strenge Linie aus.

Mehr frische Luft und mehr zu Fuss

Die Empfehlungen der Behörden finden offenbar Gehör. Zwar haben in der vergangenen Woche 92 Prozent der Bevölkerung ihr eigenes Zuhause verlassen und damit mehr als in der Märzerhebung, sie gingen aber in der Woche vor dem 5. April häufiger nach draussen für Spaziergänge (57 Prozent) oder um Sport zu treiben (21 Prozent).

Der häufigste Grund, um ausser Haus zu gehen, ist nach wie vor das Einkaufen (72 Prozent). Allerdings wird weniger häufig eingekauft als noch in der Woche vom 22. März. Namentlich über 65-Jährige verlassen das Haus nach eigenen Angaben deutlich seltener, um einkaufen zu gehen.

Die Corona-Pandemie hat zu einem starken Einbruch der Nutzung des öffentlichen Verkehrs geführt. Der Anteil der Personen, die in der erfassten Woche den Zug oder ein öffentliches Nahverkehrsmittel mehrfach verwendet haben, ist auf sehr tiefem Niveau nochmals zurückgegangen.

Der Anteil der Personen in der Schweiz, die sich mit einem anderen Verkehrsmittel fortbewegt haben, ist weitgehend konstant geblieben. Mehr als üblich bewegt sich die Bevölkerung gegenwärtig zu Fuss von A nach B.

Distanz wird eingehalten

Auch die Botschaft des Distanzhaltens hat laut der Umfrage immer grössere Teile der Bevölkerung erreicht. In der Woche vor dem 22. März hatten 38 Prozent, gemäss Selbstangabe, keinen näheren Kontakt ausserhalb des eigenen Haushalts. In der Woche vom 5. April ist der Anteil auf 47 Prozent gestiegen. Das heisst, die durchschnittliche Person in der Schweiz (Median) hat gegenwärtig neben den Menschen, die unter demselben Dach leben, knapp eine nähere Begegnung in einer ganzen Woche.

Insbesondere bei den kontaktfreudigen jungen Erwachsenen stellt die Umfrage in den letzten zwei Wochen eine markante Verhaltensänderung fest. Hatten diese in der Woche vor dem 22. März acht nähere ausserhäusliche Kontakte, sind diese nun auf fünf gesunken. Auf bereits schon tiefem Niveau, ist auch die Zahl der Kontakte der ältere Personen nochmals gesunken.

Keine Mehrheit findet sich gegenwärtig für eine Pflicht zum Tragen von Schutzmasken beim Einkaufen. Dennoch sind inzwischen immerhin rund 40 Prozent dafür. In der italienischsprachigen Schweiz findet sich sogar eine Mehrheit. Eine Maskenpflicht ist laut der Umfrage bei den über 65-Jährigen mehrheitsfähig, bei den Jüngeren aber nicht.

Contact-Tracing-App

Contact-Tracing-Apps spielen eine wichtige Rolle zum Aufdecken möglicher Übertragungswege des Coronavirus und zum Isolieren potenziell erkrankter Personen. Im Vordergrund steht dabei zunächst das freiwillige Installieren auf dem Smartphone.

Von Nutzen sind solche Apps jedoch nur, wenn sich ein grosser Anteil der Bevölkerung daran beteiligt. Entscheidend ist deshalb nicht zuletzt die Bereitschaft zum freiwilligen Mitmacheni. Rund zwei Drittel der Befragten sagen Ja oder eher Ja dazu. Allerdings sagte ein relativ grosser Anteil sagt nur «eher Ja».

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE