10.04.2020 09:35
Quelle: schweizerbauer.ch - jul
Bern
Vom Privileg, eine Bauernfamilie zu sein
Christa Krähenbühl aus Oberhünigen BE fokussiert in der schwierigen Zeit auf das Gute. Sie freut sich auf Ostern, liefert ihre Hofprodukte der Kundschaft nach Hause, und für die Beschäftigung der fünf Kinder haben sie und ihr Mann gesorgt.

Als Bundesrat Alain Berset am 13. März die Schulschliessung bekannt gab, waren die fünf Kinder der Familie Krähenbühl zunächst erfreut. So viel Zeit zu Hause auf dem Hof in Oberhünigen BE, das hatten sie noch nie.

Schnell wurde aber klar, dass es nicht dabei bleiben würde. Auch die Schau des Viehzuchtvereins Oberhünigen, die  sonst jedes Jahr bei Krähenbühls stattfindet und die für die Kinder ein Höhepunkt des Frühlings ist, fiel ins Wasser. «Das war die kalte Dusche nach der ersten Freude», sagt Christa Krähenbühl, die Mutter der fünf Kinder am Telefon.

Auch sonst wurde schnell klar, dass sich die Ausnahmesituation nicht auf die Schule beschränkte. «Alle Schwingtrainings und -feste, das Geräteturnen und die Anlässe der Trachtengruppe fallen weg,», erzählt die Mutter. Bis auf ihre älteste Tochter (17), die in der Lehre zur Fachfrau Gesundheit ist,  seien die Kinder zwischen 7 und 16 Jahren nun rund um die Uhr daheim.

Viele Hofprodukte

 «Als uns das bewusst wurde, war für meinen Mann Bernhard und mich klar: Wir brauchen einen Plan», sagt Krähenbühl. 

Da sie sehr viele Hofprodukte herstellt, etwa Brot oder Gebäcke aus dem eigenen Weizen und Urdinkel, Sirup, Konfitüre, um nur einige zu nennen, brauchen sie einen Verarbeitungsraum. «Da wir nun alle so viel Zeit auf dem Hof verbringen, haben wir  entschieden, dass der Bau dieses Raums unser Corona-Projekt wird», erzählt sie. Und die Kinder arbeiteten sehr gern mit und es sei schön, gemeinsam etwas zu erschaffen.

«Auch sonst merke ich jetzt, welch ein Riesenprivileg es ist, dass wir bauern», sagt die 37-Jährige, die vor 18 Jahren zu ihrem Mann auf dessen elterlichen Betrieb gekommen ist. Auf dem Hof gebe immer etwas zu tun, man habe Platz und Garten, Feld und Stall tragen dazu bei, dass selbst dann etwas im Kühlschrank sei, wenn sie gerade nicht einkaufen waren.

«Ich will die Situation aber nicht verharmlosen», räumt Krähenbühl ein. Sie wisse, dass viele Menschen stark unter der Situation leiden. Gerade auch Bauernfamilien. Solche etwa, die darauf angewiesen sind, regelmässig auf den Markt zu gehen, um dort ihre Produkte zu verkaufen. «Für die ist es jetzt sehr hart, das ist mir klar», sagt sie. Sie selbst hat auch einen Marktstand. Allerdings nur einmal im Monat. Zusammen mit ihrer Nachbarin Bea Brenzikofer, einer Konditorin, verarbeitet sie ihr eigenes Urdinkel- und Weizenmehl zu Brot, Zopf und Gebäcken. Die verkaufen sie auf dem Markt neben  Mehl, Teigwaren usw.

«Das fällt jetzt weg», sagt Krähenbühl. Ebenso die Kundschaft, die regelmässig auf den Hof kam, um etwas zu kaufen.  «Mittlerweile läuft aber unser Lieferdienst, den wir extra für die Corona-Zeit auf die Beine gestellt haben, sehr gut. Wir haben mehr Arbeit als je zuvor», erzählt Krähenbühl. «Die Kundschaft kann Brot und alles weiter bestellen und wir bringen es jeden Samstag vorbei. Die Leute legen das Geld in den Briefkasten und wir die Produkte. So begegnen wir uns nicht, aber wir können unsere Ware trotzdem absetzen», erzählt sie. 

Etwas weniger Ostereier 

«Mit dem Lieferdienst wollen wir aber keine goldene Nase  verdienen», sagt Krähenbühl. Für die Fahrspesen verrechne sie nichts. «Ich merke, dass die Leute dankbar sind für die frischen Produkte. So kann ich  in der schwierigen Situation etwas Gutes tun.» Auch sonst will Krähenbühl nicht jammern. Es sei zwar schon merkwürdig, dass dieses Jahr an Ostern kein Besuch kommt. «Aber davon geht die Welt nicht unter. Wir dekorieren trotzdem das Haus und färben Eier – halt etwas weniger.» Und sie freue sich auf die Zeit danach. Denn die werde ja sicher kommen. «Bis dahin konzentrieren wir uns aufs Gute.»

Mehr Infos auf Facebook: unter Krähenbühl Grunder-Hof.

 

Zum Betrieb

Krähenbühls führen einen Milchwirtschaftsbetrieb. Sie haben 17 Hektaren, hauptsächlich mit Grasland. Auf einer Hektare bauen sie zertifizierten Urdinkel und Weizen an. Das Getreide bringen sie in die Mühle Mirchel. Dort wird es gelagert und nach Bedarf gemahlen. Das Mehl vermarkten Krähenbühls alles direkt.  Bernhard Krähenbühl geht einen Tag in der Woche extern arbeiten. Christa Krähenbühl ist gelernte Floristin, arbeitet aber ausschliesslich auf dem Hof. Einigen dürfte sie bekannt vorkommen, weil sie 2016 eine Kandidatin der SRF-Sendung «Landfrauenküche» war. jul


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