7.05.2018 07:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Von Hormonen, Herzblut, Furz und so
Esther Schneiter ist zurück auf schweizerbauer.ch. Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, wird Esther Schneiter in den kommenden Monaten wieder aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende berichten.

Momentan läuft der Unterricht in der Primarschule Unterlangenegg BE projektartig und vielleicht auch ein bisschen chaotisch. Am Dienstag haben wir die öffentliche Aufführung von unserem Bühnenprojekt. 

Der genaue Titel lautet „Von Hormonen, Herzblut, Furz und so…. Körpergeschichten auf der Bühne“. Ja genau, Furz steht im Titel. So habe ich am Dienstag in meinem Workshop mit den Kindern auch Schissdräckli, Blutaugen, Plattfüsse, Ohrenschmalz und dergleichen gebacken. 

Bühnenprojekt als Abwechslung zum Schulalltag

Jede Klasse hat ein eigenes Projekt, oder auch mehrere. Zudem gibt es eben Workshops, wo beispielsweise für die Verpflegung gesorgt wird oder an Bühnenbild und Deko gebastelt wird. Und natürlich haben wir auch eine Gruppe Medienschaffende. Unsere 5./6. Klässler/innen zeigen einen Tanz, präsentieren witzige Sketchs und haben Redewendungen verfilmt. 

Ja, ich gebe zu, es läuft nicht immer alles nach Plan. Ein Aussenstehender würde wohl sagen, dass es Zeiten gibt, in denen ein wildes Durcheinander herrscht. Aber ich bin der grossen Überzeugung, dass die Kinder Spass haben an ihren Projekten. Zudem ist es aus meiner Sicht wichtig, dass der Schulalltag abwechslungsreich und aufregend ist. Denn schlussendlich soll es ein Lernort sein, an dem sich die Kinder wohl fühlen sollen.

Töbu geht ohne mich auf die Alp

Während ich einen interessanten Schulmorgen erlebe, fährt Töbu am vergangenen Mittwoch ohne mich auf die Alp. Er will das gesägte Holz nach oben bringen und mit dem Erstellen des neuen Tenns beginnen. Ich verstehe, dass er nicht immer auf mich Rücksicht nehmen kann. Wenn ich an drei Tagen unterrichte und am Freitag selber zur Schule gehe, kann ich eben nicht immer dabei sein. 

Dennoch ist dies zu verstehen nicht immer ganz einfach für mich. Auch ich kann nicht auf mehreren Hochzeiten tanzen. Zudem macht der Unterricht ja auch Spass. Kürzlich hat ein Lehrer am Inforama mich beauftragt, den Begriff FOMO zu klären. Er bedeutet „Fear of missing out“, auf Deutsch übersetzt „Angst, etwas zu verpassen“. Wohl hat er mitten ins Schwarze getroffen.

Hast du auch ein Lieblingsfach?

Grundsätzlich finde ich diesen Lehrer und vor allem seinen Unterricht sehr toll. Für mich als Lehrerin ist es nicht immer einfach, die Pultseite zu wechseln. Manchmal erlebe ich packenden Unterricht, in dem ich die Zeit vergesse. Dies ergibt Zweifel an meinem Unterricht. In einer Grammatik-Lektion sind wohl nie alle Kinder so gefesselt. Dann bin ich jeweils fast froh, wenn mir das Gegenteil widerfährt und ich sagen kann, dass ich wohl didaktisch und pädagogisch gesehen mindestens auf Augenhöhe bin. 

Natürlich erzähle ich den Kindern in Unterlangenegg manchmal von „meiner Schule“ am Hondrich. Kürzlich hat mich ein Kind gefragt: „Hast du auch ein Lieblingsfach?“. Ich habe grosszügig über das Duzen hinweggesehen und lange überlegt. In der Tat habe ich kein Lieblingsfach. Es gab da eines, das ich überhaupt nicht mochte, aber das ist nun abgeschlossen. 

Freundschaften entstanden

Sicherlich ist der Unterricht und vor allem der Lerninhalt mitentscheidend, dass ich am Freitag so gerne zur Schule gehe. Mich interessiert das Thema Landwirtschaft mit all seinen Facetten halt einfach. Ich bin mir aber sicher, dass es auch die Mitschüler und Mitschülerin sind. Da sind Freundschaften und kleine Projekte entstanden, die mich hoffentlich die nächsten Jahre begleiten werden. So ist es für mich halb so schlimm, wenn ich am Freitag nicht auf dem Hof bin und teilweise spannende Tätigkeiten verpasse.

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