22.01.2013 17:45
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wallis
Vorbildliche Stadt - Sion erhält Wakkerpreis auch dank Raumplanung
Die Walliser Hauptstadt Sitten erhält für ihren Umgang mit Baukultur und Landschaft den diesjährigen Wakkerpreis. Die Würdigung des Schweizer Heimatschutzes (SHS) ist nicht ohne Zündstoff, weil Sitten unter anderem für das Verkleinern der Bauzonen ausgezeichnet wird.

Für Sitten habe die Verbindung der Kulturlandschaft mit dem baukulturellen Erbe der Altstadt gesprochen, sagte SHS-Geschäftsführer Adrian Schmid der Nachrichtenagentur sda am Dienstag am Rand der Bekanntgabe des Preisträgers in Sitten.

Landschaft einbezogen

Die 31'000 Einwohner zählende Walliser Hauptstadt habe auch die Landschaft in die Planung einbezogen. So legt der Richtplan die zu schützenden grünen Zonen fest, welche die Stadt wie zwei Klammern im Osten und Westen umfassen.

Um die Zersiedelung ausserhalb der Stadtgrenzen zu bekämpfen, beschloss Sitten, die Bauzone trotz des demografischen Drucks nicht auszudehnen. Der Richtplan sieht vielmehr die Verdichtung innerhalb des Bestandes vor.

Wakkerpreis als «politisches Zeichen»

Sitten habe bereits einen ersten Teil der Ziele der Landschaftsinitiative umgesetzt, deren Trägerschaft auch der Heimatschutz angehört, hielt Schmid fest. Die Stadt habe damit ein Zeichen gesetzt in einem Prozess, der noch nicht zu Ende sei.

Lob also für die Hauptstadt des Kantons Wallis, der am meisten Baulandreserven der Schweiz besitzt und sich für das Referendum gegen das Raumplanungsgesetz stark macht, über das am 3. März abgestimmt wird. Die Vorlage ist der indirekte Gegenvorschlag zur Landschaftsinitiative.

SHS-Geschäftsführer Schmid versteht den Wakkerpreis denn auch als «politisches Zeichen». Man zeichne seit 40 Jahren innovative Gemeinden aus. Doch sei der Zeitpunkt der Vergabe Zufall, da das Auswahlverfahren in Gang gekommen sei, bevor Referendum und Abstimmungstermin bekannt gewesen seien.

Im 2012 war der Wakkerpreis an die Berner Gemeinde Köniz als «Musteragglomerationsgemeinde» vergeben worden. Der Heimatschutz würdigte in den vergangenen Jahren eher eine moderne Raumplanung. In früheren Jahrzehnten hatte er vorab schöne Ortsbilder ausgezeichnet.

Plätze neu gestaltet

Neben der zeitgenössischen Raumplanung lobt der Heimatschutz die «vorbildliche Neugestaltung der öffentlichen Plätze» im Sittener Stadtzentrum. Als gute Beispiele nannte er die Place du Midi, den Espace des Remparts und die Place Maurice Zermatten.

Alle drei Projekte verliehen der Stadt ein neues Antlitz, stellte der Heimatschutz fest. Über die Place du Midi und den Espace des  Remparts rollte früher der Verkehr. Heute sind beide Plätze  Begegnungszonen mit Bäumen und anderen architektonischen Merkmalen. Die Place Maurice Zermatten verbindet in den Augen des Heimatschutzes die Landschaft rund um die Walliser Kapitale ideal mit der Stadt. Durch die Neugestaltung habe Sitten auch neue Lebensqualität gefunden, sagte Stadtpräsident Marcel Maurer vor den Medien.

Perlen aus den 1950er-Jahren

Vor allem in der bisherigen Industriezone südlich des Bahnhofs bestehe noch grosses Potenzial, sagte der Stadtpräsident. Dort soll ein neues Quartier entstehen, das Sitten die «Stadt des 21. Jahrhunderts» nennt.

Neben der Altstadt gelten vor allem die Gebäude aus den 1950er-Jahren als baukulturelle Perlen. Zwei davon - die Kantonalbank und die Galeries du Midi - wurden renoviert ohne die wertvollen Fassaden zu zerstören.

Der Wakkerpreis wird seit 1972 jährlich politischen Gemeinden verliehen, die bezüglich Ortsbild- und Siedlungsentwicklung besondere Leistungen vorzeigen können. Das Preisgeld beträgt 20'000 Franken. Der 42. Wakkerpreis wird der Stadt Sitten am 21. September an einer öffentlichen Feier offiziell übergeben.

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