26.10.2019 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
USA
Waldbrände: Zehntausende fliehen
Gefährliche Waldbrände haben im US-Bundesstaat Kalifornien Zehntausende Menschen in die Flucht getrieben. Hunderte Feuerwehrleute kämpften im Weinbaugebiet Sonoma County und bei Santa Clarita nahe Los Angeles gegen die beiden grössten Feuer an, wie die Brandschutzbehörden mitteilten.

Das sogenannte «Tick»-Feuer, rund 50 Kilometer nördlich von Los Angeles, bedrohte nach Angaben der Behörden in Südkalifornien eine dicht besiedelte Region mit rund 10'000 Gebäuden. Rund 40'000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die Flammen breiteten sich demnach bislang auf eine Fläche von knapp 18 Quadratkilometern aus.

Strom abgeschaltet

Am Freitagmorgen waren dort knapp 600 Brandbekämpfer im Einsatz. «Die erratischen Winde heute sind eine Herausforderung für unsere Feuerwehrleute, weil sie die Richtung wechseln und zunehmen könnten», erklärte die Feuerwehr in Los Angeles. Das könne ein grösseres Risiko für die Häuser in dem Gebiet bedeuten. Die Ursache des Brandes war zunächst nicht bekannt. Der Versorger Southern California Edison (SCE) schnitt nach eigenen Angaben gut 20'000 Kunden vom Strom ab. Damit soll verhindert werden, dass der Wind Leitungen abreisst oder herabfallende Äste diese beschädigen und dadurch Brände verursachen. 

Wegen erhöhter Waldbrandgefahr hatte auch der Energieversorger Pacific Gas & Electric (PG&E) seit Mittwoch in Teilen Nordkaliforniens den Strom abgeschaltet, auch im Bezirk Sonoma. Bis zu 179'000 Kunden waren zeitweise von den Blackouts betroffen. Nach Angaben des Unternehmens sollte bis Freitagabend die Versorgung wieder hergestellt werden.

Brandursache unklar

In Sonoma County hätten sich die Flammen auf einer Fläche von mehr als 64 Quadratkilometern ausgebreitet, teilte die Feuerwehr mit. Mindestens 49 Gebäude wurden zerstört. Mehrere Hundert Feuerwehrleute und Löschhelikopter waren im Einsatz. Das Feuer hatte sich wegen starker Winde von bis zu 96 Stundenkilometern rasch ausgebreitet.

Der Brand tobte in der Nähe des Ortes Geyserville, eines beliebten Ausflugsziels rund 120 Kilometer nördlich von San Francisco. In dem Sonoma-Bezirk, bekannt vor allem als Weinanbaugebiet, hatte die Polizei rund 2000 Einwohner aufgefordert, die Gefahrenzone rasch zu verlassen. Warum es brannte, war bisher unklar. Bei warmen Temperaturen und extremer Trockenheit frass sich das sogenannte «Kincade»-Feuer durch hügeliges, schwer zugängliches Hinterland. Es bedrohte aber auch die Ortschaft Geyserville und andere Siedlungen, darunter viele Weingüter.

Beängstigende Normalität

«Das ist die neue Normalität, in der wir leben», beklagte der Bürgermeister der nahe gelegenen Ortschaft Healdsburg, David Hagele, mit Blick auf die schweren Brände der vergangenen Jahre in der Gegend. «Es ist entmutigend und für viele Menschen beängstigend, weil es viele Erinnerungen an die Ereignisse vor ein paar Jahren weckt.»

Der Waldbrand in der nordkalifornischen Ortschaft Paradise, der im November vergangenen Jahres 85 Menschen in den Tod riss, soll durch defekte Stromleitungen ausgelöst worden sein. Starker Wind und eine trockene Vegetation trugen dazu bei, dass sich das Feuer extrem schnell ausbreitete. 

Auch 2017 war für Nordkalifornien wegen andauernder Trockenheit ein besonders schlimmes Waldbrandjahr gewesen. In den Weinregionen um Sonoma und Napa hatten damals fast 6000 Gebäude zerstört. 44 Menschen starben, zeitweise waren 100'000 Anwohner vor den Flammen auf der Flucht.

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