Freitag, 26. Februar 2021
27.07.2012 07:42
Romandie

Wallis: Hunderte Roma besetzen Feld und sorgen für rote Köpfe

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: Barbara Stäbler, sda

In der Unterwalliser Gemeinde Collombey-Muraz herrscht derzeit dicke Luft: Mehrere hundert Roma sind in die 2000-Seelengemeinde gereist, um am kommenden Sonntag eine Hochzeit zu feiern. Ohne Erlaubnis besetzten sie eine Wiese. Die Behörden sind weitgehend machtlos.

Der Fall schlug in der Romandie hohe Wellen. Fahrende aus Deutschland und Frankreich campieren seit vergangenem Sonntag auf einer privaten Wiese. Mittlerweile stehen laut Kantonspolizei Wallis rund 80 Wohnwagen dort – das entspricht etwa 400 Leuten. Und es sollen noch mehr kommen: Denn am Sonntag ist eine Hochzeit mit rund 800 Gästen geplant.

Fahrende müssen Bauer zehn Franken pro Tag bezahlen

Nicht nur das illegale Campieren ärgert den betroffenen Bauern, Stein des Anstosses ist auch der Abfall und die Exkremente, welche die Fahrenden auf der Wiese hinterlassen. Viele Leute haben zudem Angst vor den Fahrenden.

Als sich die Situation vor einigen Tagen zuspitzte, konnte mit Hilfe der Polizei ein Kompromiss ausgehandelt werden: Die Fahrenden dürfen bis Sonntag 14 Uhr bleiben, müssen aber dem Besitzer der Wiese zehn Franken pro Tag und Wagen bezahlen.

Standplatz in Martigny leer

«Das ist der Preis, den sie auf dem offiziellen Standplatz in Martigny bezahlen müssten», sagt Markus Rieder, Sprecher der Walliser Kantonspolizei, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Warum die Fahrenden nicht in Martigny ihr Quartier bezogen haben, ist Rieder nicht bekannt.

Auf Nachfrage der sda bestätigt die Gemeinde Martigny, dass der Standplatz zurzeit nicht besetzt ist. Er hat Platz für rund 30 Wagen.

Wenig rechtliche Handhabe

Im Falle der in Collombey-Muraz illegal Campierenden sind den Behörden die Hände praktisch gebunden. Nicolas Dubuis von der Walliser Staatsanwaltschaft erklärt: «Grundsätzlich gilt für die Fahrenden das gleiche Recht wie für Schweizer.» Begehe jemand eine Straftat, werde er strafrechtlich verfolgt – gleichgültig ob Roma oder Schweizer.

Auf Nachfrage der sda, ob das illegale Campieren nicht vielleicht Hausfriedensbruch sei, verneint der Jurist: «Hierfür müssen laut Gesetz zwei Bedingungen erfüllt sein.» Der illegal besetzte Platz müsse «umfriedet» sein und «unmittelbar zu einem Haus» gehören. «Beides trifft in der aktuellen Situation nicht zu», sagte Dubuis.

Polizei könnte kaum gegen so viele Personen vorgehen

Wolle man rechtlich gegen die Verschmutzung vorgehen, komme das Gemeindereglement zur Anwendung. Der Verstoss dagegen könne jedoch höchstens mit einer Busse belegt werden, sagt Dubuis weiter.

Und selbst wenn der Wiesenbesitzer auf Sachbeschädigung klagen würde: Die Polizei kann kaum gegen mehrere Hundert Menschen vorgehen. Und sind die Fahrenden erst einmal weg, sind sie kaum mehr aufzuspüren – eine feste Adresse dürften sie keine haben.

Auch die Waadt betroffen

Doch nicht nur das Wallis hat Probleme mit Fahrenden, die illegal campieren. Auch das Waadtland sieht sich in diesem Jahr mit einer steigenden Zahl an fahrenden Roma konfrontiert.

«Die offiziellen Plätze sind für 70 Wagen ausgelegt. Aktuell sind es zwischen 140 und 150 Wagen», sagt Pierrette Roulet-Grin, die für den Kanton Waadt als Mediatorin amtet. 95 Prozent stammen laut Roulet-Grin aus Frankreich.

Mehrere Male die Woche muss die Mediatorin ausrücken, um Streit zu schlichten. Meist gibt es Konflikte zwischen Fahrenden und Nachbarn oder Grundstückbesitzern, auf deren Feldern sich die Roma niedergelassen haben.

Betätigen sich als Reiniger oder Maler

Die Wirtschaftskrise und der starke Franken treibe diese Leute in die Romandie, sagt Roulet-Grin. Hier würden sie dann ihre Dienste als Fassadenreiniger oder Fensterlädenmaler anbieten. Eine vor kurzem eingesetzte Arbeitsgruppe hat sich nun des Problems angenommen.

Die Romandie dürfte weit mehr von Fahrenden aus dem Ausland besucht werden als die Deutschschweiz. Konkrete Zahlen existieren dazu zwar keine. «Doch es gibt weit mehr fahrende Roma in Frankreich als in Deutschland», sagt Angela Mattli, Kampagnenleiterin bei der Gesellschaft für bedrohte Völker. «Und die bevorzugen aufgrund ihrer Sprache natürlich die Romandie.»

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE