2.08.2018 08:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Wasser wird langsam knapp
Esther Schneiter ist zurück auf schweizerbauer.ch. Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, wird Esther in den kommenden Monaten wieder aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende berichten.

Endlich, das Warten hat ein Ende. Viel früher als in anderen Jahren, doch es ist gut so. Der Weizen ist reif und wir konnten ihn am Dienstag vergangener Woche dreschen. Unser Feld ist 1,3 Hektar gross und für uns als Bio-Umstellungsbetrieb eine Herausforderung. 

Zufriedenstellende Qualität


Zum einen haben wir nicht sehr viel Erfahrung im Ackerbau, zum anderen hat der Anbau nach Bio-Richtlinien seine Tücken, vor allem bei der Unkrautbekämpfung. Da bin ich froh, dass ich dies Töbu überlassen kann. Mit einem Hektolitergewicht von 78kg/hl sind wir sehr zufrieden, auch die Feuchtigkeit mit 15% ist nicht schlecht. 

Wohl hätten wir einen Tag warten können mit Dreschen. Aber ob dann ein Lohnunternehmer Zeit gehabt hätte, ist fraglich. Zudem hätten wir am Donnerstag das Stroh nicht einbringen können, da für den Abend Gewitter prognostiziert wurden. So haben wir am Dienstag vergangener Woche eine gute und zufriedenstellende Ernte erzielt.

Regen am Samstag

Natürlich blieb dann das Gewitter am Donnerstag aus. Wie viele andere warten auch wir auf Regen. Am Samstag regnete es 7 Liter pro Quadratmeter. Die grossen Mengen sind leider ausgeblieben, doch wir sind froh um jeden Liter. So trocken wie in anderen Regionen ist es bei uns noch lange nicht. Deshalb haben wir auch nichts zu jammern!

Quelle versiegt langsam

Auf der Alp bringt die Quelle noch 2,2l/min. Das ist nicht gerade viel, denn 21 Kühe und 39 Rinder müssen mit dieser Menge versorgt werden. Zudem brauchen wir Wasser für die Reinigung der Melkmaschine. Und wir möchten auch duschen können. 

Dank geschicktem Einteilen des Wassers können wir sämtliche Bedürfnisse abdecken. Bis Ende Woche dürfte es aber knapp werden. Glücklicherweise fahren wir jeden zweiten Tag mit dem leeren Milchtank nach oben, so wäre der Wassertransport in der Not eine Option.

Ferienablösung

Während meiner berufsbegleitenden Ausbildung zur Landwirtin habe ich einen Leitbetrieb. Also einen Berufsbildner, der mir sein Wissen weitergibt und bei dem ich sieben Praxistage pro Jahr absolviere. Mein Leitbetrieb ist Familie Rolf Dummermuth aus Fahrni. 

Wie schon letzten Sommer sind auch in diesem Jahr die Praxistage für die Ferienablösung bestimmt. Dummermuths Talbetrieb liegt auch in Fahrni, ihre Alp ist der «Gemeiner Schöriz», die Nachbaralp von unserer Pfidertschegg. Wie wir leben auch sie von der Milchwirtschaft und dem Verkauf von Swiss Fleckvieh-Zuchtkühen.

Grosse Unterschiede bei der Betriebsführung

Und dennoch gibt es grosse Unterschiede bei der Betriebsführung. Beispielsweise tragen Dummermuths Kühe Hörner und lange schneetaubweisse Schwänze. Die Kälber erhalten viel länger Milch als bei uns und der Melkvorgang ist viel genauer nach Lehrbuch. 

Für mich sind diese Unterschiede sehr spannend und ich geniesse es, wenn ich einen anderen Betrieb näher kennenlerne. Ich kann Nützliches in mein Rucksäcken packen und zu Hause anwenden.

Letzte Woche für die Melkkühe

Am kommenden Samstag lösen wir das Wasserproblem auf eine andere Art und Weise. Wir werden die laktierenden Kühe, ein Duzend, bereits nach Hause transportieren. In anderen Jahren sind wir Mitte August nach Hause gezügelt, nun halt früher. 

Hierfür gibt es nebst dem Wasser weitere Gründe: Beim Bau der Strasse muss der bestehende Weg rund 1,5m abgesenkt werden, so wird das Passieren mit dem Milchtank kompliziert. Es ist möglich, dass der Weg längere Zeit gesperrt bleibt. Auch ist das gute Gras langsam gefressen, denn das Emdgras ist spärlich nachgewachsen. Zudem haben wir sechs hochträchtige Rinder, die wir nicht auf der Alp abkalben lassen wollen und zu guter Letzt: zu Hause steht ein flotter Stall, den wir nicht länger leer stehen lassen wollen.

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