9.09.2014 13:07
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gewässer
Wasserfilter Uferboden kommt an seine Grenzen
Ein grosser Teil des Trinkwassers der Schweiz stammt aus dem Grundwasser. Als Filter gegen Schadstoffe oder Krankheitserreger wirkt der Boden. Diese Barriere sei jedoch nicht unüberwindbar, warnten Wasserforscher am Dienstag an einer Tagung in Dübendorf ZH.

80 Prozent des Schweizer Hahnenwassers stamme aus Grundwasser, das zu einem Drittel aus versickerndem Flusswasser gespeist wird, schrieb die Wasserforschungsanstalt Eawag in einer Mitteilung. Die Bedeutung der Uferfiltration für die Trinkwassergewinnung nehme zu.

Mikroverunreinigungen unterhalb von Kläranlagen

Daher sei es wichtig zu wissen, wie sich die Wasserqualität in den Flüssen verändert. Über den Stand der Forschung dazu informierte die Eawag anlässlich ihres jährlichen Infotages, an dem über 300 Fachleute aus Wissenschaft, Wasserwirtschaft, Verwaltung und Politik teilnahmen.

Tatsächlich fanden Eawag-Forschende in neuen Untersuchungen unterhalb von Kläranlagen zwischen 100 und 160 verschiedene organische Mikroverunreinigungen. Die meisten davon sind Medikamente und Lebensmittel-Zusatzstoffe wie künstliche Süssstoffe. Sie kommen in Konzentrationen von 70 bis 80 Mikrogramm pro Liter vor.

So kommen beträchtliche Stoffmengen zusammen: Der Rhein trägt bei Basel über ein ganzes Jahr betrachtet mehr als 42 Tonnen des Süssstoffs Acesulfam oder rund 13 Tonnen des Antidiabetikums Metformin in Richtung Nordsee, schrieb die Eawag.

Nicht gesundheitsgefährdend

Der Boden ist an sich ein hervorragender Filter: In einem Projekt an der Thur wiesen Forschende zwar rund 100 Stoffe sowohl im Fluss- als auch im Grundwasser nach. Die Konzentrationen waren aber im Grundwasser generell geringer. Diverse Medikamente werden auf der Passage vom Fluss ins Grundwasser ganz eliminiert, und zwar oft schon auf den ersten Metern.

Der relativ rasche Abbau verlangsamt sich jedoch bei tiefen Wassertemperaturen oder stoppt ganz. Einzelne schwer abbaubare Stoffe wie Röntgenkontrastmittel gelangen auch in die Trinkwasserfassungen. Die tiefen Konzentrationen seien aus heutiger Sicht für den Menschen nicht gesundheitsgefährdend, schrieb die Eawag.

Flussrevitalisierung

«Grundsätzlich sind aber langlebige künstliche Substanzen weder in den Gewässern geschweige denn im Trinkwasser erwünscht», sagte die Eawag-Umweltchemikerin Juliane Hollender. Die bisher gemessenen Werte lägen indes deutlich unter den üblichen und gesetzlich tolerierten Schadstoffkonzentrationen in der Nahrung.

Die vorsorgende Gewässerschutzstrategie der Schweiz schütze das Fluss-Grundwasser-Trinkwasser-System weitestmöglich, sagte Urs von Gunten, Leiter des Trinkwasserkompetenzzentrums der Eawag. Dank beschlossener Massnahmen wie der Flussrevitalisierung und der Elimination von Mikroverunreinigungen in Kläranlagen sei die Schweiz im Gewässerschutz weltweit führend, fügte Eawag-Direktorin Janet Hering hinzu.

Komme es allerdings in Zukunft zu Wasserbelastungen, sei nicht auszuschliessen, dass Trinkwasser vermehrt aufbereitet oder Trinkwasserfassungen verlegt werden müssten, betonte von Gunten.

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