13.11.2015 09:22
Quelle: schweizerbauer.ch - Friederike Heidenhof aus Johannesburg/Süd-Afrika, aid
Klimawandel
Wassernot als Fluchtursache?
In unseren gemäßigten Breiten ist Wasserknappheit noch kein großes Thema. Das wird es aber, sobald wir uns vergegenwärtigen, welche Umstände Menschen zum Verlassen ihrer Heimat zu bewegen. Wasser ist dafür ein wichtiger Faktor, denn seine Verfügbarkeit ist die entscheidende Lebensgrundlage, vor allem in ländlichen Gebieten potenzieller "Fluchtländer".

Es ist also an der Zeit darüber nachzudenken, was Menschen in den klimatisch begünstigten "Zielländern" eigentlich dazu beitragen, dass sich die Lebensgrundlagen in vielen Teilen der Erde eher verschlechtern.  

Dürre treibt Menschen in Slums

Der Klimawandel, mitverursacht durch den konsumbedingten vermehrten Ausstoß von Treibhausgasen, ist dabei ein wichtiger Faktor. Dürreperioden, beispielsweise in afrikanischen Staaten wie Kenia, Tansania oder Süd-Afrika, sind an der Tagesordnung, obwohl diese Länder ehemals vom Klima begünstigt waren.

Süd-Afrika leidet zurzeit unter der schlimmsten Trockenheit seit Jahren, und auch in Ostafrika ist die zweite Regenzeit in Folge spärlich ausgefallen. Rinderherden sterben hinweg, die ländliche Bevölkerung sucht Zuflucht in der Stadt , die erste Station der Flucht. Diese endet für sie häufig in katastrophalen Lebensumständen in den Slums der Großstädte, so dass der Gedanke an eine weitere Flucht nur nahe liegt.  

Unser Konsum verursacht Wassermangel

Weitere Ursachen sind noch enger mit unseren Konsumgewohnheiten verflochten: Aus Süd-Afrika werden Tonnen von Wasser in Form von Wein und Orangen, sozusagen als "virtuelles Wasser" per Schiff oder Flugzeug ins ohnehin feuchte Europa transportiert, als Alternative zu den bei uns wachsenden Äpfeln, gewachsen und gereift mit hiesigem Wasser.

Das Gleiche gilt für die preiswerten Supermarkt-Rosen aus Kenia, Tansania und Äthiopien, die in Gewächshäusern unter immensem Wasseraufwand durch europäische Firmen vor Ort produziert werden. Das benötigte Wasser landet dann anschließend bei uns in der Ökotonne, fehlt aber zugleich den in den Produktionsländern tätigen Bauern, die auf das lokale Wasser angewiesen sind.

Fazit: Flucht geht uns alle an, nicht nur in Bezug auf deren Wirkung, sondern auch im Sinne der Ursachen.

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