18.03.2017 09:43
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Klima
Wie das Klima die Nase formte
Rund, stupsig oder schmal: Nasen sind so vielfältig wie die Menschen, deren Gesicht sie prägen. Auch das Klima spielte bei ihrer Ausprägung eine gewisse Rolle, sagen nun Forscher.

Welche Form und Grösse menschliche Nasen in verschiedenen Teilen der Welt entwickelt haben, hängt einer neuen Studie zufolge auch vom lokalen Klima ab. So seien Nasenlöcher in warmen, feuchten Umgebungen häufig breiter, in kühlem, trockenem Klima hingegen oft schmaler, geht aus der in «Plos Genetics» veröffentlichten Studie hervor.

Ein internationales Forscherteam unter Federführung der Pennsylvania State University verglich anhand von 3D-Aufnahmen verschiedene Nasenmasse bei 467 Menschen mit Vorfahren aus Nordeuropa, Westafrika, Süd- und Ostasien. Die meisten Unterschiede der weltweiten Nasenformen gingen auf völlig zufällige Veränderungen im Genpool zurück, die sogenannten Gendrift, schreibt das Team um Arslan Zaidi in seinem Artikel.

Schmale Nasenlöcher für kalte Luft

Bei der Weite der Nasenlöcher und der Breite der Nasenbasis stellten die Forscher jedoch fest, dass die Unterschiede zwischen den verschiedenen Populationen grösser waren als durch Gendrift allein erklärbar. Vielmehr habe dort über lange Zeit hinweg eine Anpassung an örtliche Lebensbedingungen stattgefunden, sagen die Forscher.

Ihre Erklärung für das Phänomen: In schmalen Nasenlöchern wird kalte, trockene Luft effektiver erwärmt und durch die Schleimhäute besser angefeuchtet, bevor sie in die Lungen gelangt. «Eine wichtige Funktion der Nase und der Nasenhöhle ist es, die eingeatmete Luft aufzubereiten, bevor sie den unteren Atemtrakt erreicht», beschreibt Ko-Autor Mark Shriver. Diese Eigenschaft sei in Gegenden mit trockenem und kühlem Klima wahrscheinlich essenziell gewesen und habe Überlebensvorteile verschafft.

Schönheitsideal

Allerdings gebe es für die Entwicklung bestimmter Nasenformen in einer Population viele weitere Gründe, etwa die Wahl des dort als attraktiv empfundenen Sexualpartners, schreiben die Wissenschafter. Auf lange Sicht gebe es beispielsweise mehr Menschen mit grossen Nasen, wenn diese dem lokalen Schönheitsideal entsprächen - oder eben umgekehrt.

Den Forschern zufolge sei es sinnvoll, die Form der Nasen und Nasenhöhlen auch mit Blick auf deren mögliche Anfälligkeit für Atemwegserkrankungen weiter zu untersuchen. «Vor allem, weil wir immer mehr Teil einer globalen Gemeinschaft werden und in neue Klimazonen ziehen», ergänzt Zaidi.

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