1.05.2016 12:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Schifffahrt
Wie der Container die Schifffahrt veränderte
Immer mehr Güter werden heute über die Meere geschippert. Mit dem Container hat vor 50 Jahren eine rasante Entwicklung in der Schifffahrt und in den Häfen begonnen. Ein Ende scheint nicht in Sicht.

Der Siegeszug der Container als Transportmittel für fast alles hat nicht nur die Schifffahrt revolutioniert. Auch die Arbeit in den Häfen hat sich extrem verändert. Als vor 50 Jahren die ersten 110 Blechkisten an Bord der «Fairland» der amerikanischen Reederei Sea-Land vom Containerschiff im Bremer Überseehafen geholt wurden, war diese rasante Entwicklung nicht absehbar.

Beruf des Hafenfacharbeiters entsteht

Damals waren die Hafenarbeiter meist ungelernt. «Es waren Männer, die kräftig waren und schleppen konnten», erinnert sich der 76-jährige Bremer Helmut Detken, Schifffahrtskenner und von 1972 bis 1983 Regierungsdirektor beim Bremer Hafensenator. Bis zur Einführung der Container mussten Säcke, Kisten, Fässer einzeln an Bord gebracht und verstaut werden. Das Bild hat sich allerdings geändert: Heute heisst der Beruf Hafenfacharbeiter.

«Die Sozialpartnerschaft spielte beim Einstieg in den Containerverkehr eine grosse Rolle», sagt Hartmut Schwerdtfeger, bis vor knapp einem Jahr Sprecher der Bremer BLG Logistics Group und jetzt im Ruhestand. Gemeinsam mit dem BLG-Chef, dem Bremer Hafensenator Georg Borttscheller, fuhren Betriebsräte und Gewerkschafter nach New York, um sich in den 1960er Jahren über das Transportsystem Container zu informieren.

Erstes Containerschiff 1966 in Bremen

«Politik, Arbeitgeber und Arbeitnehmer waren sich schnell einig, dass der Container ein Stück Hafenzukunft war, das man nicht versäumen durfte», sagt Schwerdtfeger. Das sei in Hamburg zunächst ganz anders gesehen worden. «Die wollten den Container nicht, aber das änderte sich dann ziemlich schnell.» Streiks hat es in den Bremer Häfen deswegen nicht gegeben.

«Wir haben damals Fahrer gesucht für die Zugmaschinen, um die Container zu einem Stellplatz auf dem Terminalgelände zu bringen», sagt der frühere Schuppenvorsteher und Betriebsleiter der BLG, Hans-Joachim Abendroth. Sie mussten nicht nur Führerschein Klasse II besitzen, sondern auch bereit sein, in Schichten rund um die Uhr und auch mal am Wochenende zu arbeiten. Es sei nicht einfach, geeignete Leute zu finden. Das Entladen der «Fairland» habe schliesslich alles in allem geklappt, auch wenn der zweite Container aus dem Kran rutschte und die Kabine der nagelneuen Zugmaschine eindrückte. Der Fahrer wurde dabei leicht verletzt.

Grosses Rationalisierungspotenzial

Das Be- und Entladen eines Schiffes geht mit Containern wesentlich schneller. «Ein konventionelles Schiff lag oft eine Woche im Hafen. Beim Containerschiff kann man das in zehn Stunden erledigen», sagt Detken.

Das Rationalisierungspotenzial des Containers wurde damals auf bis zu 80 Prozent geschätzt. Aber die rasante Entwicklung im Containertransport ahnte damals noch keiner. «Uns schien der konventionelle Verkehr damals noch nicht wirklich bedroht, denn es gab mit Sea-Land nur eine einzige Containerreederei und es ging zunächst auch nur um einen einzigen Liniendienst über den Nordatlantik», sagt Schwerdtfeger.

Kaum noch Beschränkungen für den Transport


1966 lag der Gesamtumschlag in den Bremischen Häfen bei gut 17 Millionen Tonnen und es gab über 7000 registrierte Hafenarbeiter. Heute sind es rund 80 Millionen Tonnen und nur noch rund 2400 Hafenarbeiter. «In den Anfangszeiten hat man sich nie vorstellen können, die empfindlichen Kaffeebohnen im Container zu transportieren», sagt Detken. Schon 20 Jahre nach dem ersten Containerumschlag waren bereits rund 50 Prozent des gesamten Landungsaufkommens an Stückgut containerisiert.

Inzwischen gibt es kaum noch Beschränkungen für den Transport im Container, ausser die Waren sind so gross, schwer oder lang, dass sie nicht in die Blechkiste passen wie beispielsweise Stahlrohre oder komplette Anlagen.

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