14.07.2020 07:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Mikroplastik
Wind transportiert Mikroplastik
Der Wind kann winzige Plastikteilchen über weite Distanzen transportieren, selbst in abgelegene Gebiete. Das zeigt eine Studie im Fachjournal «Nature Communications». Demnach gelangen so jährlich rund 140'000 Tonnen Mikroplastik aus dem Strassenverkehr in die Ozeane.

Der Strassenverkehr gilt als bedeutende Quelle für Kunststoffpartikel. Berechnungen zufolge gelangen durch den Reifenabrieb global durchschnittlich 0,8 Kilogramm pro Kopf und Jahr in die Umwelt - in Summe sind dies 6,1 Millionen Tonnen oder knapp zwei Prozent der gesamten weltweiten Kunststoffproduktion. Dazu kommen noch weitere 500'000 Tonnen durch den Verschleiss der Bremsbeläge. Die Emissionen dieser kleinsten Partikel durch den Strassenverkehr machen damit laut «Nature» rund ein Drittel der gesamten globalen Belastung durch Mikroplastik aus. Das Gros davon stammt aus dicht besiedelten Regionen in den USA, Nordeuropa und den stark verstädterten Gebieten Südostasiens.

Wind transportiert besonders kleine Partikel über weite Strecken

Andreas Stohl vom Department für Meteorologie und Geophysik der Universität Wien hat gemeinsam mit internationalen Kollegen die erste Modellberechnung der globalen Ausbreitung von Mikroplastikteilchen aus dem Strassenverkehr durch den Wind durchgeführt. Dem zufolge landen rund 100'000 Tonnen Partikel kleiner als 10 Mikrometer aus dem Reifenabrieb und weitere 40'000 Tonnen Partikel dieser Grösse aus dem Bremsverschleiss in den Weltmeeren. Speziell die kleineren Partikel von weniger als 2,5 Mikrometer können dabei vom Wind über sehr weite Strecken transportiert werden. In dieser Grössenordnung sind das rund 52'000 Tonnen aus dem Reifen-, und weitere 16'000 Tonnen aus dem Bremsverschleiss - in Summe also 68'000 Tonnen von Partikel kleiner als 2,5 Mikrometer.

Viele Partikel landen in Arktis


«Von den insgesamt 140'000 Tonnen vom Wind verblasener Mikroplastik aus dem Strassenverkehr werden rund 48'000 Tonnen an schnee- und eisbedeckten Flächen abgelagert», erklärte Stohl gegenüber der APA. Davon betroffen ist vor allem die Arktis inklusive dem Meereis, aber saisonal zum Teil auch Flächen ausserhalb der Arktis in hohen Breiten.Diese Ablagerungen seien für die generell empfindlichen Ökosysteme in der Region und möglicherweise auch für die Gesundheit der dort lebenden Menschen bedeutsam, so Stohl. Zudem können dunkle Partikel dazu führen, dass die Schnee- und Eismassen schneller schmelzen, da sie die Menge des von der Erdoberfläche reflektierten Sonnenlichts («Oberflächen-Albedo») verringern.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE