10.11.2019 14:43
Quelle: schweizerbauer.ch - ber
Handwerk
«Wir schnitzen die Kühe nach Kundenwunsch»
Nebst dem Landwirtschaftsbetrieb führt Hansueli Egli auch den hölzernen Familienbetrieb in Schangnau BE. Das Holz bezieht er von Bauern aus dem Emmental und Entlebuch. Seine Egli-Spiegel entstanden durch Zufall.

Der Weg schlängelt sich durch die typischen Emmentaler Hügel hoch bis auf Ausser Schönenwald ob Schangnau BE. Auf der einen Seite der Strasse steht das Bauernhaus und die Scheune mit vielen Holzfiguren davor, auf der anderen Seite ein schöner, alter Spycher, worin sich die Schnitzerei und Schreinerei von Hansueli und Hilde Egli befindet.

Drinnen riecht es heimelig nach Holz. Umgeben von unzähligen Schnitzereien sind Hansueli, Hilde, Tochter Nicole sowie Monika Schär, eine Angestellte, an der Arbeit. Monika kümmert sich derweil um das Schnitzen einer Stabellenlehne, Hilde ist im Endspurt, eine Spielzeugkuh zu fertigen, und Nicole ist mit Malen beschäftigt. Von unten her sind die lauten Maschinen der Schreinerei zu hören.

Im Familienbetrieb gibt es immer viel zu tun. Lediglich im Januar und Februar sei es etwas ruhiger, so Hansueli Egli. Danach warten wieder zahlreiche Schwingfeste auf schöne Preise in deren Gabentempeln, Geschenke für Taufen, Geburtstage und Hochzeiten werden bestellt.

Handwerk weitergeführt

Hansuelis Grossvater hat einst mit dem Bau von Holzski, dem Führen einer Schreinerei und Wagnerei seinen Unterhalt verdient. Hansuelis Vater war es, der mit Schnitzen angefangen hat. Dies entwickelte sich später zur Familientradition. Nach der obligaten Schulzeit hat Hansueli Egli Landwirt gelernt und bereits als 23-Jähriger den elterlichen Betrieb übernommen. Nach der Lehre hatte er noch vorgehabt, die Ausbildung zum Holzbildhauer zu absolvieren. Doch an der Schule für Holzbildhauerei in Brienz wurde Egli nicht aufgenommen. Dies hielt ihn aber keineswegs vom Schnitzen ab. Wahrscheinlich, gerade weil er nie Holzbildhauer hat lernen können, hat er seinen ganz eigenen Stil entwickelt. Wie sein Vater begann auch er mit dem Schnitzen von Stabellen und Trögli, welche in der eigenen Schreinerei gefertigt werden, sowie mit Hornjöchli und Spielzeugtieren. 

Als Hansueli vor etwa 20 Jahren einmal dabei war, Kühe in einen Holzladen zu schnitzen, löste sich kurz vor Vollendung des Werkes aufgrund eines Astes eine grosse Fläche Holz aus dem Laden. Daraufhin stellte er den defekt geglaubten Laden an eine Wand. Ein wenig später fiel ihm auf, wie gut die weisse Wand seine Schnitzerei auf dem dicken Brett zur Geltung bringt. Nach kurzem Überlegen setzte er einen Spiegel dahinter. Das Resultat gefiel ihm. Sein erster, mittlerweile landauf, landab bekannter «Egli-Spiegel» entstand also durch puren Zufall. 

Kurz darauf spendete er einen solchen Spiegel am Emmentalischen Schwingfest in Signau. Der Preis verliess als Erster nach den Lebendpreisen den Gabentempel, obwohl es wertmässig sicherlich viel teurere Preise zur Auswahl gehabt hätte. Tags darauf gingen bei Egli vier Spiegel-Bestellungen ein. Der Grundstein einer lang anhaltenden Erfolgsserie wurde damit gelegt. Das «Abfall»-Holz der Spiegel wird übrigens sinnvoll weiterverarbeitet. Weil sich die Dicke des Holzes perfekt dafür eignet, werden daraus Spielzeugtiere geschnitzt. «Die Kühe joche ich sogar» meint Hilde und zeigt vor, wie sie die Hörner formt. Aber nicht nur die Holz-Kühe werden gejocht, auch Eglis richtigen Kühen werden im Jungviehalter die Hörner geformt. Die Hornjoche fertigen Eglis natürlich nach wie vor selber an. «Für Hornjöchli ist die Nachfrage tendenziell höher als noch vor ein paar Jahren» sagt Hansueli stolz. Interessant sei, dass besonders junge Frauen, welche einen Betrieb übernehmen, wieder Hörner jochen wollen, so Egli.

Holzkauf bei Bauern

Jährlich kauft die Schnitzerei Egli zwischen 70 und 80 Kubikmeter Holz zu. Dieses beziehen sie bei Bauern aus dem Emmental und dem nahe gelegenen Entlebuch. Mit einer mobilen Bandsäge wird das Holz einmal pro Jahr zugesägt. Für die Spiegel, Tiere und Bilder wird hauptsächlich Lindenholz verwendet. Die Möbel sind mehrheitlich aus Eiche, Esche, Kirsch- oder Nussbaumholz.

Seit zehn Jahren pflegen Eglis eine Website. Inzwischen werden zwei Drittel aller Bestellungen online getätigt. Eglis zeichnen jede Bestellung auf Papier, um diese der jeweiligen Offerte zuzufügen. Bekommen sie vom Kunden grünes Licht, wird einer der drei Schreiner mit den Massen beauftragt, um das Holz wie gewünscht zuzuschneiden. Anschliessend kommt der Rohling hoch in die Schnitzerei, wo dieser mit der Zeichnung versehen wird. Danach sägen die Schreiner das Holz weg, welches nicht zum Schnitzen verwendet wird. Nach dem Schnitzen wird das fast fertige Werk behandelt. «Wir patinieren das Holz, damit wir die Strukturen so zum Vorschein bringen können, dass es natürlich wirkt. Patinieren macht das Holz dunkler» betont Tochter Nicole.

Welche Kühe schnitzen Eglis am liebsten? «Egal welche Kuhrasse und ob mit oder ohne Horn, wir schnitzen die Kühe so, wie sie unsere Kunden gerne haben möchten. Viele wünschen sich, dass die geschnitzte Kuh aussieht, wie ihre eigene. Hierfür bekommen wir jeweils ein Foto und machen Form der Kuh sowie Flecken und eben mit oder ohne Horn, so wie es der Kunde wünscht», so Hansueli Egli.

 

Betriebsspiegel

Eglis führen einen Milchwirtschaftsbetrieb mit 13 Simmentaler Kühen nach Bio-Richtlinien. Das Jungvieh wird auswärts auf einem Aufzuchtbetrieb gehalten. Der Betrieb liegt auf 1000 m ü.M. und besteht aus 12 ha, davon können lediglich 35 Aren nicht mit dem Traktor bewirtschaftet werden. Eglis bauen 50 Aren Kartoffeln und 80 a Hafer an. Die Milch wird zu Cremo geliefert (Hofabfuhr).

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