16.05.2019 18:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Social Media
Wirbel um Kuh-Kuss-Challenge
Ein Schweizer Unternehmen hat eine Kuh-Kuss-Challenge lanciert. User sollen Fotos mit den Vierbeinern posten. Das Vorhaben stösst aber auch starke Kritik. -> Mit Video

«Küss eine Kuh - mit oder ohne Zunge», fordert das Schweizer Unternehmen Castl AG die Einwohner der Schweiz, Österreich und Deutschland auf. Dazu sollen die User die kostenlose Castl-App herunterladen. Jeder Beitrag (Foto oder Video), der auf Castl zu einer Challenge gepostet wird, erzeugt automatisch eine Spende an gemeinnützige Projekte, teilt das Unternehmen mit. Mensch und Tier sollen bei Kuh-Kuss-Challenge  nicht zu Schaden kommen.

Isabelle Meier, Moderatorin bei Radio Zürisee und Bauerntochter, kann der Idee nicht viel abgewinnen. Die Bauern seien sicher nicht erfreut, wenn nun Personen auf eine Weide gehen und sich mit einer Kuh fotografieren. «Es handelt sich um Privatgrund», sagt sie. Zudem sei es nicht ungefährlich. Bei einem Unfall stelle sich die Frage, wer dafür verantwortlich sei.

Wenn man trotzdem ein Foto machen möchte, solle man sich direkt beim Bauern melden, empfiehlt Meier. Ein Foto im Stall sei einfacher und ungefährlicher. Von einem Zungenkuss, wie in der Challenge beschrieben, rät sie ab.

Gar nicht erfreut über die Challenge ist man in Österreich. «So eine Challenge ist wirklich gefährlicher Unfug», sagte die Umweltministerin Elisabeth Köstinger. «Almen und Weiden sind keine Streichelzoos, Aktionen wie diese können gravierende Folgen haben. Mutterkühe schützen ihre Kälber und werden aggressiv, wenn man sich nicht richtig verhält», warnt Köstinger gegenüber der Nachrichtenagentur APA.

Erst vor wenigen Monaten wurde ein Bauer wegen einer Attacke einer seiner Kühe auf eine Frau zu einem Schadenersatz von über 500'000 Franken verurteilt. Die Frau ist beim Angriff verstorben. Die Regierung stellte in der Folge das Aktionspaket «Sichere Almen» vor. Sie will nun mit den App-Betreibern das Gespräch suchen.

Auch Tirols Landwirtschaftskammer Präsident Josef Hechenberger zeigte sich nicht erfreut über die Challenge. «Dass nun unsere Tiere für einen Social-Media-Hype herhalten sollen, halte ich für sehr bedenklich, gerade im Hinblick auf mögliche Verletzungen», sagt er zu APA.

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