6.08.2013 15:29
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Psychologie
Wirtschaftskrise und Gen machen Mütter barscher
Wirtschaftskrisen können nach einer Studie dazu führen, dass Mütter gröber mit ihren Kindern umgehen - auch wenn die Familien vom Abschwung selbst gar nicht direkt betroffen sind. Die Forscher wollen auch eine Gen-Mutation gefunden haben, die das Phänomen beeinflusst.

Der Beginn der Finanz- und Bankenkrise in den USA soll demnach manche Mütter dazu gebracht haben, ihr Kind eher anzuschreien oder gar zu schlagen. Dieser Effekt sei aber nur bei Müttern mit einer speziellen Gen-Variante zu beobachten, welche die Frauen  empfindlicher auf die Umwelt reagieren lässt.  

Das berichten US-Forscher in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS). Als sich die «makro-ökonomischen Bedingungen» ab 2007 verschlechterten, stieg der Anteil der barschen Mütter der Studie zufolge von rund 31 auf etwa 43 Prozent. Bei den Müttern ohne die spezifische Gen-Variante betrug der Anteil konstant 31 Prozent. 

Stress unabhängig von Not 

Nach Angaben der Wissenschaftler glaubte man bislang, dass wirtschaftliche Not in Familien zu Stress und dieser zu einem  schlechteren Erziehungsstil führt. «Aber die Studienergebnisse zeigen, dass ein Wirtschaftsabschwung in einer grösseren  Gemeinschaft sich negativ auf die Erziehung auswirkt-ungeachtet dessen, mit welchen Bedingungen sich einzelne Familien konfrontiert sehen», sagte der Soziologe Dohoon Lee von der New York University.

Für ihre Analyse nutzten die Forscher unter anderem Daten einer Langzeit-Studie zu zerbrechlichen Familien und dem Wohlergehen von Kindern. Diese umfasste 4898 Kinder, die zwischen 1998 und 2000 in 20 US-amerikanischen Grossstädten geboren worden waren. Deren Mütter wurden über neun Jahre lang mehrfach befragt.  


Drohen, Verfluchen, Schlagen 

Wie streng die Frauen zu ihren Kindern waren, wurde anhand von zehn Aspekten gemessen: etwa Anschreien, Drohen, Verfluchen,  Schlagen und Schütteln. Als die Kinder neun Jahre alt gewesen waren, wurde von 2612 Müttern eine DNA-Speichelprobe genommen. Die Forscher kombinierten nun diese Daten mit Zahlen zur Wirtschaftslage wie etwa Arbeitslosenquoten. 

Die Analyse zeigte nun: Je höher die Arbeitslosenquote am Wohnort und je niedriger die Kauflaune war, desto ruppiger war der  Erziehungsstil. Hingegen hätten sich die Mütter nicht barscher verhalten als sonst, wenn sie persönlich von Arbeitslosigkeit betroffen waren.  

Angst oder Ungewissheit 

Eine Erklärungsmöglichkeit nannte Sara McLanahan von der Princeton University, die an der Analyse beteiligt war: «Die Menschen können sich an schwierige Umstände anpassen, wenn sie einmal wissen, was sie erwartet. Mit Angst oder Ungewissheit über  die Zukunft lässt sich hingegen schwieriger klarkommen.» 

Die Forscher fanden ausserdem eine genetische Empfindlichkeit: Ein einziger ausgetauschter Buchstabe in einem Gen namens DRD2 habe einen bedeutsamen Effekt auf den Erziehungsstil gehabt. Das betroffene Gen liefert den Bauplan für einen Dopamin-Rezeptor. Dopamin ist ein Hormon, das dabei hilft, Gefühle und das Verhalten zu regulieren.

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