Freitag, 27. Mai 2022
25.06.2016 10:08
Bern

Wo einst ein Märtyrer wohnte

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Gertrud und Hans Haslebacher bewirtschaften in der 15. Generation den geschichtsträchtigen Hof Haslenbach. Ihr Vorfahre war der Täufer Hans Haslebacher. Er wurde 1571 wegen seines Glaubens hingerichtet. Mit Video

Gertrud Haslebacher blättert vorsichtig in einer dicken, mit Leder eingefassten Bibel. «Alles deutet darauf hin, dass sie Hans  gehörte», sagt die Bäuerin und deutet auf die Zahl 1553, die in römischen Ziffern geschrieben ist.

Mit Hans meint sie den Landwirt und einflussreichen Lehrer der Täufer. Er war der letzte Taufgesinnte, der im Kanton Bern wegen seines Glaubens hingerichtet wurde. Am  20. Oktober 1571 wurde der Bauer in Bern geköpft, nachdem er sich standhaft geweigert hatte, dem Täufertum abzuschwören.

Aus dem I wurde ein E

Die Bäuerin befindet sich im kleinen Täufermuseum, das sie und ihr Mann Hans Haslebacher  in einem  Spycher-Anbau anlässlich des Täuferjahres 2007 eingerichtet haben. An der Wand hängt ein Stammbaum, darauf ist ersichtlich, dass Hans und Gertrud Haslebacher den stattlichen Hof Haslenbach in Sumiswald in der 15. Generation führen. 

«Bis 1581 nannten sich meine Vorfahren noch Haslibacher», erklärt der Landwirt. Doch wahrscheinlich sei das jemanden zu wenig nobel gewesen, und so habe er das I durch ein E ersetzt.

Viele Gäste

Im Museum hat es einen Holztisch und Stühle mit farbigen Kissen. In einer Ecke steht  altes Geschirr, an den Wänden hängen Bilder, und auf einem Regal liegen verschiedene Bücher, darunter auch Gästebücher. Denn jährlich empfängt Gertrud Haslebacher etliche Besucher und erzählt ihnen die Geschichte der Täufer. 

Ihr Wissen hat sie sich die heute 58-Jährige  aus Büchern und Vorträgen erworben. Zudem habe bereits ihre Schwiegermutter Führungen auf dem Hof gemacht. «Und als junge Frau habe ich jeweils mit einem Ohr mitgehört.» Zu den Museumsbesuchern gehören Privatpersonen, Vereine und Firmen. Und manchmal  führt die Suche nach ihren Wurzeln auch Leute aus  Amerika ins Emmental. Denn «Hans Haslebacher wird in Nordamerika immer noch stark verehrt», erklärt Gertrud Haslebacher.

Reisen Täufer in die Schweiz, gehöre für sie ein Besuch in Haslenbach ebenso zum Programm, wie die Besichtigung des nahegelegenen Schlosses Trachselwald, in dem der Märtyrer eingesperrt war.

Reise über grossen Teich

Ein Gast aus Amerika war es auch, der Hans und Gertrud Haslebacher vor einigen Jahren drei Wochen nach Pennsylvania eingeladen hat. «Eines Tages stand John Zook vor der Türe», erzählt Gertrud Haslebacher. Er gehört zu der Glaubengemeinschaft der Mennoniten und war Pilot bei einer amerikanischen Fluggesellschaft. Seine Arbeit habe Zook, der mittlerweile das Pensionsalter erreicht habe, oft in die Schweiz geführt. Und nicht selten habe er bei ihnen vorbeigeschaut.

Gerne erinnern sich Haslebachers an die Reise. «Wir wurden in Nordamerika sehr herzlich empfangen.» Besonders in Erinnerung geblieben ist dem Ehepaar, als an einem Anlass 270 Sänger extra für sie alle 32 Strophen des Haslebacherliedes in Deutsch gesungen haben. «Ganze 35 Minuten dauerte die Aufführung», so Hans Haslebacher.

Beide reformiert

Heute bestehe die Täuferbewegung  in der Form der Mennoniten, Amischen und weiteren Glaubensgemeinschaften fort, erklärt Gertrud Haslebacher.  Sie und ihr Mann seien beide reformiert. Denn hätten die Vorfahren dem Täufertum nicht abgeschworen, so gäbe es bestimmt keinen Haslebacher mehr auf dem Hof», sagt Gertrud Haslebacher.

Auf Voranmeldung öffnet Gertrud Haslebacher das Museum, macht Führungen inklusive Apero. Telefon  034 431 29 72 oder per Mail: info@haslebacher-hof.ch

 

 

 

 

 

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