12.07.2016 09:48
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Alpblog
Woche der Premieren
Esther Schneiter bloggt wieder. Im Winter 2014-2015 bloggte sie - noch unter ihrem ledigen Namen Siegenthaler - von Neuseeland aus. Letzten Sommer bloggte sie über den Alpsommer in Meienfall im Diemtigtal BE. Nach ihrer Heirat ist sie diesen Sommer mit ihrem Mann auf der Alp Fiedersegg in Horrenbach BE.

Diese Woche fühlte ich mich fast wie in der SRF-Sendung „Das erste Mal“. Wobei ich nicht nur zum ersten Mal den Ladewagen einfüllte. Nein, täglich gab es Premieren für mich.

Mit dem Motormäher mähen

Eigentlich habe ich am Donnerstagmorgen mit Tobias besprochen, dass ich am Nachmittag Unkraut bekämpfen gehe. Doch beim Mittagessen - ich habe übrigens zum ersten Mal Fenchel im Grill gemacht, es schmeckt herrlich - berichtet er mir vom nötigen Pflegeschnitt in der Neuansaat. Ich könne dies mit dem Motormäher tun, erklärte er mir.

Nach einer kurzen Instruktion auf dem Hausplatz bin ich bereits mit dem Gefährt unterwegs. Ich bin froh, dass wir einen neueren Mäher haben, der leicht zu bedienen und lenken ist. Dennoch ist die Aufgabe nicht ganz leicht und einige Grashalme bleiben stehen.

Feierabend um 21.30 Uhr

Später schieben meine Schwiegermutter Corinne und ich das Ökoheu vors Gebläse bei den Rindern. Auch mit dem Heukran kann ich Emd auf die Bühne der Kühe bringen. Es wird 20 Uhr, bis wir fertig sind und wieder auf der Alp angekommen sind. Im Stall ist es unglaublich heiss und der Schweiss tropft in die Augen.

Die Kühe scheinen jedoch kein Problem mit der späten Melkzeit zu haben. Am Morgen gehen wir nie eine Kuh holen. Bei diesen Temperaturen kommen sie nach halb sieben in den Stall. So beträgt die Zwischenmelkzeit etwa 13 Stunden, was bei der momentanen Milchmenge problemlos vertretbar ist. Um 21.30 Uhr ist endlich alles gemistet. So spät hatten wir noch nie Feierabend.

Mit der Sense in kurzen Hosen Brennnesseln mähen

Die Unkrautbekämpfung haben wir auf Freitagnachmittag verschoben. Corinne hilft auch wieder, so kommen wir schnell voran. Wir haben an Handschuhe gedacht und auch die nötigen Arbeitsgeräte wie Blacken-Eisen und Sense mit dabei.

Dass es wenig sinnvoll ist, wenn ich in kurzen Hosen mit der Sense Brennnesseln mähe, habe ich mir aber zu wenig überlegt. So ist am Abend unklar, was an meinen Beinen Bremsenstiche, Verbrennungen von Brennnesseln oder kleine Verletzungen von den dürren Heuhalmen sind.

Rundballen einführen

Bei den Maschinenkenntnissen und dem Bedienen der Maschinen kann ich von Töbu einiges lernen. Meist erklärt er es mir kurz und sagt anschliessend: „So, gang itz ga probiere.“. So ist es auch beim Einführen der Rundballen. Mit dem Gonfi- und Honigglas zeigt er mir beim Frühstück, wie ich zwölf bis 14 Heuballen auf den Wagen laden kann und schickt mich dann alleine los.

Eigentlich bin ich froh über diese Methode. Wenn er beim Aufladen der Heuballen neben mir gesessen wäre, hätte er sich wohl einige Male an den Kopf gefasst. Ganz sicher, ob ich alles gut gemacht habe, bin ich nach der Sicherung der Ladung nicht. Ein Foto per WhatsApp und eine Bestätigung „ja, das sött scho ga“, geben mir Sicherheit und ich kann unfallfrei nach Hause fahren.

Abort

Am Sonntag hat eine Kuh auf exakt fünf Monate Trächtigkeit ihr Kalb verloren. Es ist bisher der erste Abort in diesem Sommer. Wir hoffen, dass dies so bleibt. Wie die Zukunft der erstlaktierenden Kuh aussieht, wissen wir noch nicht.

Nach einer Traumwoche, in der wir viel Futter in bester Qualität gemacht haben, ist dieser Abort dennoch ein Rückschlag. Einmal mehr wird mir bewusst, dass es eben nicht selbstverständlich ist, dass alles gut läuft.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE