22.04.2013 06:16
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Klima
Zur Römerzeit wars wärmer als heute
Die weltweiten Veränderungen des Klimas sind in der Vergangenheit durch regionale Unterschiede geprägt worden. Das zeigt eine von der Universität Bern koordinierte Studie, welche die Temperaturen der letzten 1000 bis 2000 Jahre rekonstruiert hat.

Rund 80 Forscherinnen und Forscher werteten in mehrjähriger Arbeit Daten aus allen Kontinenten aus. Die Resultate wurden nach  Angaben der Universität Bern in der Fachzeitschrift «Nature Geoscience» publiziert.

Die Temperaturen wurden an Hand von 511 lokalen Klimaarchiven erstellt. Diese basieren auf der Analyse von Baumringen, Pollen, Korallen, See- und Meeressedimenten, Eisbohrkernen, Stalagmiten sowie auf historischen Dokumenten.

Spezifische Muster

Der Vergleich über die Kontinente hinweg zeigt, dass die Temperaturen je nach Erdteil in spezifischen Mustern schwankten. Dabei waren die Gemeinsamkeiten innerhalb der Hemisphären deutlich grösser als jene zwischen Norden und Süden. «Markante Perioden wie die Mittelalterliche Wärmeanomalie oder die Kleine Eiszeit treten zwar regional hervor, zeigen jedoch global kein einheitliches Bild», erklärte Heinz Wanner, emeritierter Professor für Klimatologie an der Universität Bern und einer der Koordinatoren des Projekts.

So fielen in der Mitte des letzten Jahrtausends die Temperaturen zwar überall unter den langfristigen Mittelwert. Das geschah in der Arktis, in Europa und in Asien jedoch Jahrzehnte früher als in Nordamerika und auf der Südhemisphäre. Laut Forschern könnte das auf die dämpfende Wirkung der Ozeane zurückzuführen sein.

Langfristiger Trend zur Abkühlung umgekehrt

Die beste Übereinstimmung zwischen den Kontinenten in den vergangenen 2000 Jahren ist der langfristige Abkühlungstrend. Als Gründe sehen die Forscher nebst Veränderungen der Erdbewegung auch Gruppen von Vulkaneuroptionen, Schwankungen der Solaraktivität sowie Oberflächenveränderungen. Die Erwärmung der jüngsten Zeit, so die Studie, hat die langfristige Abkühlung aufgehoben. Die Analyse der gewichteten Mittelwerte über 30-jährige Perioden ergibt, dass die globale Durchschnittstemperatur in den letzten 1400 Jahren wahrscheinlich nie höher lag als 1971 bis 2000. Einzig in der Antarktis blieb es kalt.

Schwache Sonne und starke Vulkanausbrüche

Kühlere Perioden von 30 Jahren traten zwischen den Jahren 830 und 1910 besonders markant bei schwacher Sonnenaktivität und starken tropischen Vulkanausbrüchen auf. Diese beiden Phänomene zeigten sich zudem im zweiten Millennium oft gemeinsam.

Zwischen 1251 und 1820 konnten in mehreren Regionen typische Abkühlungsphasen mit einer Länge von 30 bis 90 Jahren unterschieden werden. Die Erwärmung des 20. Jahrhunderts war auf den Nordkontinenten im Mittel doppelt so gross wie auf jenen der Südhemisphäre. Nicht überall auf der Welt stellen die gegenwärtigen Temperaturen Rekordwerte dar, wie aus der Studie weiterhervorgeht. In Europa zum Beispiel war die Zeit zwischen 21 und 80 nach Christus möglicherweise wärmer als die Periode von 1971 bis 2000.

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