22.06.2019 19:00
Quelle: schweizerbauer.ch - czb
Genf
Zweites Jahrhundert-Unwetter
Schwere Unwetter richteten vor einer Woche in Genfer Wein- und Ackerbaubetrieben erhebliche Schäden an. Beim Weinbauamt spricht man vom zweiten Jahrhundert- Unwetter innert weniger Jahre.

etzten Samstag gegen 17.00 Uhr fegten schwere Unwetter mit Sturm, Starkregen und Hagel über die Genferseeregion. Besonders stark getroffen hat es dabei den Kanton Genf, wo nach einem Bootsunglück auf dem Genfersee sogar ein Todesopfer zu beklagen ist. Schwer getroffen hat es auch die Genfer Bauern. «Vor allem in den südlich von Genf gelegenen Gemeinden Bernex, Soral und Laconnex, teilweise aber auch in den Dörfern links vom Genfersee, namentlich Meinier, Gy, Jussy und Cologny», wie Florian Favre vom Genfer Weinbauamt bestätigt.

Noch nicht abschätzbar

«Wir können aktuell noch nicht abschätzen, wie gross die Schäden wirklich sind, es könnten aber zwischen 10 und 80 Prozent sein», ergänzt Favre. Genauere Zahlen zu nennen, sei erst nächste Woche möglich, wenn sich die Experten der Schweizer Hagelversicherung ein Bild der Lage gemacht hätten.

Weil auch der Kanton Genf Eigentümer von rund 6 Hektaren Reben ist – vom «Rebberg von Republik und Kanton Genf» im Gebiet der Gemeinde Bernex – gehört auch dieser zu den vom Unwetter Betroffenen. Weshalb man sich nun beim Genfer Weinbauamt darüber Gedanken macht, wie die Rebberge künftig besser geschützt werden können. Favre spricht etwa von Hagelschutznetzen, wie diese etwa im Tessin bereits genutzt werden.

Diese kosten allerdings pro Hektare rund 10000 bis 20000 Franken – Kosten, für die die Genfer Weinbauern nach derzeit  gültigem Recht allein aufkommen müssten. Als Staatsbetrieb könne das Weinbauamt aber die Netze zumindest schon testen. «Angesichts immer häufiger auftretenden Unwettern kommt man vielleicht nicht mehr drum herum, sich solche Schutzmassnahmen anzuschaffen», meint Favre, der sogar von einem Jahrhundert-Unwetter spricht, das letzten Samstag über Genf gezogen ist. Nach 2013 aber schon das zweite dieser Art.

Kumulierte Schäden

Als ganz so schlimm schätzt François Erard, Direktor von Agrigenève, die Lage aber nicht ein, zumal die meisten Bauern gegen Hagel versichert seien. Auch er bestätigt zwar Schäden, teilweise zwischen 50 und 90 Prozent, und dass nebst Weinbau auch etliche Gemüse-, Obst- und Getreide-Kulturen betroffen sind. Gewächshäuser seien, obschon es gerade im Gebiet um Bernex etliche gebe, nicht zerstört worden.

Für Erard kommt dieses Jahr erschwerend hinzu, dass Genfer Bauern im Frühling schon gegen Frost kämpfen mussten. Aber nicht so schlimm wie beim verheerenden Frühlingsfrost vor zwei Jahren, der teilweise zu einem totalen Ernteausfall geführt hatte. «Wenn sich Frost und Hagel aber kumulieren, wird es für manche Bauern trotzdem eng», so Erard.

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