28.09.2018 16:36
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Girl des Monats
«Mehr importieren keine Option»
schweizerbauer.ch stellt die Models des Bauernkalenders in ihrem Alltag vor und beleuchtet ihre Verbindung zur Landwirtschaft. Lara aus dem Kanton Zürich zierte das Kalenderblatt des Monats Mai. Für die ausgebildete Landwirtin ist die Landwirtschaft eine Lebenseinstellung. Eine Auslagerung der Produktion ins Ausland ist für sie keine Lösung.

Dein Bild hängt an vielen Wänden. Wie fühlst du dich dabei?
Es ist speziell. Ich selbst würde nur Fotos von Leuten aufhängen, die ich kenne. Man findet bei mir zu Hause auch nur meine selbst gestalteten Kalender mit Fotos von Freunden oder dem Hof und unseren Tieren.

Was sagt dein Freund und deine Familie dazu?
Ich habe meinem Freund einen Kalender geschenkt und er hatte Freude daran. Ich habe auch nur wegen ihm mitgemacht, weil wir gewettet haben, ob ich in den Kalender komme oder nicht. Ich selbst habe bis zur definitiven Bestätigung nicht wirklich daran geglaubt. Meine Familie findet das Sujet auch schön.

Wieso hast du dich beim Bauernkalender beworben? Weshalb wolltest du dabei sein?
Wie schon gesagt, es war eine Wette.

Macht der Bauernkalender deiner Meinung nach gute Werbung für die Schweizer Landwirtschaft?
Ich denke, der Kalender zeigt, dass die allermeisten Landwirte und Landwirtinnen modern und aufgeschlossen sind. Meiner Meinung nach hilft der Kalender mit, das Image der Landwirtschaft zu pflegen, auch wenn in Kommentaren von Onlinemedien behauptet wird, es handle sicher um keine echten Landwirte, Landwirtinnen oder Bauerntöchter, sondern um Models. Ich kann das mit gutem Gewissen abstreiten. Alle, die ich am Shooting kennengelernt habe, sind sehr nette, bodenständige Personen. Und sie haben alle mit der Landwirtschaft zu tun. 

Wirst du oft auf dein Kalenderbild angesprochen?
Zu Beginn, als die Kalenderfotos publiziert wurden, etwas öfter als jetzt. Oft haben Bekannte aus der Lehre die Bilder gesehen und mich darauf angesprochen.

Wie sieht dein Alltag momentan aus, was machst du beruflich?
Vor allem helfe ich auf dem Hof meines Freundes. Dann arbeite ich noch aushilfsmässig in einem Kindergarten. Das ist ein Grund, weshalb mir wichtig war, dass man auf meinem Kalenderbild nicht mehr sehen kann als wenn ich in die Badi oder an den See gehe. Dazu besitze ich noch einen Esel und ein Maultier, mit welchen ich einen Ausritt machen kann, wenn ich Zeit dazu finde. Der Esel darf dann auch dem Samichlaus helfen, den schweren Sack zu tragen.

Welche von deinen Alltagspflichten ist dir die liebste, welche magst du am wenigsten?
Am liebsten mag ich es, für meinen Freund zu kochen. Da kann ich etwas für ihn tun, dass ihm wirklich hilft. Kochen ist etwas, dass er weniger gut kann als ich. Das kommt sonst selten vor. Am wenigsten gern fahre ich mit dem Bobcat, weil ich es überhaupt nicht mag, wenn ich plötzlich nur noch auf zwei Rädern stehe. Aber mein Freund weiss das und nimmt glücklicherweise Rücksicht darauf.

Landwirtschaft ist…
Eine Lebenseinstellung. Gerade in der Schweiz hört man oft, dass man doch dieses oder jenes ohne Probleme importieren könne und die Produktion im Inland einstellen sollte. Das sollte man von mir aus nicht tun. Als Landwirt sollte man meiner Meinung nach so wirtschaftlich und doch nachhaltig wie möglich produzieren, damit das Wissen nicht verloren geht. Wir sollten uns überlegen, wie sich die Schweizer Produkte vom ausländischen Markt abheben können. Denn teurer werden wir immer sein. Und deshalb müssen wir mit der Qualität oder mit Produktionsstandards punkten.

In welchem Bereich hat die Landwirtschaft die grössten Fortschritte erzielt?
Ich denke, dass einer der grössten Fortschritte in der Landwirtschaft die Effizienz ist. Wenn man die Milchleistungen der Kühe ansieht, haben sich diese in den letzten Jahrzehnten massiv vergrössert. Das hängt aus meiner Sicht auch mit der Ausbildung zusammen. Es wird in der Schule den Lehrlingen beigebracht, wie man Futterrationen ausrechnet und bedarfsgerecht füttern kann. Bedarfsgerecht ist aus meiner Sicht das Leitwort, auch im Ackerbau. Immer so viel wie nötig, dennoch so wenig wie möglich. Das gilt beim Dünger, bei Pflanzenschutzmitteln aber auch bei der Fütterung. So wird die Effizienz gesteigert. Auch der richtige Zeitpunkt und die richtige Qualität entscheiden bei der Effizienzsteigerung mit, egal in welchem Bereich.

Was wünschst du dir für die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft?
Ich wünsche mir, dass die Scheinheiligkeit aufhört. Hier haben wir Ökoflächen, auf denen nicht viel produziert wird, dafür importieren wir aus unseren Nachbarländern. Es ist keine Lösung, die Produktion ins Ausland zu verlagern und hier noch etwas Landschaftspflege zu machen. Wir würden besser hier in der Schweiz ein Mittelmass zwischen Ökologie und Ökonomie finden und dafür weniger importieren. IP-Suisse geht für mich in die richtige Richtung.

Du zeigst dich im Kalender von einer erotischen, leicht bekleideten Seite. Was für ein Typ bist du im «normalen» Leben?

Eigentlich bin ich sehr schüchtern. Manche nennen mich ein «Schämi». Ich suche mir auch beim Umziehen in Frauenumkleiden immer eine leere Kabine. Gruppenduschen mag ich überhaupt nicht.

Wie wichtig ist gutes Aussehen deiner Meinung nach im Leben?
Ich finde es wichtig, dass man sich nicht gehen lässt und jeder das Beste aus sich herausholt. Man könnte dem auch ein gepflegtes Erscheinungsbild sagen. Bei der Arbeit auf dem Hof schminke ich mich jedoch nie und binde die Haare zu einem einfachen Pferdeschwanz zusammen. Gehe ich an einen Anlass, kleide ich mich aber gerne schön. Auch hier lebe ich nach dem Motto «bedarfsgerecht». Im Sommer trage ich oft und gerne Kleidchen, im Winter mag ich schöne Stiefel.

Ist gutes Aussehen bei Frauen wichtiger als bei Männern?

Nein, das finde ich nicht. Das wichtigste ist bei beiden ein gepflegtes Erscheinungsbild.

Auf was achtest du bei einem Mann als Erstes?
Am meisten fällt mir die Ausstrahlung auf. Ist ein Mann toll angezogen, wirkt aber arrogant, schreckt mich das ab. Da habe ich lieber jemanden im normalen T-Shirt und in Arbeitshosen, der sympathisch und einfühlsam ist. Bei Frauen finde ich es irritierend, wenn sie stark geschminkt sind oder künstlich wirken. Ebenso frage ich mich manchmal, wie manche Frauen mit einer Strubbelfrisur und Schlabberpulli ins Restaurant essen gehen können, ohne sich unwohl zu fühlen. Bei der Arbeit ist das wieder ganz etwas anderes, ausser man steht im Kundenkontakt.

Zu deiner Person:

Den Beruf, den du heute ausübst: Studium zur Kindergärtnerin, Aushilfe bei Freund
Lieblingsessen: Dampfnudeln mit warmer Vanillesauce, Mostbröckli, Knoblauchsuppe
Hobbies: Maultierreiten, Dinge selbst herstellen, kochen, backen
Lebensmotto/Spruch:  Gehe nicht den Weg, den hunderte schon vor dir gegangen sind, sondern gehe querfeldein, natürlich ohne alles umzutrampeln, und gehe deinen eigenen Weg.

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