13.08.2017 09:30
Quelle: schweizerbauer.ch - Elmar Gächter
Basel-Land
Der Gamskopf als Markenlabel
Mit rustikalen Möbeln aus Holz, das heute vorwiegend zu Brennmaterial verarbeitet wird, soll die Wertschöpfung verbessert werden.

Simon Czendlik, Leiter des Forstreviers Oberer Hauenstein in Waldenburg, ist ein Mann mit Ideen und Flair für das Machbare. Dies hat der diplomierte Forstingenieur bereits mehrfach bewiesen, so unter anderem mit der Gründung des Unternehmens «Mobile Revolution», das erfolgreich elektronische Unterhaltungsgeräte repariert und das seit seinem Einstieg vor gut einem Jahr als Förster in Waldenburg von seiner Frau geführt wird.

Und kreative Ansätze sind zweifellos nötig, will die seit Jahren finanziell darbende Waldwirtschaft auf einen grünen Zweig kommen. Alternativen zum kaum kostendeckenden Holzerlös sind zwar mit Aufträgen für Private und Naturschutzprojekte in den seit Jahren eng zusammenarbeitenden Forstrevieren Oberer Hauenstein und Hohwacht längst aufgegleist, doch ist auch hier der allgemeine Spardruck deutlich zu spüren.

Im Projekt Gamskopf sehen die Leiter der beiden Betriebe einen zusätzlichen Absatzmarkt für das Naturprodukt Holz, aber auch für andere nachhaltige, regionale und innovative Produkte aus dem Oberbaselbiet.

Zu wenig Wertschätzung

«Unsere wertvolle Ressource Holz ist völlig unterbewertet. Wenn wir uns vorstellen, welch schöne Stücke, wirkliche Unikate, auf dem Holzhackhaufen landen, dann bringen wir dem, was 120 Jahre lang gewachsen ist, zu wenig Wertschätzung entgegen» sagt Simon Czendlik überzeugt.

Was er und seine Mitinitiatoren André Minnig, Förster in Reigoldswil, sowie Michael Meyer, Landwirt und Sager in Titterten, sich unter Alternativen vorstellen, zeigten sie an der diesjährigen Muba am Stand von Tourismus Baselland. Ein hohler Ahornstamm als Kaffeetischchen, ein Buchenstamm mit Frostriss und Füssen aus alten Schienen der Waldenburgerbahn als Sitzbank, eine Trese, geformt aus krummen wilden Eichenstücken, und andere originelle und hochwertige Möbelstücke mit wunderschönen Zeichnungen, ausschliesslich gestaltet von der Natur als grösster Künstlerin. 

Ein klarer lokaler Bezug

Gamskopf, dem die zahlreichen Gämsen in den hiesigen Forstrevieren den Namen geben, soll zudem eine Plattform sein für die unterschiedlichsten Produzenten und Produkte aus den beiden Frenkentälern. «Wir wollen innovativen Leuten eine Möglichkeit bieten, unter unserem Label aufzutreten, und sind dabei offen für die verschiedensten Angebote. Allerdings müssen sie einen klaren lokalen Bezug haben, aus natürlichen Materialien hergestellt sein, und es soll möglichst hinter jedem Produkt eine Geschichte stehen», so Simon Czendlik.

Auf  www.gamskopf.ch befinden sich bereits mehr als 40 Produkte. Neben den Möbeln, ist der schmackhafte Mousseux des pommes aus Äpfeln von Hochstammbäumen ebenso vertreten wie die einmaligen Räucherwürste aus Wildfleisch der Oberbaselbieter Wälder. Die Beteiligten, sind überzeugt, mit ihrem Projekt dem Naturprodukt Holz zu einer grösseren Wertschöpfung zu verhelfen. «Unsere Forstwarte sind bestens ausgebildete und zudem kreative Fachleute. Warum sollen sie bei Schlechtwetter neben Brennholz und Pfählen nicht auch tolle Unikate schaffen», so die rhetorische Frage von Simon Czendlik.

Den drei Hauptprotagonisten ist bewusst, dass ihr Projekt einen längeren Prozess benötigt. «Wenn wir jetzt kommen und sagen, das Hackholz ist eigentlich ein Super-Werkstück, so müssen wir die Augen unserer Forstleute zunächst entsprechend schulen», sagt André Minnig. Für Michael Meyer ist ganz wichtig, dass ihr Projekt in einem gesunden Mass wächst, denn es brauche ja schliesslich auch Zeit, die Produkte herzustellen.  

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