4.12.2016 09:36
Quelle: schweizerbauer.ch - Therese Krähenbühl
Weihnachten
Der Mann hinter dem Nikolaus
Am 6. Dezember kommt wieder der St. Nikolaus, um die Kinder für ihr Benehmen zu loben oder zu tadeln und ihnen Geschenke zu bringen. Oft erscheint er in Begleitung. Doch wer ist diese Figur hinter dem Nikolaus?

«Von drauss’ vom Walde komm ich her; ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!» Mit diesen Zeilen beginnt der grosse deutsche Schriftsteller Theodor Storm sein Gedicht «Knecht Ruprecht». Es folgt darauf ein Gespräch zwischen Christkind, das «droben aus dem Himmelstor» schaut und vom Knecht Ruprecht wissen will, wie er seine Arbeit macht. 

Anders als man das meinen könnte, handelt es sich beim Knecht Ruprecht nicht um den Nikolaus, sondern um seinen Helfer, der von seiner langen Reise ganz offensichtlich schon etwas müde und darum froh ist, dass ihn in der nächsten Stadt nur gute Kinder erwarten.

Dunkle Gestalten 

Die Idee, dass der Mann hinter dem Nikolaus einerseits den schweren Sack mit «Apfel, Nuss und Mandelkern» trägt, wie es Storm beschreibt, und anderseits die Kinder auch bestrafen soll, ist in vielen Ländern verbreitet. Während er in der Schweiz vielerorts einfach als dunkel gekleidete Gestalt mit Kapuze und Bart daherkommt und Schmutzli genannt wird, nimmt er in anderen Ländern geradezu dämonische Gestalt an.

Besonders weit verbreitet ist in Süddeutschland, Österreich, Tschechien, der Slowakei, Slowenien, Kroatien und Norditalien die Krampus-Figur. Bereits am Abend des 5. Dezember fegen diese gruseligen Gesellen, in Fell gehüllt, mit grossen Hörnern, Fratzenmasken und Pferdefuss durch die Dörfer und bestrafen die unartigen Kinder. Die Krampus-Tradition geht vermutlich  bereits auf vorchristliche Bräuche zurück und lehnt sich an den Gedanken an, dass besonders in den kalten und strengen Wintermonaten Dämonen zur Bestrafung der Menschen umhergehen würden. 

Lange Zeit verboten

Während der Zeit der Inquisition im ausgehenden Mittelalter wurde es unter Todesstrafe verboten, sich als Teufelsgestalt zu verkleiden. Daher gibt es erst ab dem 16. Jahrhundert erste Belege für den Krampus. In den reformierten Gebieten wurde der Krampus, der übrigens nie alleine, sondern mit vielen anderen Krampen auftritt, durch den gemässigten Schmutzli oder eben Knecht Ruprecht abgelöst, der maximal mit Schellengurt, Sack und Rute daherkommt. 

In der Region Berchtesgaden (D) übernehmen die sogenannten Buttmandl eine ähnliche Funktion wie der Krampus und kommen ebenfalls als urtümliche Dämonen verkleidet daher. 

Klaus und Schwarzpeter

In den Niederlanden wird Sinterklaas vom festlich gekleideten und schwarz angemalten «Zwarte Piet» begleitet, den viele wohl noch aus dem Schwarzpeter-Spiel kennen. Im Gegensatz zu den Krampen ist er eine beliebte Figur, übernimmt aber die gleiche Funktion wie der Knecht Ruprecht oder der Schmutzli. 

Und für die zählt nur eine Frage, wie Storm am Schluss seines Gedichtes schreibt: «Nun sprecht, wie ich’s hier innen find’! Sind’s gute Kind’, sind’s böse Kind’?»

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