26.02.2017 06:03
Quelle: schweizerbauer.ch - jgr
Bern
Er war dem Tod nahe
Alexander Beer erlitt eine Kohlenmonoxidvergiftung. Und dies, kurz bevor seine Frau das dritte Kind zur Welt brachte.

Vor einigen Tagen wurde Alexander Beer zum dritten Mal Vater. «Eine Geburt ist ein Wunder», sagt er mit einem Leuchten in den Augen. An ein Wunder grenzt auch, dass der Landwirt die Geburt seines Sohnes miterleben durfte.

Denn am Montag, 23. Januar, war er dem Tod näher als dem Leben. Der 40-Jährige erlitt eine Kohlenmonoxidvergiftung. «An diesem Tag sollten die Eintagsküken eingestallt werden.» Die Tage zuvor seien bitterkalt gewesen, erzählt Beer, der in Zollbrück BE eine Bio-Poulet-Mast betreibt. Aus diesem Grund hatte der Bauer die Vormasthallen vorgeheizt, damit bei der Ankunft der Bibeli die für sie überlebenswichtigen 34 Grad im Stall herrschten. 

Beer besitzt zwei dieser sogenannten Vormasthallen. Hier bleiben die Küken jeweils 21 Tage, danach kommen sie in die mobilen Hühnerställe mit Weidegang. Beide Vormastställe sind analog in sechs Abteilungen untergliedert und verfügen über je sechs Gasstrahler. Das Gas befindet sich in einem grossen Tank, der sich neben den Stallungen befindet. Via Rohr fliesst das Gas ins Innere der Ställe. 

Nur ein Gedanke

Am besagten Montag, so gegen neun Uhr morgens, wollte der Familienvater nochmals zum Rechten schauen, bevor gegen Mittag die Tiere eintrafen. Dabei fiel ihm auf, dass bei zwei Gasstrahlern die Flammen bläulich flackerten. «Also ging ich hinein und nahm die beiden Strahler ab, um diese zu reinigen», erzählt er. Zeitgleich schaute ein Nachbar vorbei, und die Männer sprachen zusammen. 

Nachdem Beer in der Werkstatt mit einem Druckluftkompressor die Strahler ausgeblasen hatte, ging er zurück, um diese zu montieren. Doch kaum sei er im Stall gewesen, sei ihm schwindlig geworden. «Ich hatte nur noch den Gedanken, raus zu müssen», erinnert sich Beer.

Nachbar eilte zu Hilfe

So schnell er konnte, sei er hinausgegangen. Der Nachbar, der draussen wartend das Geschehnis mitbekam,  habe ihn die letzten paar Meter gestützt,  danach sei er bewusstlos zusammengebrochen. Beer hat nicht mehr mitbekommen wie ihn der Nachbar an eine Mauer lehnte.

Auch dass seine damals hochschwangere Ehefrau Margreth den Rettungsdienst alarmierte, weiss er nur vom Hörensagen. Denn sie wollte gerade mit dem Auto wegfahren, als sie im Rückspiegel ihren bewusstlosen Mann am Boden liegen sah, der Nachbar kniend daneben.  

Helikopter konnte nicht fliegen

Beim Eintreffen der Ambulanz war Alexander Beer wieder bei Bewusstsein. Kurz nach dem Rettungswagen traf auch die Rega ein. Weil jedoch an diesem Tag in Bern Nebel lag, konnte der Helikopter nicht direkt das Inselspital anfliegen und hätte in Belp landen müssen. Aus diesem Grund hat der Arzt entschieden, den Verunfallten mit der Ambulanz  zu transportieren.

Während der Fahrt sei er zuerst erstaunlich ruhig gewesen, erinnert sich der Familienvater. Aber plötzlich sei ihm klar geworden, dass sein Leben an einem dünnen Faden gehangen sei. «Ich dachte an meine Frau und meine Kinder. Da musste ich weinen.» 

Angekommen im Inselspital, wurden die Blutwerte von Alexander Beer gemessen. Das Blut enthielt immer noch eine hohe Konzentration an Kohlenmonoxid. Aus diesem Grund wurde er mit dem Helikopter nach Genf ins Unispital geflogen, denn mittlerweile hatte sich der Nebel gelichtet. Dort angekommen, wurde er in eine Dekompressionskammer gebracht. Diese ähnelt äusserlich einem U-Boot. 

Während der Behandlungen atmete er zuerst 2 Stunden und dann zweimal 1 Stunden lang reinen Sauerstoff unter 15 Bar Druck ein. Diesen Vorgang musste Alexander Beer insgesamt dreimal wiederholen, bevor er am Dienstagmittag das Spital verlassen durfte. 

Hat daraus gelernt

Zum Glück hat Alexander Beer beim Unfall keine bleibenden gesundheitlichen Schäden davongetragen. «Aber ich habe daraus gelernt», sagt er. Denn seit dem schlimmen Erlebnis hängen Kohlenmonoxidmelder bei den Eingängen der Vormastställe. Diese ähneln in der Grösse und der Form einem Feuermelder.

Und bevor der Landwirt in den Stall hineingeht, wirft er nun zuerst einen Blick darauf. Er hätte die Geräte bereits viel früher anschaffen sollen, sagt Alexander Beer selbstkritisch. «Dann wäre dieser schreckliche Unfall mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht passiert.»

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