6.08.2017 09:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Schwyz
Ohne Laufen geht es nicht
Fleisch- und Milchschafe, Milchziegen und Mutterkühe hält Familie Betschart auf der Charetalp. Zusätzlich zwei Haflinger-Pferde. Diese benötigt er jedoch als Arbeitstiere – denn die Charetalp ist nur zu Fuss erreichbar.

«Wer nicht laufen kann, wäre auf dieser Alp falsch.» Davon ist Erich Betschart überzeugt. Denn die Charetalp im Muotatal kann nicht mal mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen erreicht werden. Kartoffeln, Teigwaren, Salz oder Brennholz wird zu Beginn des Alpsommers per Helikopter auf die Alp geflogen, alles weitere muss Betschart danach aber zu Fuss hinaufschaffen.

Schafe, Ziegen und Kühe

Zum Säumen ab einer Seilbahnstation, knapp 1½ Stunden von der auf 1870 Meter über Meer liegenden Alphütte entfernt, wo er zusammen mit Ehefrau Sandra, drei kleinen Kindern und seinen Eltern Alfons und Romy lebt, nutzt er deshalb zwei Haflinger-Pferde. Er kann zwischen zwei Seilbahnstationen wählen, für Personentransporte jedoch nur die Glattalp-Bahn im hinteren Bisisthal.

«Wenn wir zu Beginn des Alpsommers mit unseren Tieren von der Voralp auf die Charetalp kommen, sind wir etwa eine Woche lang unterwegs», erzählt Betschart. Dies aber auch, weil er auf seiner Alp praktisch alles hält, was man haben kann: etwa 1000 Fleischschafe, 60 Milchziegen, 20 Milchschafe und 30 Mutterkühe mit Rindern und Kälbern. 

Seit frühester Kindheit

«Für uns ist es nun bereits der 33. Alpsommer», weiss Romy Betschart genau – ihr Sohn Erich war beim ersten Mal, damals noch auf einer Alp im Kanton Glarus, gerade mal einen Monat alt. Seit 1985 verbringt die Familie den Sommer auf der Charetalp.

«Wir sind wir nur etwa vier- oder fünfmal hinunter gegangen, etwa zu einer Hochzeit oder einer Beerdigung», erzählt Vater Alfons, gelernter Metzger. Anfänglich hütete er jedoch nur etwa ein Dutzend Ziegen, aus deren Milch Butter gemacht und verkauft wurde um Salben herzustellen. Von einem Jahr auf das andere konnte man jedoch keine Butter mehr liefern, und so wurde auf Käseproduktion umgestellt.

Auf Dauer war es jedoch auch nicht mehr möglich, mit nur etwa einem Dutzend Tieren zu überleben. Dank der Heirat mit Sandra, die ein etwa 5½-Hektar grosses Heimetli in die Ehe mitgebracht hat, konnte er eigene Tiere anschaffen. Für das steile Gelände kamen jedoch nur Ziegen infrage,  später kamen Milchschafe hinzu. 

Stallneubau auf der Alp

«Es ist schöner, mit eigenen statt nur mit fremden Tieren auf die Alp zu gehen», erzählt Betschart. Allerdings musste er den Ziegen, für die er früher gerade mal ein paar Blachen und Wellbleche als Unterstand nutzen konnte, ohne Subventionen einen neuen Stall samt Käserei bauen, in der er täglich die Ziegenmilch und jeden zweiten Tag die Schafmilch verarbeitet. «Wir behalten den Käse so lange wie möglich auf der Alp», erzählt Sandra. Denn unten im Tal wäre man stets auf die Hilfe anderer angewiesen. Wohl erhalten Betscharts etwa Hilfe zum Heuen. Und Erich geht nach dem Käsen selbst den langen Weg hinunter ins Tal, um Hand anzulegen.

Auf Hilfe angewiesen wird er auch sein, wenn es im September wieder von der Alp hinuntergeht. Bei dem typisch rauen Klima dieser Region muss manchmal verhältnismässig kurzfristig entschieden werden, wann entalpt werden muss. Um mit den vielen Tieren das teils steile und unwegsame Gelände bei womöglich schlechtem Wetter zu überwinden, braucht es Helfer, die das Gebiet gut kennen. 

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