4.12.2016 07:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Essen
Produkte mit regionalem Charakter haben Zukunft
Goji-Beeren, Paleo, free-from, Veganismus: Ernährung ist in aller Munde. Auch das LZE in Sissach beschäftigt sich mit den Foodtrends. Und wie reagiert die Landwirtschaft? Antworten gab es an einem Podiumsgespräch.

«Wenn das Essen zur Religion wird», titelte im Sommer der «Tages-Anzeiger», «Die Religion des Essens» Anfang Jahr die «Zeit», und im Oktober fragte der Kulturfernsehsender Arte: «Essen – die neue Religion?» Ob nun Religion oder nicht: Noch nie reflektierten so viele Menschen ihre Ernährung auf so tiefsinnige und vielfältige Weise.

Dies nahm das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain in Sissach, kurz LZE, Mitte November zum Anlass, ein Podiumsgespräch zum Thema Foodtrends durchzuführen. Unter der Prämisse «Ernährung quo vadis» ging es um vegane Ernährung und das genaue Gegenteil, die fleischlastige Paleo-Diät, um sogenannte Superfoods und Verzicht als neues Glaubensbekenntnis. Über 60 Interessierte lauschten den Worten der Experten.

Wichtiger Trend

Unter ihnen war Martin Wasserfallen von der SV Group, Schweizer Marktführer punkto Gemeinschaftsgastronomie. Er wies darauf hin, dass neue Produkte und Diäten zwar in aller Munde sind, nicht zuletzt wegen der sozialen Medien. «Gleichzeitig bleibt jedoch das Altbewährte für die Mehrheit im Alltag interessanter.» Wasserfallens Beispiel: Pommes mit Hackbraten. Trotzdem komme die Gastronomie an Trends nicht vorbei, wie in jüngster Vergangenheit an Chia-Samen.

Als wichtigster Trend wurde der Veganismus festgemacht, aktuelle Zahlen weisen allerdings weniger als ein Prozent der Bevölkerung als Veganer aus. Die vegane Ernährung habe durchaus gesundheitliche Vorteile, erklärte Gaby Fontana vom Schweizerischen Verband der Ernährungsberater, «aber es ist nicht einfach, sich vegan zu ernähren, ohne in eine Mangelsituation zu geraten»

Auch Christine Badertscher vom Schweizerischen Bauernverband sieht den Veganismus als nicht ganz unproblematisch an: «Die Schweiz als Grasland mit hügeliger und bergiger Topografie eignet sich gut für die Rindviehhaltung, die Anbaumöglichkeiten für verwertbare pflanzliche Kalorien sind beschränkt.»

Gewisse Widersprüche

Barbara Suter, Leiterin Abteilung Ernährung beim LZE und als solche Organisatorin des Podiumsgesprächs, zieht ein für die Landwirtschaft positives Fazit. Denn ob Veganismus oder Paleo: Die Menschen setzten sich mit ihrer Ernährung auseinander, Veganer kommunizieren unter dem Ernährungsvorwand eine ganze Lebenshaltung.

Darum steht Nachhaltigkeit ganz hoch im Kurs, sie ist der Megatrend der Stunde. Regional produziert sollen Nahrungsmittel sein und qualitativ hochwertig.

Gewisse Widersprüchlichkeit

Allerdings mit Einschränkungen, will doch die Expertenrunde eine gewisse Widersprüchlichkeit bei den Konsumenten erkennen. So spielten Herkunft und Produktionsbedingungen bei Rohprodukten eine ausserordentlich wichtige Rolle; sobald es sich allerdings um verarbeitete Produkte handele, verliere dieser Aspekt rasch an Bedeutung.

Darum wünschte sich die Runde einen Trend «back to the roots», zurück zu den Wurzeln: Menschen, die selber kochen, mit Lebensmitteln, die am besten direkt vom Bauern kommen und über die sie Bescheid wissen – ohne Hypes aufzuliegen.

Es darf einfach gekocht werden, unkomplizierte Gerichte mit wenig Fleisch und noch weniger industriell verarbeiteten Produkten.

Kein Patentrezept

Unter dem Slogan «Ernährung quo vadis» wird das LZE auch künftig Foodtrends beleuchten. «Das LZE stellt der Gesellschaft bewusst immer wieder Fragen wie ‹Wie kann die regionale Landwirtschaft aktuelle Foodtrends aufnehmen und erfolgreich für den Markt produzieren?›», erklärt LZE-Leiter Lukas Kilcher auf Anfrage.

Ein Patentrezept könne man nicht ausstellen, jeder Betrieb müsse sein eigenes Erfolgsrezept finden. Klar ist: «Besondere Chancen sehen wir für innovative Produkte mit stark regionalem Charakter. Das können die bekannten Kirschen sein, aber auch Neuheiten wie Aronia- und Goji-Beeren oder Rohstoffe für regionales Bier und Käse.»


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