Sonntag, 29. November 2020
17.11.2020 15:03
Antibiotika

Viele wenden Antibiotika falsch an

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Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind, sind nach wie vor ein grosses medizinisches Problem. Die Kenntnisse darüber sind in der Schweizer Bevölkerung einigermassen solid. Dennoch nehmen nur ein gutes Drittel der Patienten Antibiotika weisungsgemäss.

Zum dritten Mal nach 2016 und 2018 wurde dieses Jahr eine Umfrage zu Antibiotikaresistenzen im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) gemacht. Verändert hat sich seit der letzten Befragung nicht viel: Nach wie vor nehmen etwa 22 Prozent der Schweizer und Schweizerinnen mindestens einmal im Jahr Antibiotika. Eine signifikante Veränderung zeigte sich einzig im Tessin, wo der Gebrauch seit 2018 von 30 auf 17 Prozent gesunken ist.

Die Bevölkerung zeigte sich relativ gut informiert. Von vier Aussagen zum Thema konnten fast die Hälfte alle korrekt einordnen. Weitere 30 Prozent kamen auf drei Richtige. Am meisten falsche Antworten gab es auf die Frage, ob Antibiotika Viren zerstören (tun sie nicht), am meisten richtige zur Frage, ob die unnötige Einnahme von Antibiotika deren Wirksamkeit verringert (tut sie).

Lasche Befolgung von Verschreibungen

Trotz relativ solidem Wissen ist die Anzahl derjenigen, welche die Einnahme von Antibiotika gemäss Anweisung beendet haben, gesunken, wie Demoscope am Dienstag informierte: Nur 38 Prozent der Befragten, die in den zwölf der Stichprobe vorangegangenen Monaten Antibiotika genommen haben, taten das solange wie der Arzt oder die Ärztin verordnet hatte.

18 Prozent hörten 4 bis 14 Tage nach Beginn der Kur mit der Einnahme auf, 15 Prozent stoppten, sobald die Packung leer war, 13 Prozent stellten die Einnahme ein, sobald sie sich besser fühlten. Letzteres kann gefährlich sein, da überlebende pathogene Bakterien eine Resistenz ausbilden können. Neueste Studien haben allerdings gezeigt, dass diese Gefahr geringer ist als früher angenommen.

Operationen und Blasenentzündungen

8 Prozent der Gewährspersonen gaben an, Antibiotika bei Erkrankungen genommen zu haben, gegen die sie grundsätzlich nicht wirken, beispielsweise Grippe. Stellt man in Rechnung, dass 95 Prozent der Befragten die Medikamente auf ärztliche Verschreibung schluckten, bleiben 3 Prozent, welche dies offensichtlich aufgrund von falschen Entscheidungen von Ärzten getan haben – offenbar wissen sogar Fachleute nicht immer, dass Antibiotika nicht gegen Viren helfen.

Häufigster Grund für die Medikation war die präventive Einnahme aufgrund chirurgischer Eingriffe; das war in 17 Prozent der Verschreibungen der Grund. In 14 Prozent der Fälle sollten diverse Entzündungen und Infekte bekämpft werden, in 13 Prozent speziell Harnwegsinfekte. Letzteres traf vor allem Frauen, während Männer häufiger gegen Operationen vorbeugten.

Mehr in Spitälern, gleich viel in Praxen

Der kritische Umgang mit Antibiotika hat sich offenbar bei Ärzten durchgesetzt: In der ambulanten Versorgung belief sich der Gesamtverbrauch von Antibiotika zur systemischen Anwendung im Jahr 2019 auf 9,1 DDD (Tagesdosen) pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner pro Tag. Er blieb im Vergleich zu 2018 (9,1) und 2017 (9,0) stabil. Im Vergleich zum europäischen Median (18,4) war er relativ gering.

In den Schweizer Akutspitälern stieg der Verbrauch von Antibiotika zur systemischen Anwendung allerdings zwischen 2010 und 2019 um 13 Prozent auf 51,8 definierte Tagesdosen pro 100 Bettentage an. Das ergab der neue Schweizer Antibiotikaresistenzen-Raport.

Um die Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten, hat der Bundesrat 2015 eine nationale Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) verabschiedet. Seither werden in den Bereichen Mensch, Tier und Umwelt erfolgreich Massnahmen umgesetzt und überprüft.

Der alle zwei Jahre herausgegebene «Swiss Antibiotic Resistance Report» von BAG und Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) ist ein Instrument zur Überprüfung der Massnahmen.

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