6.05.2017 18:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Trudi Krieg
Thurgau
Zwölf Jahre Aufbauarbeit zerstört
Der starke Schneefall in der Nacht vom 28. auf den 29. April zerstörte eine 4-Hektar-Tafelkirschenanlage mit etwa 4000 Bäumen auf dem Betrieb von Werner Gsell in Winden TG. Der Zivilschutz hilft beim Aufräumen.

Werner Gsell erinnert sich: Schon im Frühling 2013 fiel später Schnee. Damals halfen Kollegen, das Dach vom Neuschnee zu befreien, und es entstand kein Schaden an den Kulturen. Vorsichtigerweise bot darum Werner Gsell in der Nacht vom 28. auf den 29. April 35 Leute auf, um die Schutzfolie unter den Hagelnetzen  laufend von der Schneelast zu befreien. «Es sah gar nicht nach so viel Schnee aus, aber weil es zwischendurch regnete, war dieser nass und sehr schwer.

Als es gegen 6.30 Uhr verdächtig knarrte in den Stützen, gab ich den Befehl: Sofort alle heraus aus den Anlagen», erzählt Werner Gsell. Zwischen acht und neun Uhr krachten die Betonstützpfeiler der Wetterschutzanlagen zusammen. Die bereits in voller Blüte stehenden Bäume sind nun geknickt oder entwurzelt.  Das Bild, das sich am Freitag bietet, ist kein schöner Anblick.

Dicke Betonpfeiler sind zersplittert, Drahtseile gerissen. Wasserlachen und Schneereste drücken die von Baumästen durchbohrten  Kunststoffteile noch ganz zu Boden. Allein der Schaden der Stützkonstruktion beläuft sich auf etwa  300000 Franken. Diese ist versichert, aber nicht zum Neuwert. Die Bäume und der Ernteausfall sind nicht versichert.

Soforthilfe unbürokratisch

Voller Lob ist Werner Gsell über die Helfer vom Zivilschutz, welche die Fachstelle Obstbau Arenenberg über das Thurgauer Landwirtschaftsamt aufbot: «Sie waren schon am Freitagnachmittag da, schauten sich die Sache an und überlegten, wie man helfen könne, ohne zu fragen, warum und wieso.

Seit Dienstagmorgen sind 40 Mann im Einsatz, verteilt auf die Betriebe von Gsell und Konrad Huber in Roggwil, wo ebenfalls grosse Schneeschäden entstanden sind. Sie trennen Netze auf, lösen Tragseile, bauen Beton und Holzpfähle zurück.

Werner Gsell und Einsatzleiter Ursin Camenisch entscheiden, was bei den Bäumen noch zu retten ist. Im Moment sei besonders wichtig, dass die Bäume vom Plastik befreit werden, damit diese darunter nicht zu warm bekommen.

Den Saisonniers abgesagt

Auf dem Betrieb von Werner Gsell in Balgen, Winden bei Egnach, ist der Tafelkirschenanbau ein wichtiger Betriebszweig nebst Pouletmast und Hochstamm-Mostobst. Die ersten Niederstamm-Kirschbäume setzten Gsells versuchsweise 2005. Im Feuerbrandjahr 2007 mussten zwei Hektaren Tafelobst und über hundert Hochstammbäume gerodet werden.

Da die Erfahrungen mit den ersten Kirschbäumen gut waren, wurden als Ersatz weitere Kirschbäume gepflanzt und die Fläche auf 4 Hektaren ausgedehnt, die in den letzten Jahren voll im Ertrag waren. Für dieses Jahr haben sich schon 10 bis 15 Polen und Slowaken gemeldet als Erntehelfer.

Die Helfer heuern jeweils selber in ihren Heimatländern Bekannte an als Saisonniers für die sechs Wochen dauernde Kirschenernte. Jetzt musste Werner Gsell allen absagen. Es ist noch ungewiss, ob überhaupt und wie viele Kirschen noch geerntet werden können. 

Das Leben geht weiter

«Am Freitagnachmittag dachte ich: nie mehr Kirschen. Inzwischen bin ich zusammen mit meiner Frau entschlossen, den Kirschenanbau wieder zu wagen. Da stecken unser Herzblut und unsere Erfahrungen drin. Wir wollen jetzt nicht nochmals etwas Neues anfangen.»

Das Leben geht weiter. Werner und Adelheid Gsell sind mit vielen Helfenden mitten in den Vorbereitungen für das Pouletessen auf dem Bauernhof, welches an Pfingsten Tradition hat bei Gsells und weit herum bekannt und beliebt ist. Es jährt sich in diesem Jahr zum 20igsten Mal. Die Pouletmast ist nebst den Kirschen und Hochstamm-Mostobst  ein weiterer Betriebszweig der Familie Gsell. 

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE